WASHINGTON / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Space Force will den zivilen Personalaufbau beschleunigen und prüft dafür eine neue Space Academy als formalen Einstieg in die laufenden Missionen. Der Chef der Space Operations, General Doug Schiess, spricht von einem zuverlässigen Strom an technischen Zivilkräften. Parallel steigt der Druck auf den Haushaltsentwurf: Für 2027 beantragt die Space Force rund 7.200 zivile Stellen, etwa 40% mehr als 2026. NASA soll zudem ab 2031 einen festen Campusstandort auf Basis einer Ausschreibung vorbereiten.

Die Space Force plant offenbar, ihre Personalstrategie stärker als bisher über Ausbildungspfade zu verstetigen – und zwar nicht nur über klassische Uniformkarrieren. General Doug Schiess, Chief of Space Operations, stellt in Washington klar: Die Air Force Academy in Colorado bleibt für angehende Offiziere wichtig, doch mit einer von NASA angestoßenen Space Academy könnte eine zusätzliche, strukturierte Pipeline entstehen, die besonders techniknahe Zivilkräfte in die Organisation bringt. Im Kern geht es darum, die Lücke zu schließen, die sich durch Abgänge im zivilen Bereich ergibt – ein Bereich, in dem die Streitkräfte traditionell stark auf tiefes Fachwissen angewiesen sind, etwa bei Kommunikations-Relay, Warnsystemen und komplexen IT-/Cyberaufgaben.
Der Personalbedarf ist dabei kein Randthema, sondern konkret beziffert. Die Space Force steht unter Zugzwang, weil sie nach Angaben aus dem Kontext fast 14% ihrer zivilen Beschäftigten durch frühe Ruhestandsregelungen und Entlassungen im Zuge der Maßnahmen in der Trump-Administration verloren hat. Zivilkräfte machen demnach etwa ein Drittel der Personalstärke der kleinsten Teilstreitkraft im Pentagon aus – mehr als in anderen Zweigen. Für 2027 will die Space Force deshalb laut Bericht rund 7.200 zusätzliche zivile Jobs finanzieren lassen, und das entspricht einem Aufwuchs um rund 40% gegenüber 2026. Eine Space Academy, die Spezialistinnen und Spezialisten gezielt für den Wechsel in den zivilen oder militärischen Dienst qualifiziert, passt genau in dieses Muster: Ausbildung wird zur Vorstufe für planbare Rekrutierung.
Technisch betrachtet verschiebt eine solche Academy die Qualifikationslogik von „Einstellung nach Bedarf“ hin zu „Training nach Kompetenzprofil“. Der Vorschlag baut auf einer Executive Order auf, in der die USA laut Quelle auf ein „professional corps of civically grounded leaders“ für die nächste Phase der US-Raumfahrtentwicklung setzen wollen. Vorgesehen ist, dass das neue Ausbildungsangebot Spezialistinnen und Spezialisten von Astronauten-Umfeld und Satellitenbetrieb bis hin zu Ingenieur- und Wissenschaftsrollen adressiert – jeweils verbunden mit einer zeitlichen Verpflichtung, entweder in der Militärstruktur oder im zivilen Staatsdienst zu arbeiten. In diesem Zusammenhang wird auch ein mögliches Duplikat-Kritikargument aufgegriffen: Militärische Raumfahrtverantwortliche hatten betont, eine eigene Service Academy für die 2019 gegründete Space Force könne überflüssig sein. Schiess signalisiert jedoch eine kooperativere Sicht, wonach die Space Force Nasa-Pläne mitgestalten und von deren Arbeiten profitieren will, aber nicht federführend sein möchte.
Interessant ist dabei, wie die Space Force den Übergang zwischen zivil und militärisch denkt. Schiess zieht eine Analogie zur Merchant Marine Academy: Dort werden sowohl zivile als auch militärische Wege vorbereitet. Absolventinnen und Absolventen unterstützen typischerweise eine ergänzende Streitmacht für Frachtschiffe und können im Kriegsfall auch andere Dienste entlasten; zugleich ist ein Wechsel zwischen Bereichen grundsätzlich möglich. Zusätzlich deutet er an, dass das neue Format auch Offizierslaufbahnen ähnlich den klassischen Service Academies eröffnen könnte – dort erhalten pro Jahr typischerweise einige Second Lieutenants Anschluss in anderen Teilstreitkräften. Die Space Academy könnte demnach ebenfalls einen vergleichbaren Weg für Truppenteile bieten, die später zur Space Force wechseln wollen.
