NEW DELHI / LONDON (IT BOLTWISE) – Die US Air Force schickt ihre F-35 in die von Indien ausgerichteten Luftübungen „Tarang Shakti“. Damit bekommt die Indische Luftwaffe erstmals die Möglichkeit, mit einem Fünft-Generation-Stealth-Jet direkt in taktischen Missionen zu trainieren. Die Übung startet am Jodhpur Air Base in Rajasthan und läuft bis zum 12. Oktober. Insgesamt nehmen acht Länder teil, weitere 32 Beobachter verfolgen den Ablauf vor Ort.

Was wie eine Routine-Übung klingt, ist operativ ein großer Schritt: In „Tarang Shakti“ trifft die Indische Luftwaffe erstmals im eigenen Übungsraum auf eine Fünft-Generation-Plattform. Die US Air Force setzt dabei auf den F-35 als Tarnkappenjäger, sodass die Teilnahme nicht bei symbolischen Vorführungen stehen bleibt, sondern auf taktische Missionen mit indischen Kampfflugzeugen ausgelegt ist. Der zeitliche und räumliche Rahmen ist dabei klar definiert: Start ist am Samstag an der Jodhpur Air Base in Rajasthan, rund 200 Kilometer von der Grenze zu Pakistan entfernt, das Ende ist für den 12. Oktober vorgesehen.
Technisch betrachtet geht es bei dieser Art von Training weniger um das „Fliegen“ an sich, sondern um die Frage, wie sich ein Stealth-Jet in einen Verbund integrieren lässt. Die zentrale Perspektive lautet: Sensor- und Datenfusion so umsetzen, dass die Besatzung auch dann handlungsfähig bleibt, wenn gegnerische Radare die Erkennung schwieriger machen sollen. Genau diesen Punkt nennt die Nachrichtenlage als Trainingsziel – die Erkenntnis, wie ein Jet mit fortgeschrittener Sensorik Teil einer vernetzten Streitkräfte-Logik wird, wie er Aufklärung und Führung in Echtzeit in die Einsatzkette einspeist und wie sich dadurch die taktische Lage gegenüber gegnerischen Erfassungssystemen verändern kann.
Die teilnehmenden Flugzeugtypen zeigen außerdem, wie die Übung aufgebaut sein soll: Indien setzt in den Kampfmissionen auf mehrere „Major Fighters“ wie Rafale, Su-30MKI, Tejas und Mirage 2000. Frankreich bringt Rafale-Flugzeuge mit, die Vereinigten Arabischen Emirate steuern F-16 bei, und zusätzlich sollen weitere Länder mit Unterstützungs-Assets wie Transport- und Überwachungsflugzeugen Präsenz zeigen. Neben den genannten Nationen werden auch Deutschland, Australien, Bangladesch, Sri Lanka und Griechenland in der Rolle von Luftkräften mit Plattformen erwartet. Insgesamt sind acht Länder aktiv beteiligt; 32 weitere nehmen als Beobachter teil, was die Übung zugleich als Lern- und Demonstrationsraum für Verfahren lesbar macht.
Für die strategische Einordnung spielt der Nachbarschaftsvergleich eine Rolle: Die Übung findet in einer Phase statt, in der China den Ausbau seiner Fünft-Generation-Fähigkeiten beschleunigt. Für Indien heißt das, dass Training nicht nur „Waffensysteme“ abbildet, sondern einen künftigen Operationsmix vorbereiten muss, obwohl das Land selbst noch keinen eigenen Fünft-Generation-Jet in der Flotte hat. Der Effekt kann in der Praxis dort entstehen, wo Taktiken oft scheitern: bei der Abstimmung zwischen Plattformen unterschiedlicher Radarsignatur, bei der Frage, wie Zielinformationen geteilt und bestätigt werden, und bei der Umsetzung von Einsatzabläufen, die in der Theorie funktionieren, aber in der Luftlage durch Latenz, Funkdisziplin und Sensorunterschiede neu kalibriert werden müssen.
Indiens Vize-Chef des Luftstabs, Air Marshal Ashutosh Dixit, ordnet den Charakter der Übung explizit als Lernprozess ein. In der Darstellung wird betont, dass „Tarang Shakti“ nicht dazu dient, bereits bekannte Inhalte zu präsentieren, sondern Annahmen zu testen, Prozeduren herauszufordern und Methoden zur Nutzung der Luftmacht vergleichbar zu machen. Genau diese Zielsetzung ist relevant, weil sie die Art der Datennutzung steuert: Wenn unterschiedliche Parteien eigene Betriebsroutinen mitbringen, müssen sie in einer gemeinsamen Übungslogik zusammengeführt werden, etwa indem man Rollen, Kommunikationspfade und Einsatzketten so definiert, dass daraus am Ende interoperable Handlungsabläufe entstehen.
Das Timing passt zudem in ein breiteres Muster außen- und verteidigungspolitischer Abstimmung. Die Teilnahme der F-35 unterstreicht, dass die Verteidigungsbeziehungen zwischen Neu-Delhi und Washington trotz zusätzlicher Belastungen in anderen Politikfeldern auf einer stabilen operativen Schiene bleiben. Zwar war der F-35 zuvor bereits zweimal bei Verteidigungsausstellungen in Indien präsent, und die Indische Luftwaffe hatte laut Hintergrund zudem schon in Australien an gemeinsamen Übungen mit F-35 operiert, doch die kommende Iteration ist in einem entscheidenden Punkt neu: Erstmals geht es um taktische Missionen mit indischen Partnern von einer indischen Basis aus. Ergänzend nennt Dixit auch den Wunsch, Erkenntnisse aus dem Konflikt mit Pakistan im Mai letzten Jahres zu testen, bei dem beide Seiten Kampfflugzeuge einsetzten.
Schließlich lohnt der Blick auf die regionale Anschlussfähigkeit der Übung. „Tarang Shakti“ startet kurz nachdem Indien bilaterale Luftübungen mit Japan durchgeführt hat, bei denen Tokyo erstmals Mitsubishi F-2A in Indien einsetzte. In beiden Fällen wird deutlich, dass sich Interoperabilität nicht nur über gemeinsame Technik, sondern über wiederkehrende, realitätsnahe Abläufe entwickelt: Übungsbedingungen, Missionsplanung, Funkkommunikation, Rollenverteilungen. Für die nächsten Wochen lässt sich damit ein konkreter Mehrwert erwarten, der über die reine Präsenz hinausgeht – nämlich verlässliche Arbeitsroutinen, wie ein Stealth-Jet im Verbund wahrgenommen, geführt und taktisch genutzt wird, bevor eine solche Fähigkeit im Ernstfall selbst aufgebaut werden müsste.
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