WASHINGTON / LONDON (IT BOLTWISE) – Der Inspector General hat das Verfahren zur kostspieligen Fed-Renovierung abgeschlossen und kein administratives Fehlverhalten festgestellt. Auslöser waren deutliche Kostenüberschreitungen, die wiederum eine Prüfung rund um Jerome Powells Rolle nach sich zogen. Die Untersuchung verweist zwar auf Schwächen im Projektmanagement, sieht aber keine hinreichenden Anhaltspunkte für ein strafrechtlich relevantes Fehlverhalten. Damit bleibt die Unabhängigkeit der Geldpolitik ein zentraler Streitpunkt, während der Ausbau bis Dezember 2027 veranschlagt ist.

Der Abschlussbericht des Office of Inspector General zur Federal Reserve sorgt für Klarheit in einem politisch hoch aufgeladenen Kapitel: Nach den Kostenexplosionen bei der Renovierung der Gebäude am Sitz der US-Notenbank fand die Behörde weder Anhaltspunkte für administratives Fehlverhalten noch genügend Gründe, um eine strafrechtliche Weiterleitung an den U.S. Attorney General nach dem Inspector General Act zu veranlassen. Konkret heißt es im Bericht, man habe zu keinem Zeitpunkt eine „reasonable grounds“-Bewertung getroffen, die eine mögliche Verletzung von Bundesstrafrecht plausibel gemacht hätte. Gleichzeitig macht der Inspector General aber deutlich, dass im Projektmanagement Defizite bestanden und Korrekturmaßnahmen empfohlen werden – ein Unterschied, der für die praktische Bewertung der nächsten Schritte entscheidend ist.
Aus technischer und operativer Sicht ist der Bericht weniger eine Personaldiskussion als eine Abbildung typischer Schwachstellen bei Großprojekten. Der IG untersuchte den Zeitraum und die Entscheidungen rund um die Renovierung der Marriner-S.-Eccles- und der Gebäude an der 1951 Constitution Avenue NW. Der genehmigte Budgetrahmen wuchs von 1,317 Milliarden USD im Februar 2020 auf 2,381 Milliarden USD im Dezember 2024; als „most recently revised renovation budget“ wird damit der Stand vor der Veröffentlichung herangezogen. Zusätzlich lag ein vorgeschlagenes Baukostenpaket in Höhe von 2,135 Milliarden USD vom Construction Manager vor. Der IG ordnet ein, dass Teile der Kostensteigerungen auf externe Faktoren zurückgehen – etwa höhere Preise für Baumaterialien, Ausrüstung und Arbeitskräfte, Änderungen an ursprünglichen Plänen nach Rücksprache mit Prüforganen sowie unvorhergesehene Risiken wie mehr Asbest als erwartet, kontaminierten Boden und eine Wasserhöhe, die über dem anfänglich angenommenen Niveau lag.
Im Kern kritisiert der Inspector General jedoch, dass nicht nur die „Unwägbarkeiten“ aus der Baustelle heraus wirkten, sondern dass auch vertragliche und steuernde Entscheidungen die Dynamik verschärft haben. Besonders hervor tritt die Rolle der Vertragsarchitektur: Es sei kein Guaranteed-MAXIMUM-PRICE-Vertrag etabliert worden, bei dem der Auftragnehmer für Kostenüberschreitungen stärker in die Pflicht genommen worden wäre. Außerdem verweist der Bericht auf vier Preis-Pakete, von denen drei nicht mindestens drei Angebote erhalten hätten. Für Governance- und Kontrollmechanismen bedeutet das: Wenn Vergabe- und Benchmarking-Prozesse weniger Wettbewerb erzeugen, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass Kostensteigerungen frühzeitig durch Marktsignale begrenzt oder zumindest früher korrigiert werden. Daneben bemängelt der IG, dass die Nutzung eines externen Bauvertreters nicht effektiv genug erfolgt sei und dass die interne Projektsteuerung nicht ausreichend robust gewesen sei.
