LONDON (IT BOLTWISE) – Aston Martin schiebt mit dem DBX GT einen neuen Luxus- und Performance-SUV ins Rampenlicht. Im Zentrum steht ein 4,0-Liter-V8 mit Biturbo, der 717 PS und 664 lb-ft (900 Nm) bereitstellt. Laut Hersteller beschleunigt der Wagen in 3,1 Sekunden auf 60 mph und erreicht 193 mph Spitze. Gleichzeitig rückt der Hersteller Komfort stärker in den Fokus – mit überarbeitetem Interieur, Sound-Dämmung und klassischeren Quad-Auspuffanlagen.

Aston Martin versucht zur Jahreswende, die eigene SUV-Strategie neu auszurichten. Denn nach einem enttäuschenden 2025 mit rückläufigen Markenverkäufen und steigenden Verlusten braucht der DBX-Baukasten ein Modell, das nicht nur Aufmerksamkeit erzeugt, sondern auch höhere Margen ermöglicht. Der neue DBX GT ist dabei bewusst anders positioniert als die üblichen Leistungsvarianten: Während frühere Ableitungen im Programm stärker auf reine Performance-Argumente setzen, soll der DBX GT vor allem Luxus, Verfeinerung und ein „GT“-Gefühl transportieren.
Technisch basiert der DBX GT weiterhin auf dem 4,0-Liter-V8 mit Zwillings-Turboaufladung, den Aston Martin bereits aus dem Umfeld der DBX S-Familie kennt. Die Leistungsdaten bleiben dabei identisch: 717 PS bei 6.250 U/min sowie 664 lb-ft (900 Nm) Drehmoment im Bereich von 3.000 bis 5.250 U/min. Gemeinsam mit einem 9-Gang-Automatikgetriebe treibt die Kraft alle vier Räder an – das ermöglicht eine sehr direkte Beschleunigung: Von 60 mph bis zum Ziel sind es laut Hersteller 3,1 Sekunden. Mit 193 mph als Vmax zielt das Auto klar auf die sportliche Oberklasse, ohne sich komplett auf „Track“-Rhetorik festzunageln.
Im Detail beginnt die „Luxus zuerst“-Inszenierung bereits außen. Aston Martin nennt eine bespoke Doppelspeichen-Kühlergrill-Lösung, verfügbar in glänzender oder dunkler Ausführung, dazu neue äußere Lufteinlässe sowie zweiteilige Metall-Seiten-Skirts. Dazu kommen Karosseriebauteile wie ein Frontbumper in Wagenfarbe, neue Schweller und ein überarbeiteter hinterer Diffusor. Besonders auffällig ist außerdem die Rückseite: Statt der gestapelten Auspuffanlage des DBX S setzt Aston Martin beim DBX GT auf vier klassischere Endrohre mit polierter Optik. Weitere Akzente liefert ein 22-Zoll-Felgensatz in „Satin Titanium“-Optik mit diamond-turned Verarbeitung; serienmäßig kommen Allwetterreifen zum Einsatz.
Der größte Hebel für den Premiumanspruch sitzt jedoch im Innenraum. Aston Martin rüstet die vorderen und hinteren Sitze mit einer zusätzlichen 10-mm-Schicht Memory Foam aus; damit soll die Rücken- und Oberschenkelstütze über längere Strecken deutlich konstanter wirken. Die Details wirken fast handwerklich: Laut Hersteller sind in den Vorderseiten 2.267 feet Garn verarbeitet und mehr als 3.200 Perforationslöcher ausgeführt. Während der restliche DBX-Bereich typischerweise mit einer Sitzbank im Fond arbeitet, verbaut Aston Martin beim DBX GT zwei einzelne Sitze im hinteren Bereich; eine dritte Position in der Mitte bleibt zwar vorhanden, wirkt aber deutlich beengt. Farblich stehen außerdem monotone, duotone und tritone Varianten bereit, ergänzt um kundenspezifische Ziernähte. Unter dem Blech dominiert der Komfortgedanke zudem über weitere Maßnahmen wie einen anodisierten Metall-Drehregler für Fahrmodi, ein serienmäßiges Panorama-Glasdach, mehr Schalldämpfung sowie semi-anilinfarbiges Leder und tiefflorige Fußmatten.
Auch die Abstimmung der „Power-Seite“ bleibt konsistent mit dem Anspruch, dass der V8 präsent ist, aber nicht jede Fahrt als Lautstärke-Event inszeniert. Aston Martin sagt, das Unternehmen habe den Auspuffklang überarbeitet und zusätzlich einen subtilen GT-Modus eingeführt, der die Geräuschkulisse ruhiger halten soll. Wer dagegen die komplette V8-Charakteristik auskosten möchte, findet dafür die Sport- und Sport+-Modi. Damit versucht der Hersteller, zwei Zielgruppen zu bedienen: Kunden, die vor allem Wert auf Fahrkultur, hochwertige Materialien und angenehme Langstrecken legen, und jene, die die Leistungsreserve als Option jederzeit abrufen wollen.
Marketingseitig bleibt der DBX GT auf der strategisch wichtigen Schnittstelle zwischen „Gute Performance“ und „Premium-Image“ – und damit genau in dem Spielfeld, in dem auch Konkurrenten wie Ferrari und Lamborghini im SUV-Umfeld wahrgenommen werden. Für Aston Martin kommt hinzu, dass die Nachfrage im DBX-Bereich zuletzt spürbar nachgegeben hat: Die Brand Sales sanken laut den vorliegenden Zahlen auf 5.448 Einheiten nach 6.030 im Jahr 2024, und der DBX selbst verlor 9 Prozent auf 1.717. Ob der DBX GT diese Lücke schließen kann, hängt nicht nur an den technischen Daten, sondern auch daran, wie gut die höheren Preispunkte durch den Komfort- und Detailfokus gerechtfertigt werden können. Konkrete Preisangaben für einzelne Märkte wurden noch nicht genannt; die ersten Kundenauslieferungen sollen im vierten Quartal starten.
Für Käufer und Händler bedeutet das: In den nächsten Monaten wird sich entscheiden, ob Aston Martin den DBX-Baukasten so „umetikettiert“ bekommt, dass das Produkt wieder stärker als Premium-Alternative wahrgenommen wird. Der DBX GT liefert dafür ein klares Paket aus: identische Spitzenleistung aus dem bekannten Biturbo-V8, kombiniert mit sichtbaren Außen-Upgrades und einem deutlich aufgewerteten Innenraum, der den Komfort als eigenständiges Verkaufsargument in den Vordergrund stellt. Gerade in Segmenten, in denen Kunden zwischen sportlich-kompakten Konzepten und großzügigen GT-SUVs abwägen, kann diese Positionierung über den wahrgenommenen Mehrwert sehr direkt entscheiden.
Interessant ist dabei auch die Technik-Logik hinter dem Konzept. Durch die Beibehaltung des leistungsstarken Antriebs und der Drehmomentbandbreite kann Aston Martin die Engineering-Risiken begrenzen und dennoch das „Gefühl“ verändern – über Sound-Charakter, Fahrmodi und vor allem über die mechanische Komfortphysik im Innenraum. Wer den DBX GT plant, bekommt damit ein Fahrzeug, das nicht nur schnell fährt, sondern sich auch bewusst so anfühlen soll: gedämpft genug für lange Strecken, präsent genug für den Moment, in dem man den V8 wirklich nutzen möchte.
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