KONTICH, BELGIEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Tenneco nutzt die InnoTrans 2026, um neue Brems- und Gleitlagerlösungen für den Schienenverkehr zu zeigen. Im Fokus steht das Hochleistungs-Reibmaterial Jurid 711 für Regional-, Fern- und Hochgeschwindigkeitszüge. Ergänzt wird das Portfolio durch überarbeitete Bremsbelag-Konstruktionen sowie DEVA-Gleitwerkstoffe für wartungsärmere Lager. Daneben präsentiert der Bereich Systems Protection Lösungen zur Abschirmung und zum Schutz vor thermischen, elektrischen und elektromagnetischen Einflüssen.

Tenneco verschiebt auf der InnoTrans 2026 den technischen Schwerpunkt klar in Richtung „unternehmenskritischer“ Komponenten, die im Bahnbetrieb nicht nur funktionieren, sondern im Alltag auch reproduzierbar leisten sollen. Der Hersteller platziert seine Neuheiten auf zwei Schauplätzen: Braking und Industrial in Halle 1.2, Stand 560, sowie Systems Protection in Halle 12, Stand 440. Damit wird sichtbar, wie stark die Produktentwicklung im Schienenverkehr inzwischen entlang kompletter Wirkachsen gedacht wird – von Reibpartnern im Bremssystem über tribologische Lagerstoffe bis hin zu Schutzkonzepten gegen Abrieb, Wärme und Störeinflüsse. Für Betreiber und Werkstätten ist das vor allem deshalb relevant, weil sich die Bewertung neuer Bauteile in der Praxis an Lebenszykluskosten und Fahrgastkomfort festmacht, nicht an reinen Laborwerten.
Das prominenteste Signal kommt aus dem Bremsbereich: Jurid 711, ein Hochleistungs-Reibmaterial, das Tenneco auf der Messe offiziell vorstellt. Laut Angaben ist es für Regional-, Fern- und Hochgeschwindigkeitsverkehr ausgelegt und soll ein gleichbleibendes Bremsverhalten über ein breites Spektrum an Betriebsbedingungen und Geschwindigkeiten ermöglichen. Entscheidend ist dabei weniger die einzelne Kennzahl als die Stabilität des Reibverhaltens über wechselnde Lastprofile, weil genau hier typische Verschleiß- und Geräuschmuster entstehen können. Tenneco nennt zudem außergewöhnlich geringe Verschleißraten als Hebel für optimierte Lebenszykluskosten. Praktisch heißt das: Wer Wartungsintervalle planen muss, profitiert von Materialsystemen, die weniger häufig ausgetauscht werden müssen und gleichzeitig die Bremsleistung möglichst konstant halten.
Auch die mechanische Einbausituation spielt bei Jurid 711 eine Rolle. Das Material wird in Bremsbelagstärken von 24 mm und 35 mm angeboten und zielt damit auf unterschiedliche Flotten- und Wartungsanforderungen ab. Für Instandhaltungsbetriebe ist diese Flexibilität ein handfester Punkt, weil sie sich in der Ersatzteilstrategie und in der Fahrzeuginventarisierung widerspiegelt. Neben der Verschleißreduktion nennt Tenneco außerdem ein Konstruktionsziel zur Geräuschminimierung: Bremsgeräusche und Quietschen sollen auf ein Minimum reduziert werden. Gerade in dicht besiedelten Gebieten ist das für Betreiber mehr als Komfort-„Marketing“, denn wahrnehmbare Geräusche hängen häufig mit Reibungs- und Oberflächenphänomenen zusammen, die sich durch Werkstoffwahl und Belagdesign beeinflussen lassen.
