LONDON (IT BOLTWISE) – Ärzte rechnen auch in dieser Saison mit einem längeren Verlauf der Influenza, die typischerweise ab September oder Oktober startet und bis in den März hineinreicht. Für die Entwicklung sind vor allem Muster aus der Südhalbkugel sowie der frühe Anstieg bestimmter Influenza-A-Fälle relevant. Zusätzlich erwarten Mediziner im Herbst und Winter mehr COVID-19-Übertragungen, weil Menschen häufiger in Innenräumen zusammenkommen und Fenster schließen. Als wichtiges Schutzmittel nennen sie weiterhin Impfungen gegen Grippe, COVID-19 und RSV – sofern sie für die jeweilige Person empfohlen sind.

Mit dem Herbst verschiebt sich das Infektionsgeschehen spürbar: In der Erkältungs- und Grippesaison treffen mehrere Atemwegsviren auf eine Umgebung, in der Menschen enger beieinander sind. Genau diese Kombination aus saisonalem Timing und verändertem Alltag macht es für Ärztinnen und Ärzte schwer, Verläufe punktgenau vorherzusagen. Gleichzeitig liefern Erfahrungswerte immerhin eine grobe Orientierung. So beschreiben die Mediziner, dass die klassische Grippesaison meist um diese Jahreszeit beginnt und sich bis März zieht – in einzelnen Fällen sogar bis April. Wer also bis in den Winter hinein plant, sollte nicht nur an „ein paar Wochen“ denken, sondern an einen längeren Zeitraum mit wechselnden Peaks.
Technisch betrachtet geht es bei der Grippe weniger um „ein Virus“, sondern um Varianten, die sich zeitlich im Saisonverlauf abwechseln. Laut den Angaben des medizinischen Direktors für diagnostische Mikrobiologie am Houston Methodist Hospital startet die Grippe häufig zunächst mit Influenza-A-Infektionen, während Influenza-B später im Winter stärker zulegt. Die Symptome können ähnlich wirken, aber die Dynamik der Zirkulation verändert sich. Er nennt zudem einen typischen Gipfel im Dezember beziehungsweise Januar, weist aber zugleich auf etwas hin, das viele unterschätzen: Selbst wenn sich ein Hochpunkt identifizieren lässt, bleibt die Saison insgesamt lang. Für die nationale Lage wird bereits ein langsamer Anstieg von Influenza-A-Fällen erwähnt, was den späteren Verlauf plausibel macht.
Für die Einschätzung, wie „streng“ die Saison wird, schauen Ärzte auch auf die Südhalbkugel. Die Logik: Deren Wintersaison läuft zeitlich voraus und zeigt, wie stark die Influenza dort zirkuliert hat. In den Angaben heißt es, dass die Saison in dieser Region in diesem Jahr eher dem typischen Rahmen entsprochen habe, also weder außergewöhnlich schlecht noch besonders mild gewesen sei. Zusätzlich wird die Beobachtung ergänzt, dass die Grippesaison dort „leichter und später“ als in der vorherigen Saison 2025/26 verlaufen sei. Für Entscheider in Unternehmen und Gesundheitseinrichtungen ist das vor allem eine Planungsgrundlage: Es ersetzt keine Prognose, kann aber helfen, Kapazitäten in Test- und Behandlungsketten nicht erst am Höhepunkt hochzufahren.
Während Influenza stärker saisonal geprägt ist, läuft COVID-19 anders. Zwar steigt es in den Wintermonaten tendenziell an, aber es geht nicht vollständig im Sommer „weg“, wie es bei anderen Viren der Fall ist. Ärztin Morgan Katz, Associate Professor of Medicine an der Johns Hopkins University School of Medicine, ordnet die Situation vor allem über das Setting: Im Herbst und Winter sind Menschen häufiger in Innenräumen, Fenster bleiben zu, und die Belüftung sowie die Zeit im Freien nehmen ab. Genau diese Faktoren erleichtern die Übertragung von Atemwegsviren, also nicht nur von COVID-19, sondern auch von Erkältungen und Grippe. Katz geht davon aus, dass sich COVID-19- und COVID-Fälle im Zuge der zunehmenden Zusammenkünfte weiter spürbar erhöhen können. Der Infektionsmediziner David Nguyen vom Rush University Medical Center ergänzt, dass COVID zwar das ganze Jahr vorkommt, aber einen weiteren Anstieg in den Wintermonaten haben dürfte – mit einem möglichen Peak ähnlich im Januar.
