NEW YORK – Außenminister Johann Wadephul fordert den Iran auf, den Würgegriff um die Straße von Hormus zu beenden. In Gesprächen am Rand der UN-Vollversammlung drängt er auf konstruktive, nachhaltige Verhandlungen mit den USA und den Nachbarstaaten. Deutschland stellt sich laut Aussagen aus der Delegation als unterstützender Vermittler im E3-Format auf. Außerdem verlangt Wadephul, dass sowohl der Iran als auch verbündete Milizen Angriffe auf zivile Schiffe stoppen.

Die Blockade der Straße von Hormus bleibt auch Monate nach Beginn der Konfliktdynamik ein zentraler Hebel in den internationalen Bemühungen um Entschärfung. Außenminister Johann Wadephul nutzte seinen Auftritt im Umfeld der Vereinten Nationen in New York, um den Iran direkt an Verhandlungen zu adressieren und gleichzeitig eine konkrete Bedingung zu setzen: Der Würgegriff müsse gelöst werden, die freie Durchfahrt müsse wiederhergestellt werden. Dabei ist bemerkenswert, wie stark Deutschland den Fokus auf sofortige Handlungen legt, statt sich allein auf langfristige Gespräche zu verlassen.
Im Gespräch mit seinem iranischen Amtskollegen Abbas Araghtschi machte Wadephul laut Delegationsangaben deutlich, dass der Iran sich ernsthaft und glaubhaft an nachhaltigen Verhandlungen beteiligen müsse. Gleichzeitig wurde die politische Botschaft mit einer inhaltlichen Konkretisierung verknüpft: Es müsse insgesamt Kompromissbereitschaft entstehen, um die Lage im „verfahrenen Konflikt“ in der Region zu durchbrechen. Dass Wadephul die UN-Vollversammlung als Bühne wählt, unterstreicht die Strategie, den Druck nicht nur bilateral zu erhöhen, sondern auch den internationalen Rahmen sichtbar zu machen.
Deutschland verweist dabei explizit auf die Rolle des E3-Formats, also der Zusammenarbeit mit Frankreich und Großbritannien. Aus dem Wortlaut der deutschen Position ergibt sich, dass Berlin Vermittlungsbemühungen nicht nur allgemein unterstützt, sondern offenbar als Teil eines koordinierten Ansatzes versteht. In der Logik solcher Formate geht es häufig darum, unterschiedliche Interessenlagen so zu bündeln, dass aus Gesprächskanälen belastbare Verhandlungspakete entstehen. Für die Straße von Hormus bedeutet das: Ohne einen Mechanismus, der Zugang und Sicherheit zugleich adressiert, droht das Risiko, dass jede Entspannung nur kurzfristig hält.
Technisch-politisch liegt der Kern der Forderung auf dem gleichen Punkt: Angriffe auf zivile Schiffe sollen aufhören. Wadephul verknüpfte diese Erwartung ausdrücklich nicht nur mit dem Iran selbst, sondern auch mit verbündeten Milizen, in der Argumentation wurde als Beispiel die Huthi-Miliz im Jemen genannt. Für die Praxis im Schiffsverkehr heißt das, dass Unternehmen und Versicherer eine zuverlässigere Risikoeinschätzung benötigen, um Routenplanung, Einsatzzeiten und Kostenmodelle zu stabilisieren. Die Forderung nach „umgehender“ Wiederherstellung der freien Durchfahrt zielt damit weniger auf Symbolpolitik als auf die Wiederherstellung kalkulierbarer Transportbedingungen.
Ein weiterer Aspekt ist die Frage der finanziellen Anreize. Deutschland lehnt demnach Gebühren für die Durchfahrt durch die Straße von Hormus ab – ausdrücklich auch freiwillige. Damit setzt Berlin eine klare Grenze gegenüber Modellen, die de facto Zahlungen an Akteure nahelegen könnten, die den Druck durchsetzen. Aus Markt- und Versorgungssicht ist genau das entscheidend: Sobald die Passage an monetäre Bedingungen geknüpft wird, entsteht leicht ein System, in dem Verhandlungsergebnisse als fortlaufende Einnahmequelle wirken. Deutschland versucht offenbar, eine solche Dynamik zu vermeiden, indem es die Durchfahrt an Sicherheits- und Verhandlungslogik koppelt.
Parallel dazu betonte Wadephul die erneute Initiative von US-Präsident Donald Trump, gemeinsam mit den Golfstaaten Wege aus der Lage zu suchen. Der politische Unterton dabei: Bewegung soll nicht allein durch einzelne bilaterale Schritte entstehen, sondern durch Koordination mit Akteuren, die geografisch und strukturell am stärksten betroffen sind. Wadephul kündigte zudem weitere Gespräche an, darunter mit Kollegen aus Jordanien, Pakistan, Irak und Oman. Dass „mehr Bewegung“ nötig sei, klingt zwar allgemein, ist im diplomatischen Kontext aber häufig der Auftakt für konkrete Themenpakete: Kanäle für Repräsentanten, abgestimmte Forderungen und eine gemeinsame Linie für Verhandlungssignale.
Wie die Blockade gelöst werden könne, ließ Wadephul nicht im Raum stehen, sondern verlangte eine Klärung des Weges, insbesondere mit Blick auf die Bedeutung der Straße von Hormus für den Handel mit Öl, Gas und Düngemitteln. Ebenso legte er eine politische Leitlinie für den Iran fest: Der Iran müsse „einsehen“, dass es eine geschlossene Auffassung der Weltgemeinschaft gibt, nach der der Iran nicht nuklear bewaffnet sein dürfe. Für Unternehmen und Infrastrukturbetreiber in Energie- und Logistikbranchen bedeutet das: Das Risiko bleibt zweigeteilt, weil sich technische Engpässe in der Versorgung häufig erst dann stabilisieren, wenn sich auch die politische Sicherheitsarchitektur verlässlich ändert.
Am Ende zeigt sich ein Muster, das in vielen Deeskalationsprozessen wiederkehrt: Verhandlungsbereitschaft wird öffentlich eingefordert, gleichzeitig werden konkrete Bedingungen genannt, die im Alltag der Region messbar sind. Wenn Deutschland die freie Durchfahrt priorisiert und Zahlungen für die Passage ausschließt, geht es vor allem darum, das Risiko zu reduzieren, dass die Blockade zu einem dauerhaften Status wird. Ob der angekündigte Gesprächsfaden mit den USA, den Golfstaaten und über das E3-Format hinaus tatsächlich zu einer tragfähigen Entspannung führt, wird sich daran entscheiden, ob Angriffe auf zivile Schiffe schnell nachlassen und ob die Parteien die Verhandlungen als mehr als bloßen Austausch von Positionen begreifen.
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