ZHUHAI / LONDON (IT BOLTWISE) – In Zhuhai startet eine erste Phase des Embodied-AI-Einsatzes im Kultur- und Tourismussektor mit mehr als 300 Robotern im Regelbetrieb. Im Chimelong Spaceship Park sollen die Systeme an über 100 Interaktionspunkten Besucher anleiten, Service leisten und auch in Shows sowie Bildungsangeboten mitwirken. Für die Vernetzung der Robotik errichten die Partner ein dediziertes 5G-Advanced-Netz mit 5G-Slicing, Edge-Anbindung und Sicherheitsisolierung. Gleichzeitig wächst die Fertigungskapazität: Laut Angaben wurde das 20.000ste Exemplar ausgeliefert, und das Team nennt deutlich längere Akkulaufzeiten als der Branchendurchschnitt.

Im Chimelong Spaceship Park in Zhuhai läuft der Schritt von Pilotprojekten in den Regelbetrieb: Über 300 Roboter sollen dort ab der ersten Einsatzphase als durchgängiger Bestandteil des Besucheralltags funktionieren. Die Unternehmen AgiBot und die Chimelong Group betonen dabei nicht nur die schiere Anzahl, sondern auch die Konzentration auf einen einzelnen Themenpark als Testumgebung für „Embodied AI“ im Kultur- und Tourismussektor. Für Betreiber ist das ein anderes Risiko als bei einmaligen Events: Die Systeme müssen wiederkehrend in echten Besucherströmen funktionieren, mit wechselnden Tageszeiten, wechselndem Publikumsverhalten und damit einer deutlich stärkeren Varianz in den Interaktionsmustern.
Die Robotikflotte ist dafür über mehr als 100 Interaktionspunkte im Park verteilt. Laut Projektpartnern deckt das Einsatzspektrum sieben definierte Szenarien ab – von Live-Entertainment und Shows über wissenschaftlich ausgerichtete Bildungsangebote bis hin zu klassischer Gästeführung, Retail-Service und Wegweisung. Ergänzend kommen die Roboter an Retail-Service-Stationen sowie als KI-Begleiter in Hotelservice- und Sportwettkampf-Kontexten zum Einsatz. Technisch bedeutet das: Ein System, das nur einen einzelnen Use Case beherrscht, reicht hier nicht. Die Roboter müssen unterschiedliche Rollen übernehmen, in kurzen Momenten wechseln und dabei die Kommunikation so stabil halten, dass sich Besucher nicht „abgehängt“ fühlen, wenn die Interaktion an Kulissen, Ständen oder in dichtem Raum wechselt.
Damit solche Interaktionen nicht an Latenz oder Netzinstabilität scheitern, errichten AgiBot, die Chimelong Group und China Mobile ein dediziertes 5G-Advanced-Netz. Entscheidend ist dabei laut Angaben, dass diese Infrastruktur physisch vom Besuchernetzwerk getrennt ist – ein Ansatz, der vor allem dann relevant wird, wenn Besucherzahlen an Feiertagen und Wochenenden den Datenverkehr im Park spürbar nach oben treiben. Die Architektur nutzt 5G-Slicing, lokale Edge-Geräte-Bereitstellung und Sicherheitsisolierung, wodurch Daten „lokal“ verteilt werden können. Für die Umsetzung im Freizeitbereich ist das mehr als Marketing: Slicing ermöglicht es, Kommunikationsprofile für Robotercluster so zuzuordnen, dass andere Parkdienste nicht die gleiche Übertragungsklasse mitbeanspruchen, während Edge-Instanzen die Abhängigkeit von weit entfernten Rechenzentren reduzieren.
