NEW YORK / LONDON (IT BOLTWISE) – Der von den USA geführte Friedensrat hat in New York einen sechsmonatigen Plan für einen Teil-Wiederaufbau des Gazastreifens vorgestellt. Das Paket ist mit knapp 2,5 Milliarden US-Dollar veranschlagt, während die Gesamtkosten für den Wiederaufbau auf 71 Milliarden US-Dollar beziffert werden. Im Rahmen der Veranstaltung rief Jared Kushner, Schwiegersohn und Berater von US-Präsident Donald Trump, ausdrücklich zu Spenden auf. Gleichzeitig bleibt der politische Streit um die Entwaffnung der Hamas und den Abzug Israels aus weiten Teilen des Küstengebiets ungelöst.

Der Friedensrat, der in den USA geführt wird, hat seinen Ansatz für den Wiederaufbau in Gaza bewusst in einen kurzen Zeithorizont gegossen: In New York skizzierte das Gremium einen Plan, der sechs Monate dauern soll und mit knapp 2,5 Milliarden US-Dollar kalkuliert ist. Diese Größe ist weniger als ein symbolischer Startschuss gedacht, sondern als konkret getaktetes Programm, in dem die ersten Handgriffe möglichst schnell Wirkung entfalten sollen – etwa beim Abtransport von Trümmern und bei frühen Sicherheits- und Infrastrukturmaßnahmen. Dass die Finanzierung gleichzeitig im Fokus der Veranstaltung für Spender und Ratsmitglieder stand, zeigt, wie eng das Vorhaben an politische und finanzielle Zustimmung gekoppelt ist.
Rechnerisch liegt der Schwerpunkt des Sechs-Monats-Pakets auf klar umrissenen Baustellen. So nennt der Rat rund 275 Millionen US-Dollar für den Abtransport von Schutt im weitgehend zerstörten Küstenstreifen. Daneben sollen Bauprojekte und humanitäre Vorhaben parallel laufen; auch der Aufbau der Polizei wird als eigener Block erwähnt. Technisch betrachtet bedeutet das: Wiederaufbau in einem Gebiet mit massiven Zerstörungen beginnt häufig nicht mit Neubauten, sondern mit Logistik, Räumung und der Wiederherstellung grundlegender Funktionsfähigkeit. Ohne diese Vorarbeiten bleiben spätere Bau- und Versorgungsprogramme teuer, langsamer und anfälliger für Unterbrechungen.
Der größere Zahlenrahmen macht jedoch die Erwartungsdynamik deutlich. Nach Angaben des Friedensrats belaufen sich die Gesamtkosten für den Wiederaufbau auf 71 Milliarden US-Dollar. Bislang gebe es Zusagen in Höhe von rund 18 Milliarden US-Dollar. Damit wird der Sechs-Monats-Plan zwar als unmittelbarer Start beschrieben, finanziell aber als Lücke in einer viel größeren Gesamtfinanzierung eingeordnet. Für Spender und internationale Organisationen ist das eine entscheidende Frage: Sobald ein Teilprojekt im Zeitfenster steht, entstehen Folgekosten und Abhängigkeiten, die schnell den Druck erhöhen, weitere Mittel nachzuschieben.
Während die Mittelbeschaffung im Vordergrund stand, sind die politischen Streitpunkte nach wie vor der Engpass. In dem genannten Kontext blieb laut Darstellung bisher weder die im Friedensplan vorgesehene Entwaffnung der islamistischen Terrororganisation Hamas noch der Abzug Israels aus gut der Hälfte des Gazastreifens umgesetzt. Zudem heißt es, dass seit Oktober 2025 eigentlich eine Waffenruhe im Gaza-Krieg herrsche. Gleichzeitig wird berichtet, dass Israel die Luftangriffe zuletzt wieder verstärkt habe, mit dem Verweis auf gezielte Einsätze gegen ranghohe Hamas-Mitglieder. Für den Wiederaufbau ist genau diese Diskrepanz relevant: Sobald Sicherheit und Machtstrukturen umkämpft bleiben, verschieben sich Prioritäten weg von dauerhaften Investitionen hin zu kurzfristiger Schadensbegrenzung und erhöhten Schutzbedarfen.
Der Hohe Vertreter des Friedensrats, Nikolaj Mladenow, hatte im Mai bereits betont, dass ein Wiederaufbau ohne Entwaffnung der Hamas nicht möglich sei. Er verwies außerdem auf schwierige Gespräche mit Israel und stellte die Frage nach einem realistischen politischen Übergang in den Mittelpunkt. Der Konflikt entzündet sich unter anderem daran, dass der Fahrplan vorsieht, übergebene Waffen einzulagern und unter palästinensischer Kontrolle zu belassen. Israel fordert dagegen eine komplette Entfernung der Waffen aus dem Küstenstreifen, weil die Regierung befürchtet, sie könnten andernfalls erneut in die Hände der Hamas fallen. Diese Gegenpositionen wirken wie ein technisches Detail – sind aber in Wahrheit Kernfragen zur künftigen Sicherheitsarchitektur und damit zu den Voraussetzungen für jede Form von Baufortschritt.
Auch auf der Ebene der internationalen Legitimation gibt es Reibung. Kritiker sehen den Friedensrat als Konkurrenz zu den Vereinten Nationen, die von vielen europäischen Staaten weiterhin als Mechanismus zur Lösung internationaler Konflikte bevorzugt werden. Der Rat zählt aktuell etwa zwei Dutzend Mitglieder; genannt werden unter anderem Ungarn, Israel, Belarus, Katar, Saudi-Arabien und die Türkei. Mehrere europäische Länder – darunter auch Deutschland – lehnen eine Beteiligung ab. Für Unternehmen, Hilfsorganisationen und technische Dienstleister ist das mehr als Diplomatie: Je nachdem, welche Institution als operativer Rahmen akzeptiert wird, verändern sich Ausschreibungen, Compliance-Prozesse, Projektstandards und die Frage, wer am Ende den Betrieb und die Verantwortlichkeiten nach einer ersten Wiederaufbauphase übernimmt. In der Folge wird aus dem Plan weniger ein reines Bauprogramm als vielmehr ein Test, ob Finanzierung, Sicherheit und politische Zuständigkeit in einem eng begrenzten Zeitfenster zusammenfinden.
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