Der zweite Bremsstrang geht über das Reibmaterial hinaus: Tenneco will auf der InnoTrans die überarbeiteten Bremsbelag-Konstruktionen Jurid Sinter und Sinter Silence vorstellen. Sinter-gestützte Lösungen stehen in vielen Fahrzeugintegrationsthemen traditionell für einen produktseitig robusten Aufbau, der sich im Betrieb bewähren soll; zugleich ist die Geräuschreduzierung ein eigenes Engineering-Thema, das meist an Oberflächenstrukturen und Materialpaarungen anknüpft. Ergänzend werden laut Messeauftritt Materialzertifizierungen der Marke für Güter-, Nahverkehrs-, Regional- und Hochgeschwindigkeitszüge präsentiert. In Summe zeigt das, dass der Hersteller nicht nur ein einzelnes Produkt „hinlegt“, sondern die Zulassungs- und Bewertungsseite mitdenkt – ein Faktor, der in Einkaufszyklen für Bahnkomponenten häufig ebenso langwierig ist wie die technische Verifikation.
Parallel dazu adressiert Tenneco den Bereich Industrial mit DEVA-Gleitwerkstoffen, darunter deva.tex 518. Das faserverstärkte Lagermaterial soll für anspruchsvolle Eisenbahnanwendungen entwickelt sein und Dauer- sowie Stoßbelastungen abdecken. Bei solchen Bauteilen entscheidet die Kombination aus mechanischer Festigkeit, tribologischen Eigenschaften und chemischer Beständigkeit über die tatsächliche Standzeit; außerdem wirken im Unterbau reale Umgebungen oft „kumulativ“: Feuchtigkeit, Schmutz und Temperaturschwankungen treten nicht nacheinander, sondern gleichzeitig oder in schnellen Zyklen auf. Tenneco beschreibt deva.tex 518 als zweischichtige Verbundstruktur und positioniert es vor allem dort, wo wartungsfreier Betrieb, lange Lebensdauer und Betriebssicherheit entscheidend sind.
Die genannten Einsatzfelder machen die Zielrichtung deutlich: Federungssysteme, Bremsgestänge, Drehgestellkomponenten, Kupplungen, Türsysteme und andere bewegliche Teile. Für Betreiber ist das relevant, weil Lagerwerkstoffe nicht nur Verschleiß senken sollen, sondern auch die verfügbare Fahrzeugverfügbarkeit erhöhen: weniger Wartungsaufwand bedeutet weniger planbare Standzeiten und reduziert indirekt auch Betriebsrisiken. Dazu kommt der Bereich Systems Protection, der am Messestand ein Portfolio an schutzkritischen Lösungen gegen Abrieb, thermische Einflüsse sowie elektrische und elektromagnetische Störungen zeigt. Genannt werden etwa Fyrejacket HL LTE als Schutzschlauch für kritische Verkabelungen und das Silikonband 77FR als selbstverschweißendes Band für Abdichtung, Verbindung und Reparatur von Schlauchschnittkanten bei hohen Temperaturen. Damit adressiert Tenneco ein Thema, das im Bahnbetrieb oft unterschätzt wird: Ein sauber integriertes Gesamtsystem erfordert nicht nur mechanische Funktion, sondern auch Robustheit gegen Umwelteffekte und elektrische Randbedingungen.
Für die Branche lässt sich daraus ein klarer Trend ableiten: Komponenten werden zunehmend als Systembausteine verstanden, bei denen Werkstoff, Geräuschverhalten, Verschleiß, Schutzfunktionen und Zertifizierungsstand zusammen in Entscheidungen einfließen. Die InnoTrans ist dafür ein typischer Ort, weil die Messeperspektive die Brücke zwischen Entwicklung, Fahrzeugintegration und Instandhaltung schlägt. Wenn Tenneco mit Jurid 711, den überarbeiteten Belägen und den DEVA- sowie Systems-Protection-Komponenten auftritt, geht es genau um diese „End-to-End“-Betrachtung. Für Unternehmen in Engineering, Beschaffung und Flottenmanagement bedeutet das konkret: Wer neue Bauteile bewertet, sollte die Schnittstellen zwischen Bremse, Tribologie und Schutzkonzepten gleich mit prüfen – nur so lassen sich am Ende die versprochenen Lebenszykluskosten und die gewünschte Betriebssicherheit realistisch einordnen.
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