LONDON (IT BOLTWISE) – Strive-CEO Matt Cole argumentiert, dass Bitcoin-Treasury-Modelle den Bärenmarkt nicht „gebrochen“ haben. Sein Kerngedanke: Entscheidend ist nicht nur der BTC-Bestand, sondern ob ein Unternehmen BTC pro Aktie nachhaltig steigert. Als Hebel nennt er ein Finanzierungsmodell mit rund 13% Kapitalkosten, bei dem „Bitcoin gains“ über den Kosten zusätzlichen Upside erzeugen können. Dazu passt seine Makro-Erzählung, nach der eine US-Schuldenkrise den Dollar unter Druck setzt und Bitcoin gegen ihn an Wert gewinnt.

In der Diskussion um Bitcoin-Treasury-Strategien verschiebt sich der Fokus von der reinen Frage „Wie viel BTC hält ein Unternehmen?“ hin zu einer betriebswirtschaftlicheren Kennziffer: der Fähigkeit, BTC pro Aktie über Zeit zu erhöhen. Strive-CEO Matt Cole bringt genau dieses Argument in Stellung und stellt die verbreitete Annahme infrage, dass das Treasury-Modell im jüngsten Bärenmarkt zwangsläufig versagt habe. „I don’t think it ever broke“, sagte Cole laut Bericht in einem Interview am 23. September. Damit verknüpft er eine zweite These: Starke Akteure können aus dem Gegenwind heraus einen strukturellen Vorteil ziehen, während schwächere Unternehmen an Timing-Probleme, ungünstige Schuldenbedingungen und unklare Strategien geraten.
Technisch-analytisch lässt sich Cole’s Ansatz als eine Art „Finanzierungshebel“-Logik begreifen: Ein Unternehmen nimmt Kapital zu bestimmten Konditionen auf und verwendet es, um mehr Bitcoin zu kaufen. Ob daraus ein Mehrwert entsteht, hängt laut seiner Darstellung davon ab, ob die Wertentwicklung von Bitcoin die Finanzierungskosten übertrifft. Strive nennt Cole dabei explizit als Beispiel, nicht nur wegen des Bestands, sondern wegen der Struktur der Kapitalaufnahme: Das Unternehmen erhebe Kapital zu „roughly 13% financing costs“, wodurch Gewinne oberhalb dieser Schwelle zu einer zusätzlichen Aufwärtskomponente führen könnten. In der Praxis bedeutet das auch: Wenn das Management die Verwässerung kontrolliert und Zukäufe konsequent in eine Wachstumsrate für BTC pro Aktie übersetzt, kann das Treasury-Modell in einem Umfeld volatiler Kurse funktionieren.
Die Abgrenzung gegenüber „schwachen“ Treasury-Geschichten beschreibt Cole weniger als eine Frage des Marktes an sich, sondern als Frage der Ausführung. Er ordnet Fehlerquellen wie schlechte Zeitpunkte für Emissionen oder Käufe ein, nennt ungünstige Debt-Strukturen und betont „unclear strategies“ als Risiken. Gleichzeitig verweist er auf die Marktsignale, die während der Erholung sichtbar werden können: Die Phase nach einem Abwärtszyklus könne dafür sorgen, dass sich stärkere Betreiber von jenen trennen, die ihre Finanzierungslogik nicht tragen kann. Als Vergleich führt er neben Strive zusätzlich das Modell von Strategy als Unternehmen an, die über die Krise hinweg Bitcoin weiter akquirierten. Wichtig ist dabei: Auch wenn das Narrativ nach Marktstimmung klingt, übersetzt es sich in eine harte Unternehmenskennzahl – nämlich ob das Wachstum pro Aktie bei anhaltender Strategie dauerhaft gelingt.