Die Anpassung der Roboter an die Markenwelt des Parks erfolgt über die LinkSoul-Plattform und ein AIMA-Ökosystem, das auf dem selbst entwickelten WITA-Modell basiert. Praktisch heißt das: Die Systeme lassen sich in mehreren Dimensionen individualisieren, etwa bei Stimme und Tonlage, Mimik, Persona, Bewegung sowie Kostümierung. Genau an dieser Stelle wird deutlich, warum „Embodied AI“ hier nicht nur als Begriff für einen besseren Algorithmus verstanden wird, sondern als Abstimmung zwischen Wahrnehmung, Verhalten und sichtbarer Ausprägung. Wenn Persona, Gestik und Bewegungsprofile zusammenwirken, wirkt ein Roboter im Raum konsistenter – und die Interaktion wird für Besucher vorhersehbarer, auch wenn das System dynamisch auf unterschiedliche Fragen und Situationen reagieren soll.
Operativ kommt zudem ein konkreter Hardware-Faktor hinzu: Im Rahmen der Eröffnung Ende September wurde das 20.000ste Exemplar aus der Fertigungslinie ausgeliefert. Dabei handelt es sich laut Angaben um den Typ Expedition A3 Ultra. Die Roboter dieser Expedition-Serie sollen eine Akkulaufzeit von 10 Stunden erreichen, deutlich über dem genannten Branchendurchschnitt von etwa 3 Stunden. Der Regelbetrieb erfordert demnach im laufenden Tagesgeschäft lediglich einen Batteriewechsel pro Schicht; aktuell kommt ein menschlicher Mitarbeiter auf etwa drei Roboter, wobei die Unternehmen eine Steigerung des Verhältnisses auf 10:1 oder perspektivisch 20:1 anstreben. Für Unternehmen in der Hospitality- und Entertainment-Welt ist das betriebswirtschaftlich relevant, weil die Personalkosten häufig direkt mit Interaktionsdichte und Schichtplanung zusammenhängen.
Parallel zum operativen Start wurde außerdem ein gemeinsames Forschungsinstitut ins Leben gerufen: das „Chimelong×AgiBot Embodied AI Cultural Tourism Joint Research Institute“. Die Arbeit soll sich auf die Szenario-Anpassung humanoider Roboter, die Iteration von Algorithmen, die Erstellung von Inhalten sowie die kommerzielle Validierung konzentrieren. Dazu passt auch das im Projekt beschriebene Sicherheitskonzept, das Netzwerksicherheit, Datenschutz und Brandschutz beim Laden der Geräte adressieren soll. Aus der Rollout-Perspektive ist außerdem die Geschwindigkeit auffällig: Zwischen Vertragsunterzeichnung am 23. August und Inbetriebnahme verging laut Angaben nur ein Monat. CEO Deng Taihua beschreibt die Roboter damit in eine neue Phase der realen Bereitstellung versetzt; Vize-Präsident Xiong Yan nennt zudem als mögliche Zielrichtung, einen Zustand ohne notwendiges Debugging „vergleichbar mit menschlichen Fähigkeiten“ in drei bis fünf Jahren zu erreichen.
Der Standort dient dabei als Skalierungsbühne: Der Chimelong Spaceship Park ist mit einer Innenfläche von 400.000 Quadratmetern nach den genannten Angaben der weltweit größte Indoor-Themenpark und verzeichnet bislang über 10 Millionen Besucher. Laut Planung soll der Einsatz bis zum Jahresende auf insgesamt 1.000 Roboter ausgeweitet werden. Gleichzeitig liefert der Blick auf die Nachfrage Hinweise, warum Betreiber solche Plattformen testen und ausbauen: Nach Angaben aus einer Markteinschätzung für chinesische Konsumenten liegt das Interesse an technologischen Lösungen in Freizeitparks 2026 hoch – insbesondere bei Echtzeit-Navigations-Apps (38,49 %) sowie intelligenten Reservierungssystemen und Robotern für die Gepäckaufbewahrung (34,78 %). Für die Branche ist das ein Signal, dass sich der Wettbewerb nicht nur über Attraktionen entscheidet, sondern zunehmend über die Qualität der durchgängigen Interaktionstechnologie, also über Netz, Edge-Logik, Roboterverhalten und das passende Markenerlebnis.
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