Auch RSV folgt eher einem saisonalen Muster – und trifft dabei besonders riskante Gruppen. Nguyen beschreibt, dass RSV als respiratorisches Synzytialvirus typischerweise ab etwa Oktober zirkuliert und bis in den Winter hineinläuft, wobei ein Peak im Januar möglich ist. Gleichzeitig betont Katz: Die RSV-Aktivität sei aktuell landesweit noch gering. Für die praktische Bedeutung ist das wichtig, weil RSV zwar bei gesunden Kindern und Erwachsenen häufig eher wie eine „normale“ Erkältung wirkt, bei Säuglingen und bei älteren Menschen jedoch ernstere Komplikationen verursachen kann. Positiv für die Prävention: Es existieren RSV-Impfstoffe für verschiedene Gruppen – darunter Babys, Schwangere, Erwachsene ab 75 Jahren sowie auch bestimmte Erwachsene zwischen 50 und 74, wenn sie ein höheres Risiko für schwere Verläufe haben. Nguyen verweist dabei auf beobachtete Abnahmen bei Krankenhausaufenthalten bei jungen Säuglingen unter 7 Monaten seit der Verfügbarkeit der Produkte für die Öffentlichkeit.
Bei Erkältungen ist die Landschaft noch breiter: Es gibt keine spezifischen Impfungen und auch keine zielgerichteten antiviralen Therapien gegen „die Erkältung“ als solche. Stattdessen können verschiedene Viren wie Rhinovirus oder Enterovirus Erkältungssymptome auslösen – also Husten, laufende Nase und verstopfte Atemwege. Entsprechend nennen Nguyen und Long vor allem nicht-medikamentöse Schutzmaßnahmen: Maske bei Bedarf, Händehygiene und ein bewusstes Reduzieren von Exposition. Long hebt zusätzlich hervor, dass das Testen sinnvoll sein kann, wenn überhaupt Atemwegssymptome auftreten: Ein Abstrich auf Influenza und COVID-19 kann entscheidend sein, weil es für diese Krankheiten gezielte antivirale Behandlungen gibt. Wer positiv testet, kann so mit ärztlicher Unterstützung prüfen lassen, ob eine Therapie für die eigene Situation in Frage kommt. Das ist besonders relevant, weil dadurch aus „allgemeiner Schonung“ eine konkrete medizinische Entscheidung wird.
Für die konkrete Schutzstrategie nennen die Ärzte vor allem die passenden Impfungen gegen Grippe, COVID-19 und RSV – jeweils unter Berücksichtigung der eigenen Berechtigung. Nguyen legt dabei stark den Fokus auf die Bedeutung für ältere Menschen, Schwangere und junge Säuglinge, sagt aber auch, dass Impfungen je nach Risikoprofil grundsätzlich nicht nur auf diese Gruppen beschränkt bleiben. Long knüpft an die Verhaltensmuster an, die viele Menschen in der COVID-19-Zeit gelernt haben: große Menschenmengen meiden, keine engen Innenräume mit vielen Personen nutzen und – wenn möglich – den Kontakt zu Erkrankten reduzieren. Darüber hinaus können Masken in Situationen mit erhöhtem Risiko hilfreich sein, und auch soziale Distanz ist als nicht-pharmakologische Maßnahme weiterhin ein Baustein im Werkzeugkasten für jede Atemwegsinfektion. Insgesamt wird damit klar: Selbst wenn die Grippesaison am Ende „nur“ durchschnittlich ausfällt, kann die Kombination aus Influenza, RSV, COVID-19 und Erkältungsviren eine Saison trotzdem belastend machen. Entscheidend ist daher nicht nur, wie schlimm ein einzelner Peak wird, sondern wie konsequent man über Monate Prävention, Testlogik und rechtzeitige medizinische Abklärung miteinander verknüpft.
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