LONDON (IT BOLTWISE) – Der Hearing-Tech-Startup Legato bietet mit „Legato Frames“ seine KI-gestützten Hörbrillen nun im Handel an. Die Brille filtert Sprache aus Umgebungslärm und verstärkt Stimmen, ohne dass dabei Kameras oder Mitschnitte nötig sind. Mit 34 Gramm Gewicht und einer Laufzeit von 10 bis 12 Stunden zielt das Produkt auf Menschen mit moderatem Hörverlust. Der Einstiegspreis liegt bei 999 US-Dollar, während die Datenverarbeitung laut Anbieter vollständig direkt auf der Brille erfolgt.

Legato macht aus dem Thema Hörhilfe ein Format, das viele Nutzer bereits bequem tragen: eine Brille. Mit den „Legato Frames“ bringt das Startup seine KI-gestützte Technologie in die Bügel integrierter Hörunterstützung, sodass Sprache im Alltag klarer hörbar werden soll. Preislich startet das Angebot bei 999 US-Dollar und richtet sich laut Produktpositionierung vor allem an Erwachsene mit moderatem Hörverlust. Entscheidend ist dabei nicht nur die Zielgruppe, sondern auch der Systemansatz: Legato setzt auf eine aktive Sprach-/Lärm-Trennung direkt in der Brille und adressiert damit Kosten, Komfort und die soziale Hürde klassischer Hörgeräte.
Technisch betrachtet unterscheidet sich das Konzept von herkömmlichen Hörgeräten, die häufig mit richtungsabhängigen Mikrofonen arbeiten. Diese können in lauten Umgebungen zwar bestimmte Schallquellen hervorheben, geraten aber schnell in Konflikt, wenn mehrere Stimmen oder ein chaotischer Geräuschteppich dominieren. Legato Frames verfolgen stattdessen einen KI-Workflow: Das System identifiziert Stimmen innerhalb von Hintergrundgeräuschen, verstärkt die relevanten Sprachanteile und dämpft unerwünschte Klanganteile. Das Zielszenario sind damit Gespräche in Restaurants, bei Treffen oder in anderen akustisch unruhigen Situationen, in denen ein „nur Richtung hören“ oft zu kurz greift.
Der Hardware-Teil ist so ausgelegt, dass die Brille im Alltag eher wie ein Accessoire funktioniert als wie ein offenes Hörgerät. Die Bauform bleibt „open-ear“, allerdings wird der Ton nicht in den Raum ausgespielt. Stattdessen nutzt die Brille ein Dual-Speaker-Design, das den Schall in Richtung der Trägerin oder des Trägers lenkt und gleichzeitig das Entweichen von Schall außerhalb der unmittelbaren Umgebung minimiert. Legato nennt für diesen Effekt eine Reduktion von bis zu 99% in wenigen Zentimetern Entfernung vom Ohr. Dadurch soll die Privatsphäre im Gespräch verbessert werden, ohne dass die Trägerin oder der Träger komplett „abgeschottet“ wirkt.
Auch beim Datenschutz- und Architekturversprechen setzt Legato einen klaren Akzent. Laut Anbieter verarbeitet das System die Audiodaten direkt auf der Brille („on-device“), ohne dass Kameras eingesetzt werden. Das ist für Unternehmen und Entwickler vor allem deshalb interessant, weil sich damit Abhängigkeiten von Cloud-Infrastruktur, zusätzliche Latenz und Übertragung von Audio-Inhalten im Betrieb reduzieren lassen. Für den Produktalltag nennt Legato ein Gewicht von 34 Gramm inklusive Linsen sowie eine Akkulaufzeit von 10 bis 12 Stunden. Dazu kommen drei Tragevarianten, Unterstützung für verschreibungsfähige Linsen sowie Bluetooth-Streaming für Musik und Telefonate.
Marktseitig fällt die Veröffentlichung in eine Phase, in der Wearables zunehmend „audio-first“ werden und KI nicht mehr nur auf Smartphones stattfindet. Legato positioniert sich damit als Alternative zu klassischen Hörgeräten, bei denen sich Nutzer oft zwischen Leistungsfähigkeit, Einstellungsaufwand, Tragegefühl und sichtbarer Wahrnehmung entscheiden müssen. Der Preis von 999 US-Dollar liegt zwar über vielen Einsteigerlösungen, kann aber im Kontext von Vision-Insurance und dem Ziel einer leichteren Akzeptanz dennoch eine andere Kauflogik auslösen. Das gilt besonders in den USA: Legato Frames sind über die Website sowie bei ausgewählten Augenpflege-Anbietern erhältlich und sollen bei entsprechender Konstellation über den Versicherungskanal abgedeckt werden können.
Hintergrund der Markteinführung ist auch die Finanzierung und damit der Entwicklungshorizont. Kurz vor dem offiziellen Launch ist das Startup aus dem „Stealth“-Modus gekommen und erhielt laut Angaben 12 Millionen US-Dollar von Neotribe Ventures, Listen und Village Global. Zudem zeigt die Gründerhistorie, dass Legato nicht bei Null startet: Gegründet wurde das Unternehmen 2024 von Mehul Trivedi und Steve Romine. Trivedi bringt Erfahrung aus Wearables und Hörtechnologie mit, unter anderem aus seiner Arbeit an Bose Frames sowie später bei EssilorLuxottica im Umfeld intelligenter Brillen und Projekten rund um die Meta Ray-Ban Smart-Glasses. Romine war zuvor COO bei Audicus und hat ebenfalls eine Hearing-Care-Laufbahn im Hintergrund.
Für die Branche ist die Kombination aus On-Device-Sprachfilterung, gerichtetem Dual-Speaker-Output und Streaming-Funktionalität ein konkreter Hinweis darauf, wie KI-gestützte Hörhilfe künftig als Plattform gedacht werden könnte. Wenn sich die 10- bis 12-stündige Laufzeit und die Sprachverbesserung im realen Alltag bestätigen, könnten solche Systeme auch bei Unternehmen im Gesundheits- und Retail-Umfeld mehr Aufmerksamkeit erhalten. Gleichzeitig bleibt spannend, wie gut die KI-Filterung in sehr unterschiedlichen Akustikumgebungen generalisiert und wie einfach die Abstimmung für verschiedene Hörprofile ausfällt. Für Nutzer zählt am Ende weniger das Versprechen der Technik als die alltägliche Verständlichkeit – und genau dort wird sich der Markterfolg der Legato Frames entscheiden.
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