HO-CHI-MINH-STADT / LONDON (IT BOLTWISE) – In Ho-Chi-Minh-Stadt fand das Halbfinale des 12. Green Startup Wettbewerbs 2026 statt. Insgesamt kamen dort 39 Ideen und Projekte aus acht Provinzen und Städten der südlichen Region zusammen. Viele Vorhaben setzen nicht nur auf nachhaltige Nutzung von Rohstoffen, sondern verknüpfen Technologie direkt mit Produktions- und Konsumschritten. Im Fokus stehen zudem Geschäftsmodelle, die Einkommen für benachteiligte Gruppen wie Frauen im ländlichen Raum, Menschen mit Behinderungen und Kinder schaffen.

Das Halbfinale des 12. Green Startup Wettbewerbs 2026 in Ho-Chi-Minh-Stadt zeigt, wie schnell sich in Vietnam das Verständnis von „grün“ von der bloßen Rohstoffwahl hin zu ganzheitlichen Produktions- und Vermarktungsmodellen verschiebt. Nachdem der Wettbewerb bereits in Hanoi und in Dak Lak regionale Halbfinals für den Norden sowie das zentralwestliche Hochland durchgeführt hatte, bündelte die südliche Region im dritten und letzten Halbfinale 39 Ideen und Projekte aus acht Provinzen und Städten. Dazu gehörten unter anderem An Giang, Ca Mau, Dong Nai, Dong Thap, Tay Ninh, Can Tho sowie gleich mehrere Einreichungen aus Ho-Chi-Minh-Stadt und Vinh Long. Interessant ist dabei nicht nur die geografische Streuung, sondern auch, dass viele Projekte explizit an der Schnittstelle zwischen Landwirtschaft, Verarbeitung und Verbraucherwert ansetzen.
Technisch betrachtet fällt besonders auf, wie oft in den Konzepten „Technologie in die Produktion integrieren“ als konkretes Entwicklungsziel genannt wird. In der Praxis bedeutet das häufig: aus Nebenprodukten oder nachgelagerten Stoffströmen werden wieder verwertbare Rohstoffe, statt sie nur als Abfall zu behandeln. Der Wettbewerb beschreibt Projekte, die etwa landwirtschaftliche oder fischereiliche Nebenprodukte in Produkte mit praktischem Anwendungsbereich umformen, deren Vermarktungspotenzial über lokale Handarbeit hinausgeht und zugleich eine höhere Wertschöpfungstiefe ermöglicht. Das ist ein Ansatz, der sich in der Kreislaufwirtschaft bewährt, weil er nicht nur Emissionen adressiert, sondern auch Kostenstrukturen verbessert, indem Materialverluste sinken und neue Produktlinien entstehen.
Auch die regionale Verteilung der Teilnehmer liefert einen Hinweis auf, wo sich solche Modelle besonders schnell etablieren. Ho-Chi-Minh-Stadt stellte mit elf Projekten den größten Anteil, gefolgt von Vinh Long und Dong Thap mit jeweils fünf Einreichungen. An Giang, Tay Ninh und Can Tho kamen jeweils mit vier Projekten dazu. Damit entsteht ein Bild, in dem städtische Knotenpunkte und landwirtschaftlich geprägte Regionen nicht gegeneinanderstehen, sondern entlang vorhandener Lieferketten zusammenarbeiten können: Städte bieten häufig Vermarktungs- und Kooperationschancen, während ländliche Gebiete Rohstoffbasis und Produktionsnähe liefern. Für Startups ist diese Kopplung relevant, weil die Skalierung nachhaltiger Produkte oft davon abhängt, ob Verarbeitung und Distribution frühzeitig mitgedacht werden.
