LONDON (IT BOLTWISE) – Aroundtown geht eine strategische Partnerschaft mit Climate X ein, um klimabedingte Risiken im eigenen Immobilienbestand systematisch zu analysieren. Die Zusammenarbeit nutzt datenbasierte Modellierung physischer Klimarisiken und passt die Verfahren an die Portfolioeigenschaften an. Im Fokus stehen sowohl Effekte auf einzelne Objekte als auch Auswirkungen auf das Gesamtportfolio. Zudem soll die Analyse stärker in Immobilien- und Investitionsentscheidungen integriert werden.

Für Asset Manager verschiebt sich die Diskussion über Klimarisiken gerade vom abstrakten Reporting hin zu belastbaren Entscheidungsgrundlagen. Aroundtown, ein europäisches Immobilienunternehmen mit einem diversifizierten Bestand aus Büro-, Wohn- und Hotelimmobilien, setzt hierfür auf eine Partnerschaft mit Climate X. Ziel ist nicht nur eine einmalige Bestandsanalyse, sondern eine umfassende Bewertung klimabedingter Herausforderungen im Portfolio – inklusive der Frage, wie sich Risiken über die Zeit entwickeln können. In der Praxis bedeutet das: Klimadaten werden so aufbereitet, dass sie für die konkrete Standort- und Objektlogik im Immobiliengeschäft nutzbar sind.
Technisch betrachtet knüpft Climate X an datenbasierte Ansätze zur Bewertung physischer Klimarisiken an. Solche Analysen zielen darauf, potenzielle Effekte klimatischer Veränderungen auf Standorte, Vermögenswerte und Geschäftsprozesse zu modellieren. Entscheidend ist dabei, dass die Modellierungsverfahren nicht „one size fits all“ funktionieren, sondern an die spezifischen Portfolioeigenschaften angepasst werden. Genau diese Anpassung wird in der Kooperation als zentraler Schritt genannt: Aroundtown nutzt die Expertise von Climate X, um die Bewertungsvorgehensweise an die Struktur des eigenen Bestands anzudocken. Damit rückt die Frage in den Mittelpunkt, welche Annahmen im Modell wirklich zu den Risiken passen, die für den jeweiligen Gebäudetyp, Standortmix und die Portfoliologik relevant sind.
Besonders relevant ist die Einbindung sogenannter Shared Socioeconomic Pathways (SSPs). Diese Klimaszenarien bilden unterschiedliche Zukunftsentwicklungen ab, unter anderem hinsichtlich gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Rahmenbedingungen. Aroundtown kann über vertiefte Szenarioanalysen die tatsächlichen klimabedingten Auswirkungen besser einschätzen – und zwar nicht nur für einen einzelnen Blick in die Gegenwart, sondern entlang verschiedener Klimaveränderungen. Aus Risikomanagement-Sicht liefert das vor allem zwei Effekte: Erstens entsteht Transparenz darüber, welche Risiken zuerst relevant werden und wo sich Schwachstellen verdichten. Zweitens können Maßnahmen priorisiert werden, weil die Entwicklung unter mehreren Szenarien erkennbar wird statt nur auf einer einzigen Annahme zu beruhen.
Um die Ergebnisse praktisch nutzbar zu machen, setzen die Partner auf eine engere Kopplung an Prozesse, die bereits in der Immobilienwelt etabliert sind. Aroundtowns Chief Sustainability Officer Limor Bermann ordnet die Zusammenarbeit als Beitrag zur Risikoreduzierung im Portfolio ein. Der Kern ist dabei, klimabedingte Schwachstellen frühzeitig zu erkennen, gezielte Maßnahmen einzuleiten und die Resilienz des Bestands nachhaltig zu erhöhen. Aus Unternehmenssicht geht es damit um mehr als „Daten sammeln“: Wenn Erkenntnisse in die Planung einfließen, können Investitionsentscheidungen, Prioritäten im Asset Management und Nachhaltigkeitsprogramme schneller auf reale Risikoprofile reagieren.
