MAROS / LONDON (IT BOLTWISE) – Common Days von INS Studio schafft in Maros, nahe Makassar, einen dreigeschossigen Treffpunkt mit offener Dachterrasse. Andesitstein aus der Region bildet das Innere als markantes, quadratisches Muster, während perforierte Terrakotta-Ziegel die Außenhaut als witterungs- und temperaturaktiver Filter ausformen. Eine luftdurchlässige Fassade bremst frühes Sonnenlicht und unterstützt natürliche Belüftung bis auf die zweite Ebene. Mit Coffee-Shop im Erdgeschoss, Arbeits- und Meetingbereichen im zweiten Stock sowie dem Rooftop-Garten als flexibler Veranstaltungsfläche rückt das Gebäude Landschaft und Alltag eng zusammen.

In Maros, am Rand von Makassar in Indonesien, ist das Umfeld noch vergleichsweise offen und die natürliche Landschaft bleibt für Besucher spürbar präsent. Genau diese Ausgangslage prägt den Entwurf Common Days: Das Gebäude steht nicht wie ein isoliertes Objekt im Raum, sondern wird als Teil einer „dreidimensionalen Kulisse“ gedacht, in die sich Aussicht, Klima und Materialität gegenseitig verstärken. INS Studio organisiert das Haus deshalb über drei Ebenen, sodass sich vom ersten Betreten an ein gemeinschaftlicher Charakter ergibt – gleichzeitig aber jede Etage ein eigenes Nutzungstempo bekommt. Der Blick auf Bukit Cenrana, einen der markantesten Naturpunkte der Region, wird dabei nicht nur als hübsches Extra behandelt, sondern als wiederkehrender Orientierungspunkt in der Wegeführung.
Schon die Entscheidung, das Dach als offene Gartenfläche auszubilden, wirkt wie ein architektonisches Versprechen: Das Gebäude wird über das nähere Umfeld „angehoben“, sodass der Himmel und der Hügel Horizont bilden. Damit verändert sich die Wahrnehmung stark; der Landschaftsraum ist nicht einfach Hintergrund, sondern wird zum integralen Bestandteil der Nutzung. Technisch zeigt sich der Ansatz weniger in komplexen Anlagen, sondern in der konsequenten Ausrichtung auf passive Qualität. Das Objekt greift außerdem eine Idee auf, die in vielen tropischen Projekten immer wieder diskutiert wird: Wer das lokale Klima als aktiven Planungsfaktor begreift, braucht weniger sichtbare Technik und erzeugt dennoch Komfort. Für Common Days kommt dazu, dass die Gestaltung bewusst auf Materialien und Handwerk aus der Region setzt.
Innen dominiert lokal gewonnenes Andesit, der aus nahegelegenen Bergen stammt. Er erscheint nicht nur an Wänden und Böden, sondern auch am Coffee-Bar-Bereich – und zwar in einem auffälligen quadratischen Raster, das den Raum ordnet, ohne ihn steril wirken zu lassen. Außen übernimmt Terrakotta die Rolle des texturalen Signalklebers: Vor allem perforierte Ziegel als durchbrochene Screens formen eine taktile Gebäudehülle, die gleichzeitig robust und „atmend“ angelegt ist. Diese Materialwahl ist nicht nur ästhetisch motiviert. Eine warme, regionale Oberfläche schafft Orientierung, während die Perforationen der Fassade helfen, Sonnenstrahlung und Luftbewegung zu steuern. In der Architektur bedeutet das typischerweise: Der gleiche Baukörper kann in kurzer Zeit verschiedene thermische Zustände unterstützen, ohne dass der Nutzer aktiv eingreifen muss.