Der soziale Anspruch zieht sich dabei ebenfalls durch die Auswahl. Laut den Organisatoren wurde in der Halbfinalrunde in Ho-Chi-Minh-Stadt insbesondere die positive Bewertung von Vorhaben aus Berg- und Küstenregionen hervorgehoben, die lokale Ressourcen nutzen und gleichzeitig Nebenprodukte in marktfähige Produkte verwandeln. Einige Projekte legen zudem Wert auf Umweltschutz und die Schaffung von Chancen für benachteiligte Gruppen. Genannt werden etwa Kinder, Menschen mit Behinderungen sowie Frauen im ländlichen Raum. Diese Kombination ist mehr als ein „Impact“-Add-on: Wenn Produktion so organisiert wird, dass sie gezielt zusätzliche Beschäftigung schafft, kann sich das Geschäftsmodell stabilisieren, weil es lokale Arbeitskräfte und Know-how einbindet und dadurch weniger von einzelnen externen Zulieferketten abhängig wird.
Konkrete Beispiele verdeutlichen, wie solche Ansätze im Alltag aussehen. Das Projekt „Handmade with NaNi“ fertigt Modeartikel, Accessoires und Firmengeschenke aus Stoffresten und organisiert die Produktion so, dass Lebensgrundlagen für Hausfrauen, Menschen mit Behinderungen und weitere benachteiligte Arbeitnehmer in der Region entstehen. Ein zweites Beispiel ist „Kokosnuss-Handwerkskunst für den Haushalt“: Hier werden nach der Wiederanpflanzung die Stämme ausgewachsener Kokospalmen für Haushaltsgegenstände genutzt, während das Projekt gleichzeitig mit Handwerksdörfern zusammenarbeitet, um ein zusätzliches Einkommen für benachteiligte Frauen und Menschen mit Behinderungen in ländlichen Gebieten zu schaffen. Für die KI- und Tech-nähere Perspektive ist dabei entscheidend: Solche Wertschöpfungsketten brauchen oft daten- und prozessbasierte Unterstützung, etwa zur Qualitätskontrolle, zur Planung von Materialflüssen oder zur Optimierung von Produktions- und Vertriebsschritten.
Der Wettbewerb liefert dafür auch den passenden Rahmen. Der Green Startup Wettbewerb 2026 läuft von April bis Oktober und ist insgesamt mit fast 1 Milliarde VND dotiert. Neben Geldpreisen erhalten die Projekte verschiedene Unterstützungsformen, darunter Schulungen, Handelsförderung, Medienpräsenz und Investorennetzwerke. Das ist in einem Umfeld, in dem „grüne“ Ideen zwar vorhanden sind, der Sprung zur Marktreife aber häufig an fehlenden Ressourcen scheitert, ein wichtiger Hebel. Besonders relevant ist die Programmlogik: Der seit 2015 initiierte Wettbewerb verfolgt das Ziel, Projekte zu finden, zu fördern und Partnerschaften aufzubauen, die lokale Ressourcen so einsetzen, dass echte Wertschöpfung entsteht, Wissenschaft und Technologie anwenden und nachhaltige Entwicklung fördern.
Nach über einem Jahrzehnt hat sich der Wettbewerb laut Beschreibung zu einem der einflussreichsten Förderprogramme für Startups in Vietnam entwickelt, vor allem in Bereichen wie Landwirtschaft, Ernährung, regionale Produkte, Kreislaufwirtschaft und grüne Wirtschaft. Für Unternehmen und Entwicklerteams, die solche Vorhaben technisch unterstützen wollen, wird damit ein klarer Trend sichtbar: Die Denkweise vieler Gründer wandelt sich von „ein Produkt finden, das sich verkauft“ hin zu „ein gesellschaftliches Problem lösen, das sich über ein nachhaltiges Geschäftsmodell finanzieren lässt“. Genau hier liegt auch eine Chance für KI-gestützte Unterstützung im Hintergrund, etwa bei der Prozessautomatisierung in der Produktion oder bei der besseren Abstimmung von Angebot und Nachfrage entlang lokaler Lieferketten. Gleichzeitig bleibt die konkrete Umsetzung entscheidend: Technologie muss in Produktions- und Konsumschritte passen, nicht nur als Demo funktionieren.
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