Politisch lief das Projekt dennoch nie nur „im Projektmodus“ – und genau hier entsteht der Konflikt, der über Monate die Amtsführung von Jerome Powell begleitet hat. Laut den Vorwürfen Trumps sei Powell im Zusammenhang mit der Renovierung „großes Versagen“ angelastet worden; zudem wurde in Richtung einer möglichen Aberkennung von Verantwortlichkeiten argumentiert. Hier setzt das juristische Ergebnis allerdings eine klare Grenze: Der IG stellt fest, dass im Rahmen der Prüfung keine hinreichenden Gründe für eine mögliche Verletzung von Bundesstrafrecht vorlagen, die eine formale Überweisung an den U.S. Attorney General erfordert hätte. Bereits im Juli 2025 hatte der Inspector General mit der Untersuchung der Kostenüberschreitungen begonnen – auf ausdrücklichen Wunsch Powells, wie der Ablauf im Bericht beschrieben wird. Im Anschluss an die Einordnung im Verlauf schloss das U.S. Attorney’s Office im April die eigene Untersuchung, während der IG seine Prüfung fortsetzte. Powells Position: Er hatte im Januar öffentlich gemacht, dass das Justizministerium eine strafrechtliche Prüfung zu seiner Aussage vor dem Kongress über das Renovierungsprojekt eingeleitet habe.
Auch die prozedurale Dramaturgie verdeutlicht, wie eng politische Kommunikation, Beweisfragen und regulatorische Zuständigkeiten im US-System miteinander verzahnt sind. Im Januar waren Vorladungen an den Board of Governors ergangen; Powells Reaktion bestand in einer öffentlich adressierten Darstellung, die das Vorgehen als „unprecedented“ und politisch motiviert einordnete. Zugleich betont der neue Bericht, dass es zwar Mängel bei Management und Vertragspraxis gab, aber eben kein administratives Fehlverhalten identifiziert wurde. Diese Differenz ist für den weiteren Verlauf relevant, weil sie den Handlungsraum der Verantwortlichen eher auf Prozess- und Kontrollverbesserungen lenkt als auf personalrechtliche oder strafrechtliche Konsequenzen. Für die Planung heißt das nicht automatisch „alles wird schneller“, aber es liefert die Grundlage, um Budget- und Governance-Mechaniken künftig stärker an Risikoübertragung, Wettbewerb bei Vergaben und klaren Entscheidungswegen auszurichten.
Dass sich der Streit um das Gebäude in den geldpolitischen Kontext hinein fortsetzt, zeigt die Folgezeile zur Amtsnachfolge: Nach Darstellung des Zeitablaufs übernahm Kevin Warsh im Mai die Rolle als Fed Chair, nachdem die DOJ-Entscheidung das weitere strafrechtliche Prüfverfahren gegen Powell beendet hatte. Powell blieb im Board of Governors, laut Bericht und Kontext mit dem Hinweis, er wolle solange im Amt bleiben, bis die Angelegenheit „mit Endgültigkeit“ geklärt sei, insbesondere wegen seiner Befürchtungen bezüglich der Unabhängigkeit der Geldpolitik. Währenddessen hat der Warsh-geführte Federal Open Market Committee im Monat der Veröffentlichung einstimmig beschlossen, die Zinsen zum ersten Mal seit 2023 anzuheben – eine Maßnahme, die zeigen soll, dass der politische Lärm um Gebäudeentscheidungen die geldpolitische Handlungsfähigkeit nicht unmittelbar ersetzt.
Für Unternehmen, die selbst große Bau- oder Umbauprogramme steuern, lassen sich aus dem Fall drei praktische Lehren ableiten: erstens wird die Kostenentwicklung bei Großprojekten nicht nur durch Material- und Umweltfaktoren bestimmt, sondern auch durch die Frage, wie Risiken vertraglich verteilt und kontrolliert werden; zweitens reicht „Budget“ allein nicht, wenn Vergabeprozesse und interne Governance keine verlässlichen Gegenchecks liefern; und drittens ist Transparenz über Status, Annahmen und Planänderungen nicht nur ein administratives Thema, sondern reduziert die Wahrscheinlichkeit, dass politische Narrative in Compliance- und Zuständigkeitsfragen hineinragen. Der IG sieht als Zeithorizont vor, dass die Bauphase bis Dezember 2027 endet. Bis dahin dürfte die eigentliche Arbeit weniger in neuen Debatten liegen als in der konsequenten Umsetzung der empfohlenen Korrekturmaßnahmen – und genau dort entscheidet sich, ob der Bericht nur ein Abschlussdokument bleibt oder ob er als Präzedenzfall für bessere Projektsteuerung in staatlich nahen Institutionen wirkt.
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