Auf der funktionalen Seite beginnt der Grundriss mit dem Erdgeschoss als sozialem Herzstück: Ein Coffee-Shop nimmt die Rolle eines Treffpunkts ein, offen organisiert und so gestaltet, dass die visuelle und physische Verbindung zur zweiten Ebene erhalten bleibt. Gerade in mehrgeschossigen Häusern ist das schwierig, weil Blickachsen schnell „überladen“ wirken; hier wird der offene Charakter offenbar so dosiert, dass sich zwar Gespräche und Bewegung übertragen, die Arbeitsatmosphäre im oberen Stock aber nicht sofort „mitgeschleppt“ wird. Die zweite Etage konzentriert sich daher stärker auf Produktivität und Zusammenarbeit: Sie kombiniert Arbeitsbereiche mit privaten Meetingräumen für indoorbasierte Aktivitäten. Eine Terrasse setzt die Verbindung nach draußen fort und greift das Motiv der Terrakotta auf; hinzu kommt eine Moss-Wall, die Grün in den Arbeitsbereich bringt und laut Konzept die Aufenthaltsqualität spürbar erhöht. Bemerkenswert ist dabei die lokale Umsetzung: Die Pflege und Installation des Mooses erfolgt durch regionale Gärtner, wodurch das Projekt auch in der Betriebslogik eine Form von lokaler Wertschöpfung mitführt.
Ein prägendes Element der Gebäudehülle ist die perforierte Breeze-Block-Wand. Sie erfüllt gleich zwei Aufgaben: Erstens schafft sie eine klar lesbare Identität über die Vorderansicht; zweitens filtert sie die intensive Morgensonne, die auf die Frontseite trifft. Gleichzeitig soll die Perforation nicht nur Schatten spenden, sondern Luftbewegung zulassen – die natürliche Ventilation kann aus Richtung der umliegenden Hügel bis in die zweite Ebene und darüber hinaus fließen. Damit folgt Common Days einem passiven Umweltprinzip, das in vielen tropisch geprägten Entwürfen als Alternative zu rein mechanischen Kühlsystemen diskutiert wird: nicht die ganze Außenluft „ausschalten“, sondern durch geeignete Schichten und Luftwege ihre Wirkung entschärfen. Diese Logik setzt sich konsequent auf der dritten Ebene fort, denn der Rooftop-Garten ist nicht nur für ruhiges Verweilen gedacht, sondern als flexible Kulisse für kleine Ausstellungen, Community-Events und Outdoor-Treffen.
Was das Projekt aus Sicht der Bau- und Nutzungspraxis interessant macht, ist die Verbindung von Landschaftsbezug, Materialkreisläufen und Klimasteuerung in einem gemeinsamen Designnarrativ. Common Days übersetzt die Identität von Maros nicht durch ein historisierendes Formrezept, sondern durch eine zeitgenössische Interpretation dessen, was dort bereits als selbstverständlich gilt: lokale Rohstoffe, handwerkliche Präzision und die Bereitschaft, das Klima nicht als Feind, sondern als Planungsrahmen zu behandeln. Für Entwickler und Betreiber solcher Community-orientierten Immobilien liefert das mehrere Anknüpfungspunkte: Räume werden nicht ausschließlich über Ausstattung „aufgerüstet“, sondern über Mikroklima, Sichtbezüge und soziale Zonen. Gleichzeitig bleibt die Rolle der Umgebung konkret – Bukit Cenrana ist nicht nur im Kopf, sondern in der alltäglichen Wege- und Aufenthaltslogik präsent.
Unterm Strich zeigt Common Days, wie Architektur im Wachstum eines kleineren Ortes aussehen kann, ohne ihre lokale Verankerung zu verlieren. Wenn Maros weiter wächst, wird es zunehmend darauf ankommen, Neubauten so zu integrieren, dass sie neue Formen des Zusammenkommens ermöglichen und zugleich die kulturelle Lesbarkeit des Ortes bewahren. Der Entwurf nutzt dafür eine klare räumliche Dramaturgie (drei Ebenen mit unterschiedlicher Aktivität) und eine Hülle, die durch Perforation und Materialität Komfort unterstützt. Gerade diese Kombination aus passiven Umweltstrategien, regionaler Materialwahl und einer offenen Dachnutzung lässt Common Days als Beispiel wirken, das sich gut in den Alltag von Nachbarschaften übersetzen lässt – und nicht nur als „sehenswerte“ Architektur im Portfolio bestehen muss.
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