BONN / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Deutsche Post hat die Paketautomaten-Firma Myflexbox aus Salzburg übernommen und will damit den Ausbau im Automatik-Netzwerk deutlich beschleunigen. Bis 2030 sollen in Deutschland 25.000 Myflexbox-Automaten stehen, rund das Siebenfache des aktuellen Bestands. Das Unternehmen erwartet zudem insgesamt etwa 50.000 Automaten für Ende 2030, inklusive des bisher betriebenen DeinFach-Bestands. Der Kaufpreis wurde nicht genannt; Myflexbox wurde zuletzt über die Post-Tochter AZL GmbH in den DHL-Konzern integriert.

Die Deutsche Post setzt im Paketgeschäft konsequent auf den stationären Selbstservice: Mit der Übernahme von Myflexbox will der Bonner Logistiker das eigene Netzwerk an Paketautomaten spürbar vergrößern und gleichzeitig die Markenlandschaft vereinfachen. Myflexbox war bisher einer der größten anbieteroffenen Automatenbetreiber und verfügt aktuell über rund 2.000 Automaten in Deutschland sowie etwa 1.000 in Österreich. Entscheidend für den Ausbau ist zudem die Skalierbarkeit des bestehenden Betriebs, denn Myflexbox zählt rund 100 Beschäftigte und gilt als unabhängig genug, um an unterschiedlichen Standorten früh neue Dienstleister anzubinden.
Technisch und operativ geht es bei Paketautomaten vor allem um die Kombination aus sicheren Abmessungen, verlässlicher Schließ- und Zugangsmechanik sowie einem reibungslosen Flottenbetrieb. Myflexbox-Automaten sind an den Standorten so angebunden, dass Sendungen verschiedener Anbieter wie GLS, DPD, UPS, Fedex und Amazon verfügbar sind. Für die Deutsche Post bedeutet das: Der bisherige, anbieterbreite Betrieb liefert eine funktionierende Integrations- und Betriebslogik, die sich nun in den DHL-Konzernkontext überführen lässt, ohne bei null anzufangen. Über die Post-Tochter AZL GmbH erfolgt dabei die Integration; parallel betreibt AZL derzeit rund 1.700 Automaten unter der Marke DeinFach.
Die eigentliche strategische Wucht liegt im Ausbauziel. Für das Jahr 2030 plant Myflexbox in Deutschland 25.000 Paketautomaten, also etwa siebenmal so viele wie aktuell. In der Gesamtschau will der Konzern inklusive Myflexbox und DeinFach Ende 2030 bei rund 50.000 Automaten landen und damit das Ausbaupensum deutlich erhöhen: Vor dem Myflexbox-Zukauf lag das Ziel bei mehr als 30.000. Da ein Teil des Bestands bereits existiert, ist der Sprung weniger eine Frage von „neuem Rollout ab morgen“ als vielmehr von zusätzlicher Beschleunigung bei Standortauswahl, Lieferkette der Automaten und Rollout-Planung entlang der bestehenden Betriebsprozesse.
Marktseitig verschärft das den Wettbewerb in einem Umfeld, in dem Paketvolumen und Lieferkosten unter Druck stehen. Die Begründung ist in der Praxis schnell nachvollziehbar: Zustellungen an der Haustür sind für Paketdienstleister zeitintensiv, während Automaten eine gebündelte Abgabe oder Abholung ermöglichen. DHL fährt in diesem Segment laut der Meldung bereits eine deutliche Hausmarke vor: Unter der Marke DHL betreibt der Konzern rund 16.000 Packstationen für Pakete und 1.400 Poststationen, in denen Pakete und Briefe abgegeben werden können. Diese Standorte sind allerdings nicht anbieteroffen, sondern nur für DHL-Sendungen vorgesehen; der neue Ausbau über Myflexbox zielt daher auch darauf, die Fähigkeit zu erhöhen, anbieterübergreifend und damit möglichst flexibel auf Nachfrage in unterschiedlichen Lagen zu reagieren.
Die Integration von DeinFach und Myflexbox erfolgt dabei nicht als „zwei parallele Welten“, sondern als Zusammenführung mit schrittweiser Markenangleichung. Die DeinFach-Automaten sollen nach und nach umetikettiert und unter Myflexbox geführt werden. Gleichzeitig wird die bereits etablierte Anbindung berücksichtigt: Bei DeinFach konnten bisher Pakete von DHL und UPS abgeholt werden, während andere größere Paketdienstleister bislang nicht eingebunden waren. Daraus ergibt sich ein klarer Betriebshebel, denn die Umstellung kann mittelfristig auch den Zugang für zusätzliche Anbieter erleichtern, sofern die technologische und vertragliche Einbindung entsprechend nachgezogen wird.
Wettbewerber versuchen ebenfalls, in Deutschland Fläche zu gewinnen. GLS und DPD hatten im März angekündigt, bis Ende 2027 gemeinsam bis zu 6.000 Automaten anzubieten. Hermes ist nach der Darstellung im Automatenfeld bisher vergleichsweise wenig aktiv, mit rund 30 Automaten im Großraum Hamburg. Für die Deutsche Post ist das relevant, weil sich Ausbauziele in diesem Markt nicht nur über Stückzahlen entscheiden, sondern auch über Dichte im Alltag: Je besser Automaten in Wohn- und Gewerbegebieten verteilt sind, desto geringer werden Umwege für Kunden und desto planbarer wird die Paketlogistik für die Betreiber.
Historisch lässt sich Myflexbox als Beispiel für die Konsolidierung im Automatenmarkt lesen: Die Firma war einst Tochter der Salzburger Stadtwerke, wurde vor einigen Jahren an Star Capital verkauft und ist nun Teil des DHL-Konzerns. Dass der Kaufpreis nicht genannt wird, ist dabei weniger ungewöhnlich als vielmehr ein Hinweis darauf, dass die strategische Logik im Vordergrund steht. Für Unternehmen, die Paketabwicklung und Kundenprozesse betreiben, kann das künftig spürbar werden: Mehr Automaten bedeuten weniger Zeitdruck bei Zustellung und Abholung, gleichzeitig steigt die Bedeutung standardisierter Schnittstellen für die Anbieteranbindung. Die nächsten Monate dürften daher vor allem zeigen, wie schnell die Umetikettierung vorankommt und in welchem Tempo die 2030er Zielmarken in Deutschland operational erreichbar werden.
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