EVANSTON / LONDON (IT BOLTWISE) – Das Retail-Inkubator- und Pop-up-Programm „Space to Place“ startet am Wochenende in Evanston und bringt 13 lokale Kleinunternehmen in eine leerstehende Ladenfläche in Bookman’s Alley. Besucher können samstags und sonntags von 11 bis 18 Uhr einkaufen und dabei Angebote vor Ort testen. Nach dem Wochenende bleibt der Markt bis 31. Dezember mittwochs bis sonntags geöffnet. Der Ansatz verbindet Ladenaktivierung mit einem Lernprogramm, das unter anderem bei Lizenzen, Branding und einer eigenen Webpräsenz unterstützt.

Space to Place in Evanston: Pop-up-Programm belebt leere Läden
Space to Place in Evanston: Pop-up-Programm belebt leere Läden (Foto: IT BOLTWISE)
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In Evanston bekommen leerstehende Schaufenster am Wochenende erstmals wieder Leben: Das Programm „Space to Place“ startet als Retail-Inkubator und Pop-up-Markt und nutzt dafür eine der vakanten Flächen in Bookman’s Alley in der 1712 Sherman Ave. Im Fokus stehen dabei ausdrücklich Betriebe, die bisher keine eigene stationäre Verkaufsfläche haben. Organisatorin Claire Seizovic, Retail-Activation-Strategistin und Mitgestalterin des Projekts gemeinsam mit der Stadt Evanston, formuliert das Ziel als schrittweise Aktivierung – zuerst im Zentrum. So wird aus einer starren Leerstandslage ein temporärer Erlebnisraum, der zeigt, wie vielfältige Sortimente in ein Quartier passen können.

Für Kundinnen und Kunden ist der Markt zeitlich klar getaktet. Am Samstag und Sonntag öffnet „Space to Place“ jeweils von 11:00 bis 18:00 Uhr. Ergänzend dazu können Besucher im Umfeld des Marktes Getränke und Kaffee beziehen – etwa von Dandelion Coffee Bar oder Five & Dime. Wichtig ist jedoch: Der Pop-up endet nicht nach zwei Tagen. Laut Programmkonzept können Interessierte nach dem Wochenende weiterhin von 11:00 bis 18:00 Uhr mittwochs bis sonntags einkaufen, und zwar bis zum 31. Dezember. Damit verschiebt sich das Format vom reinen Event hin zu einem verlässlichen Treffpunkt, an dem Laufkundschaft und wiederkehrende Kundschaft über Wochen hinweg zusammenkommen.

Die Auswahl der teilnehmenden Händler ist auf lokal geprägte Produkte ausgerichtet. In dieser ersten Kohorte nehmen 13 Unternehmen teil, die nach Darstellung der Organisatoren Produkte herstellen oder zumindest lokal beziehen – jeweils über einen Eigentümer geführt. Besonders sichtbar wird das über die Geschichten hinter den Angeboten: Ernesto Rodriguez etwa verkauft mit „El Molcajete Sauces“ verschiedene Mole-Varianten und Tomatillosauce. Seine Herleitung beginnt mit einer Familien-Tradition aus Oaxaca, Mexiko: Dort sei Mole nach einem festen Sonntagsschema zubereitet worden, später habe seine Mutter die Rezepte mitgebracht. Nach einem Arbeitsunfall, der mehrere Jahre lang Stillstand bedeutete, habe er die Rezepturen über ein Einmach-/Konservierungskonzept in lagerfähige Produkte überführt. Für den Pop-up heißt das praktisch: Die Marke tritt nicht nur mit Regaldekor an, sondern mit einer Konsumgeschichte, die sich beim Probieren und Erzählen konkretisieren kann.

Auch andere Stände setzen auf das Zusammenspiel aus Handwerk, Design und niedrigschwelliger Alternativkultur. Ashleigh Siegel, Inhaberin der „Dandy Shop“-Aktivitäten, konzentriert sich auf Grußkarten, Papierwaren und verwandte Produkte – mit dem Anspruch, „Thoughtfulness“ und einen langsameren Lebensrhythmus spürbar zu machen. Ihre Biografie schlägt sich in Produktdetails nieder: Nach Illustration- und Design-Erfahrung arbeitete sie in der Vergangenheit unter anderem als Wholesale-Managerin für Stationery Stores. Später habe sie stärker mit Druckereien statt mit vollständig eigener Produktion gearbeitet, um in größere Märkte wie die Renegade Craft Fair zu gelangen. Für „Space to Place“ plant sie rund 130 hand-illustrierte und hand-lettered Kartenmotive, ergänzt durch Lesezeichen, Sticker, Postkarten, Geschenkpapier, Boxed Stationery sowie weitere kleine Büroaccessoires. Das ist für einen Pop-up relevant, weil eine solche Variantenbreite beim Anschauen nicht wie „Massenware“ wirkt, sondern wie ein kuratiertes Sortiment.