Operativ steht vor allem die Frage im Raum, wie Ausbildung an der neuen Schule mit vorhandenen Rekrutierungsmechanismen verknüpft wird. Schiess schlägt vor, dass die militärischen Dienste am Standort Einheiten nach dem Vorbild des Reserve Officer Training Corps (ROTC) ansiedeln könnten. Für die Space Force ist dabei bereits ein ambitioniertes Ziel genannt: Man wolle nächstes Jahr allein durch ROTC rund 300 „guardians“ gewinnen. Die Logik dahinter ist pragmatisch: Wenn ein Abschluss an der Academy direkt als commissioning source in eine Offiziersquelle münden kann, sei das aus Sicht der Space Force „goodness“, formuliert Schiess. Gleichzeitig bleibt die Air Force Academy als „Konstante“ bestehen; pro Jahr werden dort weiter 100 Guardians ausgeprägt, heißt es.
Die nächste Hürde ist die Ausgestaltung. Eine Präsidialkommission soll laut Quelle in 120 Tagen die Details erarbeiten, die für die Gründung der neuen Schule nötig sind. Den Vorsitz übernimmt NASA-Administrator Jared Isaacman. In der Besetzung tauchen außerdem Defense Secretary Pete Hegseth, der Direktor des Office of Management and Budget Russ Vought sowie der Air Force Secretary Troy Meink auf, dazu weitere Bundesmanager; das Gremium habe bereits am 9. September seine erste Sitzung abgehalten. Das Training-and-Readiness-Kommando der Space Force liefert demnach ebenfalls Input, doch Maj. Gen. Jim Smith, Chef von Space Training and Readiness Command, will sich vorerst zurückhalten: Die Space Force könne erst nach den Empfehlungen der Kommission klären, wie genau die Umsetzung aussehen soll. Smith betont dabei den strategischen Bildungsnutzen über den Raumfahrtbereich, denn Sicherheit und Lebensweise der USA stünden auf Fähigkeiten und Aktivitäten in diesem Domänenumfeld.
Auch auf der Standortebene läuft der Prozess parallel an. NASA ruft laut Quelle die Bundesstaaten dazu auf, ab sofort Gebote für den permanenten Campus einzureichen, der ab 2031 vorgesehen ist. In der Sept.-10-Ausschreibung fordert die Agentur dafür „institutional capacity, infrastructure, partnerships, security and room for growth“ – also nicht nur Gebäude und Technik, sondern auch ein tragfähiges Umfeld und Platz für Skalierung. NASA argumentiert zusätzlich mit dem Ziel, Exzellenz anzustoßen, die US-amerikanische Aerospace-Qualifikationsbasis zu stärken und die Entschlossenheit zu zeigen, langfristig zu den führenden Raumfahrtmächten zu gehören. Für Unternehmen und Hochschulen in der Zulieferkette ist das vor allem eine Nachricht über Timing: Wer Kompetenzen in Satellitenbetrieb, Missionsengineering oder sicherheitsrelevanter Systemintegration aufbauen will, sollte die entstehende Rekrutierungs- und Ausbildungsinfrastruktur als planbares Nachfragefenster begreifen.
Damit verknüpft sich schließlich auch eine Markt- und Ökosystemfrage. Wenn die Space Force tatsächlich einen zuverlässigen Zulauf technischer Zivilkräfte etablieren kann, verschiebt sich die Wettbewerbslandschaft entlang von Talent-Pipelines: Projekte im Bereich Ground Segment, Datenverarbeitung, Kommunikationsarchitekturen oder Cyber-Operations hängen in der Praxis weniger an kurzfristigen Einstellungen, sondern an kontinuierlicher Verfügbarkeit spezialisierter Rollen. Eine Academy, die bereits während der Ausbildung Verpflichtungspfade in den militärischen und zivilen Dienst integriert, könnte diese Verfügbarkeit messbar stabilisieren. Gleichzeitig bleibt aber ein Detail offen: Welche konkrete Rolle die Space Academy gegenüber vorhandenen Ausbildungsprogrammen einnimmt, hängt von den 120 Tagen Kommissionsarbeit ab – und davon, wie ROTC, commissioning sources und zivilrechtliche Laufbahnen im Detail zusammenspielen.
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