WILLOWS, CALIFORNIA / LONDON (IT BOLTWISE) – Ford bringt mit dem Mustang RTR einen neuen Paketansatz in die S650-Baureihe, der sich vor allem auf Optik und Fahrdynamik konzentriert. Das Upgrade ist auto-only und bleibt beim Leistungsversprechen eher vorsichtig, statt extreme Antriebssprünge zu liefern. Entscheidend ist die neue Abstimmung im Zusammenspiel aus größeren Rädern, 3,55 Torsen-Limited-Slip und retuschierter Stabilitäts- und Traktionsregelung. In der Praxis soll der Mustang damit leichter in kontrolliertes Übersteuern kommen – vom Drift-ähnlichen Durchrutschen bis zu flüssigen Streckenpassagen.

Ford hat beim siebten Mustang (S650) zuletzt spürbar auf Segmentierung gesetzt: Neben dem GTD als Halo-Modell fließen Spezial- und Sonderversionen in die Modellpalette, darunter auch Varianten wie Dark Horse SC, Dark Horse ohne Boost, GT und der Einstieg über den EcoBoost. Genau hier greift der neue RTR-Ansatz ein: Nicht als eigenständige Leistungsklasse, sondern als Paket, das den „billigsten Pony Car“-Eindruck für Käufer mit Ambitionen Richtung Stance, Sliden und Track-Feeling abfedern soll. Der Hintergrund wirkt plausibel, denn der Basis-EcoBoost war laut Fahrbericht zwar verfügbar und erschwinglich, bot aber in der Werkskonfiguration bisher kaum etwas, das explizit auf das Thema kontrolliertes Ausbrechen ausgerichtet ist.
Technisch betrachtet nimmt das RTR-Paket eine klare Priorisierung vor. Es gibt größere Räder von 19 x 9,5 Zoll, die mit 255/40 ZR 19 Goodyear Eagle F1 bezogen sind, und hinten kommt ein 3,55-Torsen-Limited-Slip-Differenzial zum Einsatz, das die Traktion zwischen den Hinterrädern besser verteilt. Dazu addiert Ford Komponenten, die eher dem „Handling-Budget“ als dem „Power-Budget“ zugeordnet sind: Rollbalken (Roll Bars), verstellbare Spurstangen-/Camber-Platten und ein Subframe, kombiniert mit einer Retuning-Strategie für Stabilitäts- und Traktionskontrollsysteme. Diese Mischung zielt darauf ab, dass das Auto nicht nur griptechnisch standhält, sondern auch in Situationen, in denen die Last wandert, berechenbarer reagiert.
Im Marktvergleich ist das ein interessanter Schritt, weil das RTR-Paket in gewisser Weise eine Lücke adressiert, die frühere EcoBoost-spezifische High-Performance-Varianten hinterlassen haben. Der frühere High-Performance-Pfad bot laut Quelle mehr Substanz – inklusive zusätzlicher Leistung und der Verfügbarkeit eines Schaltgetriebes. Der RTR geht dagegen bewusst einen anderen Weg: Er ist auto-only und bleibt in der Leistungsfrage zurückhaltend, während Stil und Fahrverhalten nach vorn rücken. Preislich liegt das Paket bei 6.520 Dollar auf die Basis des EcoBoost auf, dessen Grundpreis in der Quelle mit 36.245 Dollar (zzgl. 1.995 Dollar Destination) beziffert wird. Damit bleibt das Upgrade im Rahmen dessen, was viele Einstiegs-Käufer noch akzeptieren, während die Gesamtkosten ansteigen, wenn man die in der Quelle genannten Zusatzoptionen hinzunimmt.