Ein weiterer praktischer Baustein ist der Bericht, der im Rahmen eines BREEAM-Zertifizierungsprozesses eingesetzt wurde. Laut Angaben aus dem Kontext der Partnerschaft handelt es sich dabei um eine maßgeschneiderte Climate-X-Ausgabe, die die Klimainformationen in den Immobilienkontext übersetzt. Das ist insofern interessant, als BREEAM-Umfelder üblicherweise die Verbindung von Nachhaltigkeitsanforderungen und Nachweisen verlangen. Wenn ein Klimarisiko-Report hier nicht nur als Randdokument auftaucht, sondern in einen Zertifizierungsprozess integriert wird, steigt auch der Druck, Annahmen und Methodik verständlich und nachvollziehbar zu machen. Für Unternehmen, die bereits in Berichtspflichten, Zertifizierungen und interne Bewertungssysteme eingebunden sind, reduziert das zudem Reibungsverluste, weil Datenformate und Use Cases weniger fragmentiert sind.
Der Perspektivwechsel wird auch von Climate X adressiert: Der CEO und Mitgründer Lukky Ahmed beschreibt die Zusammenarbeit als grundlegenden Wandel in der Bewertung klimatischer Veränderungen durch Asset Manager. Die Analyse werde dabei nicht isoliert betrachtet, sondern als integraler Bestandteil strategischer Immobilien- und Investitionsentscheidungen. Damit verschiebt sich die Wertschöpfungskette: Modelle liefern nicht nur Ergebnisse für ein Nachhaltigkeitsteam, sondern werden in die Logik eingebunden, mit der Rendite-, Nutzungs- und Instandhaltungsfragen im Portfolio gesteuert werden. Das kann die Stabilität und Werthaltigkeit des Bestands langfristig unterstützen, weil Entscheidungen früher auf erwartbare Belastungen reagieren können, statt später nachzuziehen, wenn Schäden oder Risiken bereits sichtbar werden.
In der Breite unterstreicht die Kooperation zudem die zunehmende Bedeutung datenbasierter Ansätze im Risikomanagement von Immobilienportfolios. Gerade bei Portfolios mit unterschiedlichen Nutzungsarten – also etwa Büro, Wohnen und Hotels – sind Risiken häufig heterogen: Was für eine bestimmte Gebäudeklasse oder einen Standort relevant ist, muss im Nachbarobjekt nicht in gleicher Form auftreten. Eine angepasste Modellierung, die Szenarien wie SSPs berücksichtigt und Ergebnisse in Reporting- und Zertifizierungsprozesse übersetzt, kann deshalb helfen, dass die Diskussion weniger vom Bauchgefühl lebt und stärker von wiederholbaren Bewertungslogiken. Für Entscheider stellt sich damit vor allem die Frage, wie schnell sich solche Erkenntnisse in Portfolio-Reviews, Due-Diligence-Prüfungen und Investitionsroutinen integrieren lassen.
Für die nächsten Schritte liegt der Mehrwert weniger in der reinen Existenz einer Klimarisikoplatfform, sondern in der operativen Einbettung der Analyse. Wenn ein Portfolio die Risiken auf Objekt- und Portfolioebene konsistent bewertet, entsteht eine Grundlage, um Schwachstellen zu priorisieren, Maßnahmen zu planen und Resilienzkennzahlen im Zeitverlauf zu verfolgen. Entscheidend wird außerdem sein, wie transparent die Modellannahmen in den Reports sind und wie gut sie zu den bestehenden Bewertungs- und Berichtspfaden passen. Genau hier wirkt die in der Kooperation genannte Kombination aus Szenariomodellierung, Portfolioanpassung und praxisnaher Reportnutzung – inklusive Einbindung in einen BREEAM-Prozess – als Brücke zwischen Technik und Investitionsentscheidungen.
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