LONDON (IT BOLTWISE) – USA Rare Earth baut eine KI- und Quanten-gestützte Pipeline zur chemischen Trennung Schwerer Seltener Erden auf. Das Unternehmen koppelt dafür die Laborautomation von Riven Systems mit dem Quantenansatz von Pasqal, um effizientere Extraktanten zu finden und Prozessschritte zu reduzieren. Parallel laufen Tests mit Erz, Drittmaterial und recyceltem Magnet-Schrott in Colorado und Texas. Zudem sichert ein Abkommen mit dem US-Handelsministerium finanzielle Hilfen von bis zu 1,6 Milliarden US-Dollar die Skalierung bis zum geplanten Produktionsstart Ende 2028.

USA Rare Earth kooperiert mit Pasqal und Riven Systems für Seltener-Erden-Trennung
USA Rare Earth kooperiert mit Pasqal und Riven Systems für Seltener-Erden-Trennung (Foto: IT BOLTWISE)
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USA Rare Earth setzt im Bereich der Seltener-Erden-Verarbeitung auf einen Ansatz, der nicht mit klassischen Prozessketten beginnt, sondern mit der Suche nach besseren „Bindungsmolekülen“: Der US-Konzern hat eine strategische Partnerschaft mit dem Quantencomputing-Spezialisten Pasqal und dem Chemie-KI-Unternehmen Riven Systems abgeschlossen. Im Kern geht es um die chemische Trennung Schwerer Seltener Erden, also um den Schritt, bei dem aus gemischten Rohstoffverbindungen einzelne Oxide mit hoher Reinheit werden. Genau hier entsteht in der westlichen Lieferkette ein besonders harter Engpass, weil die Prozesskosten stark von der Zahl der notwendigen Extraktions- und Reinigungsschritte abhängen.

Die technische Ausgangslage ist für viele Anwendungen ähnlich: Außerhalb Asiens gilt die Aufspaltung von gemischten Karbonaten in hochreine Einzeloxide als zentrale Hürde. China dominiert diesen Verarbeitungsschritt bisher nahezu vollständig, besonders bei Elementen wie Dysprosium, Terbium und Yttrium. Herkömmliche hydrometallurgische Anlagen benötigen dafür häufig hunderte Extraktionsstufen, große Mengen an Chemikalien und zudem viel Energie. Gegen diese „Zahnräder“ in der Industriearchitektur richtet sich das neue Vorhaben: Die drei Partner wollen unterschiedliche Modellierungs- und Suchmethoden bündeln, um Trennschritte einzusparen und damit kleinere sowie kostengünstigere Verarbeitungsanlagen realistisch zu machen.

Riven Systems treibt dabei den experimentellen Teil voran: In einem automatisierten Labor laufen tausende chemische Trennungsexperimente, deren Ergebnisse als Trainingsdaten dienen. Dadurch wird die Suche nach geeigneten Extraktanten aus dem Bereich „Versuch und Irrtum“ in Richtung eines datengetriebenen Modellierungsprozesses verschoben. Pasqal ergänzt diesen Labor-Loop durch Rechenmodelle mit maschinellem Quantenlernen, bei denen Prozessoren auf Basis neutraler Atome zum Einsatz kommen. Die Idee dahinter ist weniger ein sofortiger Ersatz bestehender Industrie-Software, sondern ein systematischer Vergleich zwischen quantenbasierten Modellansätzen und klassischen Rechenmodellen, um herauszufinden, wo Quantenmethoden tatsächlich neue Suchvorteile liefern könnten.

Wichtig ist dabei auch die Einordnung: Die Beteiligten weisen explizit darauf hin, dass Quantenmethoden in der industriellen Rohstoffverarbeitung bisher nur begrenzt erprobt sind. Genau diese Formulierung erklärt, warum das Projekt als Kombination aus Laborautomation, Modellabgleich und Materialtests geplant ist. USA Rare Earth bringt Prozessdaten sowie reale Ausgangsstoffe in die Zusammenarbeit ein, um die Modellkandidaten anschließend unter praxisnahen Bedingungen zu validieren. Getestet werden Erz aus der Round-Top-Lagerstätte in Texas, Material von Drittanbietern sowie Schrott aus der Magnetfertigung. Die Erprobung findet am Forschungsstandort in Wheat Ridge in Colorado statt; dort betreibt das Unternehmen seit Juni 2026 eine Demonstrationsanlage zur mehrstufigen Lösungsmittelextraktion.

Die Verbindung zur industriellen Umsetzung wird in mehreren Etappen sichtbar. Bereits im Juli 2026 meldete USA Rare Earth die erfolgreiche Gewinnung erster kommerzieller Proben von Dysprosiumoxid sowie Praseodym-Neodym-Oxid aus recyceltem Magnetschrott. Damit bekommt das Vorhaben eine Grundlage, die über reine Machbarkeitsstudien hinausgeht, denn die Datenbasis entsteht nicht nur aus synthetischen Laborbedingungen, sondern auch aus Recyclingströmen. Die langfristige Zielrichtung bleibt dabei eine geschlossene US-Wertschöpfungskette von der Mine bis zum fertigen Magneten: Für die Round-Top-Mine nahe Sierra Blanca in Texas peilt der Konzern einen kommerziellen Produktionsstart für Ende 2028 an. Neben Schweren Seltenen Erden sollen dort laut Plan auch Gallium und Hafnium gefördert werden.

Rückendeckung erhält die Skalierung über staatliche Hilfen. Das Unternehmen hat ein Abkommen mit dem US-Handelsministerium über finanzielle Unterstützung von bis zu 1,6 Milliarden US-Dollar finalisiert. Die Struktur folgt dabei einer klassischen Mischung aus direkten Zuschüssen und kreditbasiertem Förderinstrument: Es sind bis zu 277 Millionen US-Dollar als Zuschüsse vorgesehen, ergänzt um Kredite im Rahmen des CHIPS Act. An der Börse wurde die technologische Initiative kurzfristig mit positiven Erwartungen quittiert: Die Aktie legte heute um 7,5 Prozent auf 16,52 USD zu. Nach wechselhaften Vormonaten summiert sich der Kursgewinn seit Jahresanfang auf 39 Prozent, was zeigt, wie eng in diesem Marktabschnitt Kapital, Umsetzungssicherheit und Skalierbarkeit wahrgenommen werden.

Für die Branche ist der Ansatz vor allem deshalb interessant, weil er einen konkreten Mechanismus adressiert, der normalerweise schwer zu „digitalisieren“ ist: die Suche nach effizienteren Chemikalien und Prozessen in einer mehrstufigen Trennlogik. Wenn die Labor-Experimentierzyklen mit KI-Modellen und die Modellvergleiche aus quantenbasierten Verfahren tatsächlich zu weniger Extraktionsschritten führen, könnten sich die Kostenstrukturen in der Verarbeitung spürbar verändern. Gleichzeitig bleibt die Relevanz für Entwickler und Unternehmen hoch, weil die Kombination aus automatisierter Datengewinnung, modellgestützter Kandidatenauswahl und industrieller Validierung ein wiederholbares Muster für weitere Materialsysteme sein kann – vorausgesetzt, die Übertragung in den Maßstab der Demonstrations- und Produktionsanlagen gelingt.


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