Für die Alltagspraxis ist die Abstimmung rund um das elektronische „Drift“-Thema der Kern. Beim Mustang der siebten Generation existiert bereits ein Electronic Drift Brake, das im Fahrbericht als spielerisch beschrieben wird, aber bislang weniger als „ermutigtes Werkzeug“ verstanden wurde. Beim RTR soll sich das ändern, ohne dass extreme Hardware wie zusätzliche Lenkanschläge oder ein hydraulischer Handbremshebel nachgerüstet wird. Stattdessen öffnet die Crew laut Bericht „das Envelope“ innerhalb des Stabilitätsregelsystems: Das Auto reagiert demnach schneller auf die Eingaben, unterstützt das Ausbrechen mit klein dosierten Bremseingriffen und hält den Fahrer in der Spur, wenn man in engen Grenzen mit Handbremseingriffen, Gas und Lenkrate arbeitet. Genau so entsteht der gewünschte Effekt: Der Heckbereich kann sichtbar ausstellen, bleibt aber kontrollierbar, etwa beim rauchigen Slide um einen markierten Kegel.
Auf einem griporientierteren Setup zeigt sich der zweite Nutzen der Retuning-Strategie. Ford mietet dafür laut Quelle den Thunderhill West an, eine Strecke, die nicht als Hochgeschwindigkeits-Autobahn erzählt wird, sondern als technisch kurvenlastiges Layout. Der RTR ist dort laut Bericht trotz etwa 200 Pfund Mehrgewicht gegenüber dem Basis-EcoBoost noch immer flink genug, um in schnellen, fließenden Passagen engagiert zu wirken. Besonders an der Stelle, an der es Richtung Hairpin geht, wird dem Paket eine klare „Do-it-for-me“-Eigenschaft zugeschrieben: Beim Herausbeschleunigen kickt das Heck leichter an, und der Fahrer kann den Slide dem Fahrgefühl nach vergleichsweise einfach dosieren. Für viele Enthusiasten ist das ein wichtiger Unterschied: Nicht jede „sportliche Optik“ übersetzt sich in Fahrbarkeit, aber hier soll die Regelstrategie genau diesen Sprung schaffen.
Trotzdem bleibt der RTR in einem Spannungsfeld aus Spaß und Kompromiss. Der Bericht endet mit dem Urteil, dass das Paket auf der Strecke wirklich Freude macht, im Skidpad-Fahrstil solide Ergebnisse liefert und auf der Straße wenig opfert. Gleichzeitig kritisiert er, dass Ford es nicht geschafft habe, das Setup noch „edgier“ auszulegen – weder durch weitergehende Performance-Upgrades noch durch eine Rückkehr zu dem, was manche als Teil der Drift-Identität sehen: ein manuelles Getriebe. Auch im Innenraum bleibt die Erwartungskluft bestehen: Obwohl es Optionen wie Recaro-Sitze, MagneRide und farbige Bremssättel gibt, wird der Seriencharakter als weiterhin eher „günstig“ beschrieben. Selbst die technischen Details, etwa der 13,2-Zoll-Touchscreen mit einer neuen Splash-Animation oder eine kleine Plakette am Armaturenbrett, werden im Fahrbericht eher als optische Auffrischung statt als Qualitäts- oder Materialupgrade eingeordnet.
Für Käufer bedeutet das: Der Mustang RTR ist weniger ein Versuch, aus dem EcoBoost ein neues Top-Modell zu machen, sondern eine gezielte Einfärbung der Basisversion. Wer Drift-Fähigkeit und Track-Bereitschaft sucht, bekommt über Räder, Reifen, Torsen-LSD und die retunte Stabilitätslogik spürbar mehr „Anschub“, ohne dass der Leistungshebel überproportional belastet wird. Wer dagegen die Sportlichkeit über mehr Motorleistung und eine klar eigenständige Fahrstrategie definieren will, dürfte sich weiterhin nach weiter oben umsehen. Genau darin liegt die strategische Bedeutung des Pakets: Es senkt die Einstiegshürde in eine Art „Entry-Level Hooligan“-Erlebnis, ohne die Kostenstruktur der Basis zu sprengen, und erweitert damit den Mustang-Ökosystem-Ansatz um eine Variante, die vor allem beim Fahrdynamik-Feeling überzeugen soll.
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