LONDON (IT BOLTWISE) – Das US-Finanzministerium hat BitBank als iranische Krypto-Exchange sanktioniert, die nach Angaben von OFAC bei Bitcoin-Zahlungen für Schifffahrts-Transitrechte durch die Straße von Hormus im Spiel war. Zwischen Juni und Juli soll die Plattform „hundreds of millions“ in Bitcoin an die Islamische Revolutionsgarde (IRGC) weitergeleitet haben. Die Maßnahme läuft im Rahmen von „Operation Economic Outcast“ und betrifft zusätzlich mit BitBank verbundenen Software- und Unternehmensakteure. Betroffene Vermögenswerte in den USA werden blockiert, während Nicht-US-Unternehmen mit Risiken durch Sekundärsanktionen rechnen müssen.

Die neue Runde von Kryptowährungs-Sanktionen trifft diesmal nicht eine Wallet im Hintergrund, sondern eine konkrete Handelsplattform. Das US-Finanzministerium hat im Rahmen der „Operation Economic Outcast“ BitBank als Teil eines digitalen Sanktions-Umgehungsnetzwerks im Iran bezeichnet. Laut OFAC soll die Exchange zwischen Juni und Juli Bitcoin genutzt haben, um Gelder in einer Größenordnung von „hundreds of millions of dollars“ an die Islamische Revolutionsgarde (IRGC) zu übermitteln. Damit rückt eine bislang weniger sichtbare Schnittstelle zwischen Krypto-Transfers und operativen Einnahmequellen der IRGC in den Fokus: Transit- und Durchfahrtszahlungen, die über die Straße von Hormus fließen.
Technisch betrachtet wirkt der Ansatz wie ein Ketten-Transfer über mehrere Verantwortlichkeiten, nicht wie ein einzelner „Abzugs-Account“. OFAC beschreibt, dass die „Hormuz Safe Marine Services Authority“ seit Juni ihre Zahlungen über BitBank abgewickelt habe. Diese Autorität gilt in der Darstellung des Ministeriums als der Akteur, der Gebühren für den Transit von Schiffen berechnet. Die Logik der Sanktion lautet damit: Wenn operative Gebühren für die Passage in einem System landen, das wiederum von OFAC als Infrastruktur zur Umgehung klassifiziert wird, wird der Zahlungsweg selbst zum regulierten Risiko – auch wenn Reeder und Händler den Transfer unter Umständen als rein wirtschaftliche Abwicklung begreifen.
Im Hintergrund der Maßnahme steht zudem eine personelle Steuerung, die das Ministerium mit BitBank verknüpft. Die Exchange werde von Babak Zanjani kontrolliert, der bereits im Januar von OFAC sanktioniert worden sei. Der Quelle zufolge wurde Zanjani 2016 im Iran zum Tode verurteilt; später sei das Urteil 2024 jedoch commuted worden. Laut Treasury habe er BitBank außerdem seit mindestens 2024 über soziale Kanäle beworben. Für Unternehmen und Zahlungsdienstleister ist das relevant, weil sich an solchen Verbindungen häufig nicht nur die reine Wechselplattform, sondern auch die Vertriebswege, die Betreuung von Transaktionen und die Verknüpfung mit weiteren Gesellschaften ableiten lassen – und genau diese Struktur versucht das Sanktionsregime auszuhebeln.
Über BitBank hinaus geht die Aktion auf die „Komponenten“ der digitalen Umgehungsinfrastruktur. Zusätzlich nennt das US-Finanzministerium die Pishtaz Simorgh Electronic Trade Company als Softwarebauer von BitBank. Außerdem wird auf eine Tochtergesellschaft der bereits sanktionierten Dot One Value Creation Group verwiesen, ebenso wie auf drei Dot-One-Führungskräfte: Hossein Ali Zaker Hossein, Mohammad Mahdi Zaker Hossein und Seyed Adel Heidari. Operational lässt sich das als Erweiterung der Sperrkette lesen: Nicht nur der Marktplatz wird adressiert, sondern auch das Umfeld, das den Betrieb ermöglicht – von der Code- bzw. Systemverantwortung bis zu Rollen in der Governance. Damit sinkt für Umgehungsnetzwerke der Spielraum, allein durch einen Austausch der „sichtbaren“ Exchange weiterzumachen.
Rechtlich und strategisch ordnet sich die Maßnahme in eine breitere Linie ein, die die Administration laut Quelle im August auf den digitalen Asset-Sektor im Iran ausgeweitet habe. Genannt wird dabei Executive Order 13902, die nach Angaben des Ministeriums genutzt werde, um Akteure im Umkreis digitaler Assets zu erfassen. Treasury beschreibt die Aktion als Teil von „Operation Economic Outcast“, die in der Kommunikation mit Partnern in der EU, im Vereinigten Königreich und in den Golfstaaten verknüpft sein soll. Für die Praxis bedeutet das: US-Vermögenswerte der fünf bezeichneten Ziele werden blockiert, ebenso Beteiligungen, bei denen eine Person oder Einheit mindestens 50 % der Kontrolle hält. Zugleich können Nicht-US-Unternehmen nach Darstellung der Quelle unter Sekundärsanktionen geraten, wenn sie mit den Betroffenen Geschäfte machen.
Wie stark der Druck zeitnah durchschlägt, zeigt auch die Marktreaktion in der Risikoabschätzung. Auf einem Prognosemarkt werden laut Quelle die Chancen für ein Ende einer US-naval-blockade in Zusammenhang mit iranischer Schifffahrt bis zum 30. September bewertet; dabei seien die Wahrscheinlichkeiten gefallen. Selbst ein späterer Stichtag (Ende Dezember) sei den Angaben zufolge nur zu einem überschaubaren Anteil „getroffen“. Diese Entwicklung ist nicht nur politisches Stimmungsbarometer, sondern wirkt in der Lieferkette: Sobald Zahlungswege, Zwischenhändler und Plattformen als Sanktionsinfrastruktur klassifiziert sind, steigen für Reeder, Charterer und Krypto-Zahlungsabwickler die Kosten für Due-Diligence, Monitoring und mögliche Ersatzrouten – und genau diese Zusatzkosten sind ein wesentlicher Hebel solcher Programme.
Für IT- und Compliance-Teams in Unternehmen bedeutet die Meldung vor allem eines: Krypto-Transfers sind nicht automatisch ein „Sandbox“-Bereich ohne Sanktionstreiber, wenn die Mittel in reale, politisch und militärisch relevante Zahlungskontexte eingebunden sind. Die konkrete Nennung einer Exchange und ihrer Softwareumgebung legt nahe, dass OFAC nicht nur Wallet-Daten, sondern auch den Betrieb von Zahlungs- und Handelslogiken in den Blick nimmt. Wer Transaktionen über Dienstleister bündelt oder eigene Abwicklungen mit Krypto-Kanälen plant, muss daher die Verknüpfung zwischen Zahlungszweck, beteiligten Parteien und Plattformsteuerung technisch sauber nachverfolgen. BitBank und die zusätzlichen Ziele sind dabei weniger ein Einzelfall als ein Muster: Ausgabenströme werden dann zum Sanktionsobjekt, wenn Treasury sie in eine nachweisbare Umgehungskette für iranische wirtschaftliche „lifelines“ einordnet.
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