LONDON (IT BOLTWISE) – BASF soll Evonik zuletzt mit einem Angebot von rund 22,15 Euro je Aktie kontaktiert haben. Evonik erklärte dem Vernehmen nach, der Preis sei zu niedrig, um formelle Gespräche und eine Due-Diligence-Prüfung zu starten. Dadurch bleibt die Übernahmefrage zunächst ohne konkreten nächsten Schritt, während die Evonik-Aktie im XETRA-Handel vorübergehend zulegt.

Die Übernahmespekulationen rund um Evonik bekommen eine klarere Kante: Nach übereinstimmenden Angaben aus dem Markt soll BASF als ersten Schritt ein Angebot von etwa 22,15 Euro je Aktie unterbreitet haben. Evonik stellt sich dem Vernehmen nach jedoch dagegen, weil der offerierte Preis nach Einschätzung des Zielunternehmens nicht ausreicht, um formelle Verhandlungen anzustoßen oder dem Konkurrenten die Grundlage für eine Due-Diligence-Prüfung zu geben. Für Beobachter ist das weniger ein endgültiges Nein als ein Signal, dass der Bewertungsabstand zwischen beiden Seiten noch groß ist.
Der für den Markt relevante Punkt liegt in der Relation zum Kurs: Das genannte Gebot entspräche laut Bericht einem Aufschlag von knapp 29 Prozent auf den Evonik-Kurs vom vergangenen Montag, bevor die Meldungen über ein mögliches Übernahmeinteresse öffentlich wurden. Solche prozentualen Aufschläge sind im M&A-Alltag zwar ein typisches „Ankerangebot“, sie reichen aber häufig nicht, wenn das Zielunternehmen seine eigenen Zukunftserwartungen, Synergiepotenziale oder die Substanz einzelner Geschäftsbereiche höher bewertet. Genau darin steckt die nächste Weichenstellung: Wenn ein erstes Angebot die Schwelle für Due Diligence nicht überschreitet, bleibt der Prozess in der frühen Phase stecken, in der oft nur die Informationsasymmetrie zwischen Bietendem und Zielgesellschaft entscheidet.
Evonik selbst äußerte sich über einen Sprecher zunächst zurückhaltend. In der internen Kommunikation, auf die sich der berichtete Stand bezieht, ist von einer „unverbindlichen Ansprache“ die Rede, die BASF im Zusammenhang mit einem möglichen Übernahmeangebot erhalten habe. Wichtig ist dabei die Formulierung, dass die Ansprache auf ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot für sämtliche Aktien gerichtet gewesen sei, gleichzeitig aber derzeit keine Gespräche in diesem Zusammenhang stattfänden. Damit macht der Konzern deutlich, dass die Schwelle zur nächsten Verhandlungsstufe – also etwa Datenzugang, Detailprüfungen und Verhandlungstaktik – nicht erreicht ist.
Für die Börsenreaktion bedeutet das: Die Aktie agiert nicht nur auf Basis der reinen Nachricht, sondern auch auf Basis der Wahrscheinlichkeit, ob daraus ein verbessertes Angebot wird. Laut dem berichteten Handelsstand legte die Evonik-Aktie über XETRA zeitweise um 1,96 Prozent auf 19,75 Euro zu. Solche kurzfristigen Bewegungen sind bei M&A-Nachrichten häufig, weil Händler Szenarien bepreisen: Entweder es kommt rasch ein höherer Preis nach, oder der Markt lernt, dass eine erste Kontaktaufnahme eher dem Test der „Verhandlungsbereitschaft“ dient. In der Praxis steigt dabei oft die implizite Erwartung an die nächste Preisstufe, selbst wenn das Zielunternehmen noch keine formellen Gespräche bestätigt.
Technisch betrachtet ist der Schritt von einer unverbindlichen Ansprache zu einer Due-Diligence-Prüfung vor allem ein Prozess- und Governance-Thema. Sobald ein Bieter Zugang zu belastbaren Unternehmensdaten erhält, steigt die Tiefe der Prüfung: Finanzmodelle werden gegen Steuerungskennzahlen geprüft, operative Annahmen werden verifiziert, und Bewertungsparameter werden entlang der jeweiligen Geschäftssegmente neu kalibriert. Für Evonik heißt das: Ein zu niedriges Angebot würde nicht nur die Gegenleistung in Frage stellen, sondern auch die Frage aufwerfen, ob es sich lohnt, intern Ressourcen für eine Prüfung zu mobilisieren, die unter den aktuellen Preisvorstellungen möglicherweise ohnehin in eine Sackgasse läuft.
Unterdessen bleibt die Marktdynamik offen. Wenn BASF ein weitergehendes Interesse ernsthaft verfolgen will, ist die wahrscheinlichste Stellschraube eine Anpassung des Angebots oder eine klarere Verhandlungsperspektive, die Evonik eine realistische Erwartung auf einen erfolgreichen Abschluss gibt. Für andere Marktteilnehmer ist der Fall zudem ein Lehrstück darüber, wie unverbindliche Offerten als Verhandlungsinstrument funktionieren: Sie senden ein Signal, erzeugen Aufmerksamkeit und setzen eine erste Bewertungsmarke, ohne bereits die kostspielige Detailprüfung auszulösen. Sollte es in den kommenden Schritten doch zu formellen Gesprächen kommen, dürfte der nächste Fokus weniger auf der Tatsache „Übernahme ja oder nein“ liegen, sondern auf dem konkreten Preisniveau und dem Umfang, in dem Daten zur Verfügung gestellt werden.
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