LONDON (IT BOLTWISE) – Die US-Börsenaufsicht SEC hat neue Regeln vorgeschlagen, die es Investmentberatern und regulierten Fonds erleichtern sollen, Kryptowährungen für Kundinnen und Kunden zu verwahren. Das Vorhaben schafft einen zielgerichteten Rahmen, wie registrierte Berater sowie Investment- und Business-Development-Companies Krypto-Assets in der Verwahrung halten. Die SEC will damit veraltete Verwahranforderungen modernisieren und Hürden abbauen, die bislang die Teilnahme von Beratern an Krypto-bezogenen Angeboten begrenzt haben. Interessierte Marktteilnehmer können nach Veröffentlichung für 60 Tage Stellung nehmen.

Die SEC will den Umgang mit Kryptowährungen in der professionellen Vermögensverwaltung konkreter machen – und zwar nicht über neue Produktkategorien, sondern über die oft unterschätzte Infrastrukturfrage der Verwahrung (Custody). In ihrem angekündigten Regelvorschlag skizziert die Aufsicht ein maßgeschneidertes Regelwerk für die Verwahrung von Krypto-Assets durch registrierte Investmentberater sowie Investment- und Business-Development-Companies. Damit verschiebt sich der Fokus von der reinen Handels- oder Bewertungslogik hin zu der Frage, wer Krypto-Private Keys in welchen Konstellationen kontrolliert und unter welchen regulatorischen Bedingungen Fonds beziehungsweise Berater diese Verantwortung übernehmen.
Technisch betrachtet geht es um die Aktualisierung von Verwahrpflichten, die in den USA seit Jahrzehnten existieren und ursprünglich für klassische Wertpapierformen gedacht waren. Die SEC beschreibt explizit, dass diese Anforderungen nach ihrer Einschätzung nicht mit der schnellen Expansion digitaler Assets Schritt gehalten haben. Im Kern sieht der Vorschlag mehrere Wege der Verwahrung vor: Unter bestimmten Voraussetzungen soll auch Self-Custody möglich sein. Gleichzeitig sollen spezialisierte staatlich regulierte Trust Companies als Verwahrer fungieren können – für Krypto-Assets, die Kunden bzw. regulierte Fonds gehören.
Für den Markt ist entscheidend, dass die SEC die Änderungen nicht nur als „Erlaubnis“ für das Halten von Krypto formuliert, sondern als berechenbaren Pfad für Compliance. Denn die Aufsicht argumentiert, die bisherigen regulatorischen Barrieren hätten die Fähigkeit von Investmentberatern eingeschränkt, Kryptowährungen in ihre angebotenen, krypto-bezogenen Strategien einzubinden. Der Vorschlag zielt damit auf eine praktischere Umsetzung: Wenn die Verwahrkette klarer definiert ist, sinkt für viele Anbieter das Risiko, dass interne Kontroll- und Verwahrprozesse nicht als ausreichend gelten. Genau diese Lücke hatten viele Marktteilnehmer in der Vergangenheit als Investitionshemmnis beschrieben.
Politisch und regulatorisch ordnet sich die Initiative in einen weiteren Erzählstrang ein: Die SEC baut ihre Krypto-Regelwerke unter bestehender Befugnis aus, nachdem ein breiteres Gesetzesvorhaben, der „Clarity Act“, in den USA im September im Senat ins Stocken geraten war. Die neue Initiative ist nach SEC-Angaben als formaler Regelvorschlag angelegt und soll nach Veröffentlichung im Federal Register für 60 Tage öffentlich kommentiert werden. Das ist prozedural relevant, weil sich daraus konkrete Nachschärfungen ergeben können – etwa bei den Detailanforderungen an Verwahrstellen, bei operativen Kontrollmechanismen oder bei den Bedingungen, unter denen Self-Custody als zulässige Option gilt.
Auch die Timing-Frage spielt eine Rolle: Parallel zur regulatorischen Arbeit berichten die Marktbeobachter von einer erneuten Belebung im Kryptosektor. Laut dem beschriebenen Marktbild hat Bitcoin seit seinem Tief im Juli wieder um über 40 % zugelegt, wobei eine verbesserte Risikobereitschaft die Nachfrage nach digitalen Assets anziehen soll. Nach einer längeren Schwächephase vom späten Jahr 2025 bis in die erste Hälfte 2026 wirkt die Bewegung wie ein Testlauf dafür, ob institutionell geprägte Strukturen stärker nachziehen könnten, sobald regulatorische Unsicherheit bei zentralen Prozessbausteinen – wie der Verwahrung – abnimmt.
Für Unternehmen, die Krypto-Exposure in Portfolios oder Beraterstrategien integrieren wollen, bedeutet das vor allem: Die technische Umsetzung muss mit den künftigen Erwartungshaltungen zur Verwahrung zusammenpassen. Wer Self-Custody in Betracht zieht, braucht robuste Prozesse, die Kontrolle, Zugriff und Verantwortlichkeiten lückenlos abbilden. Für Trust-Company-Modelle wiederum wird die Auswahl und Einbindung eines geeigneten Verwahrpartners relevanter, weil die regulatorische Akzeptanz eng an die Ausgestaltung der Verwahrung gekoppelt ist. Insgesamt verschiebt sich damit das Projekt „Krypto-fähig werden“ weiter in Richtung operationaler und sicherheitsarchitektonischer Reife – nicht nur in Richtung Trading-Logik.
Unterm Strich sendet der SEC-Vorschlag ein Signal, dass Krypto im klassischen Investmentgeschäft nicht mehr ausschließlich als Sonderfall behandelt werden soll, sondern als Assetklasse mit definierter Verwahrpraxis. Ob und wie stark Self-Custody tatsächlich in die Breite geht, wird stark von den Kommentaren im öffentlichen Verfahren abhängen. Klar ist aber: Mit einem 60-tägigen Konsultationsfenster entsteht jetzt die Gelegenheit, regulatorische Anforderungen so zu konkretisieren, dass sie in bestehende Beratungs- und Fondsprozesse integrierbar werden – und damit auch der Skalierungspotenzialseite institutioneller Nachfrage mehr Rückenwind geben könnten.
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