Neben dem Verkauf wird das Programm auch als Plattform für weitere Geschäftsmodelle genutzt. Das zeigt sich bei „coofie“ von Alexa Viscius, die seit Februar 2025 in Evanston lebt und zuvor von einer „amazing mom community“ aus dem Umfeld aufgegriffen wurde. Dort entstand die Idee, über Little Gems Kinderkleidung (Adresse 709 Washington St.) eine Vintage-Rack-Option im Store bereitzustellen. Viscius erweitert daraus für den Pop-up einen Stand mit Vintage-Kleidung für Kinder von Neugeborenen bis etwa zwölf Jahren, datiert von den 1950er bis in die 2000er Jahre. Zusätzlich gibt es Vintage-Toys, Elemente für Kinderzimmer wie Deko sowie Bücher und Kostüme. Der Ansatz „circular fashion“ bleibt dabei nicht nur Slogan: Indem Gebrauchsgegenstände und Secondhand-Artikel im selben Marktprozess zirkulieren, entstehen neue Kundenerlebnisse, die gleichzeitig Nachhaltigkeit indirekt mitliefern. Little Gems nutzt den Pop-up außerdem als Startpunkt für „Little Rooms“, ein neues Geschäftsfeld als Interior-Consulting für Kinderzimmer.

Technisch betrachtet ist das Programm vor allem ein orchestriertes Inkubationssystem – nicht in dem Sinne, dass Datenverarbeitung im Vordergrund stünde, sondern weil die Stadt den Zugang zu Fläche, Kompetenzaufbau und finanzieller Logik zusammenbindet. Seizovic begründet die Kohortenauswahl mit einer Umfrage unter den Bewerbern: Viele erwirtschaften weniger als 50.000 US-Dollar Jahresumsatz, wodurch eine reguläre Mietbelastung für einen eigenen Lease oft noch nicht tragfähig ist. Die Stadt schafft deshalb Raum: Für die Fläche in Bookman’s Alley bezuschusst Evanston die Mietkosten mit rund 13.500 US-Dollar. Die Vendor Fees sollen zugleich Bildungs- und Betriebskosten abdecken. Gleichzeitig trägt jedes teilnehmende Unternehmen 10% des Vorsteuerumsatzes an die Stadt ab – dieser Anteil zählt laut Programmrechnung als eigener Mietbeitrag für die Zeit im Inkubator. Ergänzend entscheidet ein internes Auswahlgremium aus Stadtmitarbeitern und Business-Expertise über Eignungskriterien wie finanzielle Vorbereitung, Geschäftsreife und die Bereitschaft, später in einen eigenen stationären Standort zu expandieren; besonders berücksichtigt werden dabei Minderheiten-, Frauen-, LGBTQ- und Veteran-Owned Businesses.

Für die Teilnehmer bedeutet das: Der Pop-up ist zugleich Übungsraum. Wer ausgewählt wurde, bekommt nicht nur einen Stand, sondern muss auch den Curriculum-Teil des Programms durchlaufen. Seizovic beschreibt dessen Inhalte als praktische Schritte von Business-Lizenzen und Genehmigungen über Markenaufbau, Marketingstrategie und Webpräsenz bis hin zu Verhandlungen von Mietverträgen. Genau an diesem Punkt entsteht ein mehrmonatiger Nutzen: Die Marktphase liefert Sichtbarkeit, während das Programm die organisatorischen Voraussetzungen dafür schafft, dass aus Sichtbarkeit eine nachhaltige Kundenbasis werden kann. Für die Stadt und das Quartier ist das Modell vor allem eine Lernkurve: Seizovic sagt, sie hoffe, das multibusiness Modell fortzusetzen und perspektivisch auch einzelne Unternehmen in weitere leerstehende Retail-Flächen einzuordnen. Der Effekt wäre dann nicht nur ein temporäres „besseres Schaufenster“, sondern ein wiederholbarer Weg, Leerstand systematisch in lokale Wertschöpfung zu übersetzen.


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