Besonders aufschlussreich ist Cole’s Interpretation der Unternehmensperformance. Er stellt in den Vordergrund, dass der Markt nicht nur BTC-Mengen bewerte, sondern die Frage, ob ein Treasury-Ansatz einen „Premium“-Mechanismus gegenüber einem reinen Halten von Bitcoin erzeugen kann. Strive – so die Argumentation – generiere neben dem BTC-Preisrisiko auch eine Form von laufendem Mehrwert für Aktionäre, den er als „Bitcoin yield“ beschreibt. Dabei fällt auf, dass die Vergangenheit zwar als Illustration dient, aber nicht als alleiniger Beleg: Cole verweist darauf, dass Strive Bitcoin im Jahr 2026 um mehr als 100% übertroffen habe, während Bitcoin selbst „flat“ geblieben sei. Für die langfristige Tragfähigkeit zählt jedoch „sustaining its acquisition strategy“ – also die Fähigkeit, auch bei wechselnden Marktbedingungen weiter Kapital in Käufe umzuleiten.
Sein Basisszenario geht dabei deutlich in die Zukunft: Strive setze „50%“ jährliche Bitcoin-Komposition bis 2030 an, wodurch BTC in der Hochrechnung nahe „$500,000“ liegen würde. Als Begründung nennt Cole sowohl die historischen Zyklen als auch seinen makroökonomischen Blick. Technisch ist an dieser Stelle weniger entscheidend, ob einzelne Zyklen exakt wiederholt werden, sondern wie robust die Strategie gegenüber Abweichungen bleibt. Gerade bei Treasury-Modellen liegt das Risiko nicht nur im Preis, sondern in der Kombination aus Finanzierungskosten, Verwässerungsrisiko und dem Timing der Kapitalmaßnahmen. Wenn der Markt die erwartete Wachstumsannahme nicht teilt, kann der „Hebel“ aus Finanzierungskosten und BTC-Performance schnell ins Gegenteil kippen – weshalb die Kennzahl BTC pro Aktie als Entscheidungsanker besonders relevant wird.
Die zweite Säule von Cole’s Argumentation ist die Makrolage rund um US-Schulden und die Rolle des Dollars. Seine Logik lautet sinngemäß: Die US-Regierung löse die Schuldenkrise nicht, solange „something breaks“, und in dieser Erzählung sei das „dollar“. Daraus leitet er zwei mögliche politische Wege ab: Entweder müssten die USA deutlich höhere Renditen für Treasury-Anleihen akzeptieren oder die Kosten für die Kreditaufnahme gezielt unterdrücken. In beiden Fällen, so die Konsequenz, werde der Dollar zum „release valve“ des Finanzsystems. Für Bitcoin folgt daraus eine relative Wette: Bitcoin könne gegenüber dem Dollar „substantially“ steigen und gleichzeitig den realen Kaufkraftgewinn erhöhen.
Für Unternehmen und Anleger ist an der Debatte vor allem die Konsequenz aus Cole’s Formulierungen: Treasury-Modelle sind nicht einfach „Bitcoin mit Bilanz“, sondern eine laufend optimierte Finanzierungskette mit einer klaren Rendite-Logik. Auf der einen Seite schaffen günstige Konditionen – wie in der Darstellung 13% Finanzierungskosten – die Möglichkeit, dass BTC-Zukäufe bei positiver Kursdynamik Mehrwert oberhalb des reinen Haltens liefern. Auf der anderen Seite verlagert sich das Risiko stärker auf die Unternehmensdisziplin: Welche Laufzeiten werden gewählt? Wie stabil bleibt die Kapitalbeschaffung? Und wie wird die Strategie so gestaltet, dass BTC pro Aktie nicht nur in günstigen Phasen wächst, sondern auch dann, wenn sich Liquidität und Kreditmärkte drehen. Ob der Markt diese Logik tatsächlich über Zyklen hinweg belohnt, entscheidet sich letztlich daran, ob aus dem Versprechen ein nachweisbarer, wiederholbarer Mechanismus wird – und nicht nur eine Kurve in einem Jahr.
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