NEW YORK / FORT WORTH – Lockheed Martin liefert in Fort Worth den ersten von Deutschland bestellten F-35 A aus. Verteidigungsminister Boris Pistorius ordnet das als Beginn einer neuen Luftwaffen-Ära ein und verweist auf Tarnung, Sensorik und die Vernetzung mit anderen Plattformen. Die Bundesregierung will insgesamt 35 Maschinen für zehn Milliarden Euro beschaffen, um die überalterte Tornado-Flotte abzulösen. Parallel laufen Ausbildungs- und Umbauplanungen, damit die ersten Jets bereits zum Jahresende in Europa eintreffen.

Die Auslieferung des ersten F-35A nach Deutschland markiert nicht nur einen technischen Meilenstein, sondern verschiebt auch die Prioritäten in der deutschen Luftwaffenplanung spürbar: In Fort Worth liefert Lockheed Martin den Startjet aus, der zuvor bestellt wurde. Verteidigungsminister Boris Pistorius stellte dabei die Kombination aus Tarn-Eigenschaften, digitaler Vernetzung und „besonders leistungsfähiger Sensorik“ in den Mittelpunkt. Gerade dieser Dreiklang ist für das Einsatzprofil entscheidend, weil die F-35 nicht als einzelnes Kampfflugzeug gedacht ist, sondern als Knoten in einer vernetzten Informationskette: Daten werden gesammelt, zu einem Lagebild verdichtet und anschließend für Entscheidungen verfügbar gemacht.
Technisch betrachtet geht es bei der F-35A um die Fähigkeit, große Datenmengen schnell zu verarbeiten und in konsistente Handlungsinformationen zu überführen. Pistorius nannte explizit, die Maschine könne hohe Datenmengen sammeln und zügig zu einem „vollständigen Lagebild“ zusammenfügen. Damit wird die Sensorik nicht zum Selbstzweck, sondern zur Grundlage für schnelle Koordination in einem größeren Verbund. Dass 19 weitere Nationen in die Zusammenarbeit eingebunden sind, deutet zudem auf einen praxisnahen Standardisierungsdruck hin: Ausbildung, Übung und operativer Austausch profitieren von gemeinsamen Prozessen, ohne dass jede Nation komplett bei Null starten muss.
In der deutschen Beschaffung steht die F-35A außerdem klar im Kontext der nuklearen Teilhabe. Laut der Bundesregierung sind 35 Maschinen für zehn Milliarden Euro vorgesehen, um die abzulösende Tornado-Flotte zu ersetzen und zur Abschreckung beizutragen. Das Konzept sieht vor, dass Partner Zugriff auf US-Atombomben erhalten; die Maschine wird dafür wegen ihrer Form und Außenbeschichtung als besonders geeignet dargestellt, weil sie für gegnerisches Radar schwer zu entdecken sein soll. Das deutsche Verteidigungsministerium beschreibt zugleich mehrere Einsatzrollen: Luftverteidigung bekämpfen, präzise Angriffe auf Ziele am Boden und auf See durchführen sowie für weitreichende Schläge im Hinterland („Deep Precision Strike“) ausgelegt sein.
Wie das im Alltag funktioniert, hängt in Deutschland nicht nur an den Flugzeugen selbst, sondern an Infrastruktur, Sicherheit und Tempo der Umstellung. Die Ausbildung von Piloten und Technikern startet in den USA bereits in diesem Jahr: zunächst technische Lehrgänge, anschließend beginnt die fliegerische Ausbildung in den letzten drei Monaten des Jahres mit deutschen Maschinen an der Ebbing Air National Guard Base in Fort Smith (Arkansas). Bis zum Jahresende sollen zudem die ersten sechs Maschinen ausgeliefert werden, während die ersten acht F-35 zunächst in den USA verbleiben, um die Ausbildungsfähigkeit aufrechtzuerhalten. Parallel wird in der Eifel der Fliegerhorst Bückebach umgebaut bzw. aufgerüstet: Für den Umbau am Militärflugplatz Bûchel sind zwei Milliarden Euro vorgesehen, und es soll nach Angaben des Berichts ein Sonderverfahren ermöglichen, die Umbauzeit deutlich zu verkürzen, um die US-seitigen technischen Sicherheitsanforderungen abbilden zu können.
Damit wird ein weiteres Spannungsfeld sichtbar: Befähigung entsteht nicht in einem Vakuum, sondern entlang von Lieferketten, Wartungsstrukturen und Software-Entscheidungen. Während der Bericht den Umbau in Verbindung mit der Lagerung von B61-Gravitationsbomben nennt, die angeblich in zweistelliger Zahl vor Ort sein sollen (ohne dass dies offiziell bestätigt werde), kommt zugleich Kritik am Systemaufwand auf. Genannt werden ein hoher Wartungs- und Instandsetzungsbedarf sowie eine deutliche Streuung der Einsatzbereitschaft: Laut Bericht lag die Einsatzbereitschaft im vergangenen Jahr in den USA bei 28 Prozent, im Rest der Flotte bei mehr als 60 Prozent. Außerdem drehen sich Diskussionen um mögliche Fernabschaltungen („kill switch“) und um die Nähe einer Software-Abhängigkeit zu solchen Szenarien; ebenso wird die Frage nach Souveränität über Aufklärungsdaten und zugehörige „Bibliotheken“ angesprochen. Interessant ist daneben die Sicherheitsbilanz: Trotz Komplexität soll die F-35 bislang 18 Unfälle verzeichnet haben, während als Vergleich auf die deutlich höhere Zahl an Abstürzen bei der F-16 verwiesen wird.
Für den Markt und die Industrie bedeutet der Start der Auslieferungen auch: Rheinmetall ist in die Fertigung eingebunden und baut in Deutschland Rumpfmittelteile. Die Nachrichtenlage wirkt damit zweigeteilt. Einerseits steht das staatliche Beschaffungsprogramm mit klaren Zeitpunkten: die vollständige Auslieferung des letzten Luftfahrzeugs soll im Jahr 2029 erfolgen. Andererseits läuft die betriebliche und politische Diskussion weiter, ob zusätzliche Bestellungen nach dem Auslaufen des FCAS-Projekts folgen könnten, denn rund ein Dutzend europäischer Partner nutzt die F-35 oder hat Kaufentscheidungen getroffen. Selbst die Kursreaktionen spiegeln kurzfristig unterschiedliche Erwartungen wider: Die Rheinmetall-Aktie rutscht zeitweise um 0,20 Prozent auf 1.014,20 Euro, während Lockheed Martin vorbörslich um 0,48 Prozent auf 540,69 US-Dollar zulegt. In Summe zeigt die Meldung damit, wie stark sich Deutschlands nächste Luftverteidigungs- und Einsatzfähigkeit an einem Bündel aus Plattform, Software, Ausbildung und Infrastruktur festmacht – und wie eng diese Faktoren in den kommenden Jahren aufeinanderprallen werden.
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