KÖLN / LONDON (IT BOLTWISE) – Das AgrarTech-Startup NUNOS aus Hürth hat 570.000 Euro in einer Pre-Seed-Runde eingesammelt. Die NRW.BANK stellt davon 300.000 Euro über NRW.SeedCap bereit, weitere 270.000 Euro kommen von Business Angels. Das DLR-Spin-off macht eine ursprünglich für Mond- und Marsstationen entwickelte Technologie für die Aufbereitung von Gülle und Gärresten nutzbar. 2025 wurde bereits eine Pilotanlage im Raum Köln installiert, weitere Piloten sind noch 2026 geplant.

Die Nachricht klingt auf den ersten Blick nach klassischem Startup-Funding, inhaltlich steckt aber ein spannender Technologietransfer dahinter: Das AgrarTech-Unternehmen NUNOS nutzt eine Lösung, die ursprünglich für geschlossene Habitaten im Weltall entwickelt wurde. Ausgangspunkt ist dabei kein „neuer Düngemittelmarkt“, sondern ein Prozess, der stickstoffhaltige Abwässer in verwertbare Nährstoffe überführen sollte. NUNOS macht dieses Prinzip nun bei irdischen Ausgangsstoffen wirksam, konkret bei Gülle und Gärresten aus Biogasanlagen. Für Entscheider in der Landwirtschaft und bei Anlagenbetreibern ist das besonders relevant, weil der wirtschaftliche Nutzen im Betrieb zählt – und nicht, woher die Technologie ursprünglich stammt.
Finanziell geht NUNOS mit 570.000 Euro in die nächste Entwicklungsphase. Die Runde ist als Pre-Seed strukturiert: Die NRW.BANK investiert 300.000 Euro über ihr Programm NRW.SeedCap, während weitere 270.000 Euro durch Business Angels aus Deutschland bereitgestellt werden. Zuvor hatte die Förderbank NUNOS bereits seit 2024 begleitet und über NRW.SeedCon zunächst Wandeldarlehen in Summe von 200.000 Euro gegeben. Diese Wandeldarlehen wurden laut Unternehmensangaben mittlerweile in Unternehmensanteile umgewandelt. Damit entsteht ein klarer Pfad vom frühen Förder- und Validierungsstadium in Richtung eines konkreten Markteintritts, wobei die Finanzierung zugleich auch die typische „Entwickeln, testen, verkaufen“-Logik abfedern soll.
Technisch soll der Kern des Systems darin bestehen, die Nährstoffe aus Gülle und Gärresten so aufzubereiten, dass daraus chemisch stabilere Verbindungen entstehen. Das Unternehmen nennt zudem zwei praktische Eigenschaften, die im Alltag von Betrieben den Unterschied zwischen „interessanter Pilotidee“ und „regelmäßig eingesetztem Betriebsmittel“ machen können: Der gewonnene Dünger soll nahezu geruchsneutral sein und sich besser lagern lassen. Beide Punkte wirken wie eine direkte Antwort auf typische Belastungen im Umgang mit organischen Ausgangsstoffen – insbesondere dann, wenn Lagerkapazitäten, Logistik und Akzeptanz in der Umgebung eine Rolle spielen. Außerdem zielt das Verfahren darauf ab, dass landwirtschaftliche Betriebe Nährstoffe gezielter einsetzen und dabei Kosten einsparen können. Für die Kreislaufwirtschaft ist das nicht nur ein Nachhaltigkeitsargument, sondern auch eine Frage der Prozessstabilität im Jahresverlauf und der Handhabbarkeit im Hofbetrieb.
Bemerkenswert ist dabei, dass das Projekt nicht bei der technischen Aufbereitung stehen bleibt, sondern auch den regulatorischen und ökologischen Druck in den Blick nimmt, der in der Praxis stark über Nährstoffüberschüsse entsteht. Stickstoffverbindungen können sowohl Grundwasser als auch Luft belasten; entsprechend will NUNOS laut eigenen Angaben helfen, Überschüsse zu reduzieren. In diesem Kontext ist auch die Pilotierung entscheidend: NUNOS installierte 2025 bereits eine erste Pilotanlage bei einer Biogasanlage im Raum Köln. Das bedeutet, dass das Startup nicht nur Labor- oder Modellannahmen validiert, sondern den Prozess unter realen Bedingungen testen muss – etwa mit tatsächlichen Schwankungen in Zusammensetzung und Einsatzhäufigkeit der Ausgangsstoffe. Genau solche Schwankungen sind häufig der „Härtefall“, bei dem Raumfahrt-zu-Industrietransfers entweder funktionieren oder scheitern, weil sich Prozesse nicht beliebig skalieren lassen.
In den nächsten Schritten plant NUNOS, den Markteintritt vorzubereiten und gleichzeitig Vertrieb und Marketing auszubauen. Dafür ist das eingeworbene Kapital vorgesehen, und gleichzeitig soll die Technologie weiter unter Betriebsbedingungen erprobt werden. Bereits 2026 stehen zwei weitere Pilotanlagen auf landwirtschaftlichen Betrieben auf dem Plan; anschließend folgen für 2027 zusätzliche Pflanzversuche. Bei diesen Versuchen soll der aus Gülle und Gärresten gewonnene Dünger an unterschiedlichen landwirtschaftlichen Kulturen getestet werden. Ziel ist am Ende auch ein kommerzieller Rollout: Ebenfalls für 2027 nennt NUNOS den Verkauf der ersten kommerziellen Anlagen. In der Logik vieler AgrarTech-Startups ist das ein wichtiger Taktgeber, weil Kund: innen bei Investitionen typischerweise nur dann „schnell“ werden, wenn Ertrag, Handhabung, Lagerfähigkeit und Kosten über mehrere Zyklen konsistent wirken.
Der eigentliche Reiz des Projekts liegt damit in der Transferfrage: Raumfahrttechnologie muss auf der Erde ihre Wirtschaftlichkeit beweisen. NUNOS greift zwar auf Forschung zurück, die für mögliche Stationen auf Mond und Mars entwickelt wurde, unter anderem zur Rückgewinnung von Nährstoffen aus Urin für die Lebensmittelproduktion in Gewächshäusern. Für den kommerziellen Erfolg entscheidet aber weniger die Herkunft als die Leistung im landwirtschaftlichen Alltag. Entscheidend sind hier drei Faktoren, die NUNOS über die nächsten Pilot- und Testschritte adressieren will: erstens ein spürbarer wirtschaftlicher Vorteil gegenüber etablierten Wegen zur Nährstoffbereitstellung, zweitens die zuverlässige Integration in bestehende Betriebsabläufe und drittens eine Handhabung, die im Hofalltag praktikabel bleibt. Gelingt die Verbindung aus niedrigerem Kostenprofil, besserer Nährstoffnutzung und einfacher Bedienung, könnte aus einer ursprünglich auf geschlossene Habitate ausgelegten Technologie ein skalierbares Verfahren entstehen, das stärker auf Kreislaufwirtschaft in der Landwirtschaft einzahlt.
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