LONDON (IT BOLTWISE) – Peter Brandt stellt XRP kurz vor einem Handelstart an der Nasdaq unter Frage. Er nennt XRP einen „Fool Coin“, weil schnelle Zahlungen seiner Ansicht nach nicht automatisch in Anlegerwert übersetzen. Im Mittelpunkt steht dabei das Argument, dass bei On-Demand-Liquiditätsketten für die Transaktion weniger XRP „on hand“ nötig ist. Gleichzeitig drücken Ripples Escrow-Freigaben und das Umverpacken bereits existierender Coins auf das Angebotssignal.

Weniger als eine Woche vor dem Börsenstart rückt beim XRP-Handel ein altbekanntes Spannungsfeld wieder in den Fokus: Utility durch Zahlungen versus Investmentnutzen für Token-Inhaber. Peter Brandt, ein langjähriger Trader, stellte XRP in diesem Kontext öffentlich als „Fool coin“ infrage – und verknüpfte die Kritik ausdrücklich mit der Frage, ob die Fähigkeit zu schnellen und günstigen Transaktionen tatsächlich Preispotenzial erzeugt. Die zeitliche Nähe zur Ankündigung, dass am 8. Oktober 473 Millionen XRP unter dem Nasdaq-Ticker XRPN beginnen sollen, macht die Diskussion zusätzlich markant: Marktteilnehmer müssen in kurzer Zeit einschätzen, wie viel neues „Kapitalinteresse“ ein Listing wirklich auslöst – und ob dieses Interesse strukturell die Token-Bewertung stützt.
Technisch setzt Brandts Argument an einem Detail an, das in vielen Token-Ökonomien unterschätzt wird: Wie stark hängt die Token-Nachfrage davon ab, wie viel Aktivbestand („Working Balance“) während einer Zahlung tatsächlich gehalten werden muss. Er verweist auf einen Ablauf, bei dem eine Payment-Instanz über On-Demand-Liquidity US-Dollar in XRP umwandelt, die Übertragung über das XRP Ledger durchführt und anschließend wieder in eine andere Währung zurücktauscht. Je schneller und effizienter dieser Prozess abläuft, desto weniger XRP wird im Moment der Übertragung benötigt. Genau daraus leitet Brandt ab, dass die reine Existenz einer Zahlungsfunktion nicht automatisch zu einer dauerhaften Kaufnachfrage führt, die den Kurs trägt.
Aus Marktsicht wird diese Logik besonders dadurch herausfordernd, dass Token-Nutzer und Token-Investoren häufig nicht deckungsgleich sind. Brandt betont, dass XRP-Holder nicht in dem Maße an Gebühren partizipieren, wie es bei manchen anderen Krypto-Ökosystemen der Fall sein kann. Wenn also weder Transaktionsgebühren zuverlässig direkt bei Inhabern landen, noch die Zahlungsabwicklung einen permanenten Bedarf an gehaltenen Beständen erzeugt, verschiebt sich der Bewertungsmechanismus: Der Preis spiegelt dann primär wider, wie viele Marktteilnehmer XRP als Asset halten wollen – weniger, wie häufig es als „Transportmittel“ verwendet wird. Diese Unterscheidung erklärt auch, warum die Diskussion nicht sofort zur Frage „Läuft XRP gut?“ zurückfällt, sondern zur Frage „Welche Nachfrage entsteht dadurch – und wie dauerhaft ist sie?“
Genau hier lohnt der Blick auf den konkreten Börsenkontext. Laut Bericht handelt es sich bei dem geplanten Nasdaq-Instrument um eine Repackaging-Struktur, die bereits existierende XRP-Konzentrationen in ein neues Vehikel überführt, statt frische Käufer oder einen frischen Token-Bestand zu schaffen. Das bedeutet: Ein Listing kann zwar das Zugangsprofil für bestimmte Anlegergruppen verbessern (Stichwort: Handelsmechanik, bestehende Kontenstrukturen, institutionelle Prozesse), aber es garantiert nicht automatisch, dass dafür nennenswerte neue „Spot-Nachfrage“ entsteht. Parallel dazu wird im Bericht auf Ripples Escrow-Freigaben verwiesen, die weiterhin als fortlaufender Angebotsfaktor wirken. In einem Umfeld, in dem Angebot und Nachfrage sehr kurzfristig gegeneinander reagieren, kann allein der Charakter der Emission – Umverpackung statt Zufluss – den Effekt auf den Preis dämpfen.
Wenn man die Performance als Plausibilitätscheck heranzieht, wirkt das nicht nur auf der Ebene der Theorie plausibel. XRP ist laut den genannten Kursständen in einem Jahr um 50% gefallen, während Bitcoin im selben Zeitraum etwa 30% nachgab. Gleichzeitig lag XRP im Juli 2025 bei rund $3,65 und wurde bis zum 2. Oktober auf etwa $1,52 gedrückt. Solche Relationen sind zwar kein Beweis für die Ursache, aber sie geben einen Stresstest für die These: Wenn „Zahlungsnutzung“ kursstützend wirken würde, wäre zumindest ein deutlich widerstandsfähigerer Verlauf gegenüber breiteren Krypto-Bewegungen denkbar. Stattdessen zeigt die Kursentwicklung, dass die Marktpreissignale offenbar stärker von Kapitalflüssen, Erwartungsbildung und Angebotsdynamik geprägt sind.
Bemerkenswert ist dabei, dass Brandt nicht pauschal gegen Krypto argumentiert. Er habe Bitcoin-Ziele in Aussicht gestellt, darunter eine mögliche Entwicklung bis 2029, und auch bei Ethereum und Solana auf steigende Kurse gesetzt. Das macht seine Position gegenüber XRP weniger zu einer generellen Ablehnung und mehr zu einem Spezialfall-Urteil: XRP liege in seiner Argumentationslogik eher auf der Seite, in der Zahlungs-„Utility“ nicht die gleiche Investment-Nachfrage erzeugt. Für Entscheider und Entwickler im Bereich Blockchain und Finanz-Infra ist das auch eine technische Lernerfahrung: Die Wertschöpfungskette hängt oft nicht am „Use Case“ allein, sondern an den Stellen, an denen echte Wertflüsse in ein Token-Ökosystem zurückkoppeln – etwa über Halteanreize, Gebührenverteilung, Mechanismen zur Knappheit oder über die Notwendigkeit, für einen längeren Zeitraum Token vorhalten zu müssen.
Für das weitere Marktgeschehen rund um den 8. Oktober bleibt damit weniger die Frage offen, ob XRP Zahlungen abwickeln kann, sondern wie sich die Angebots- und Nachfragekurve im Handel tatsächlich verschiebt. Wenn das Listing vor allem bestehende XRP-Bestände neu verpackt, ist der unmittelbare Impuls auf der Nachfrageseite begrenzt; dafür können gleichzeitig Escrow-Freigaben das kurzfristige Angebotsbild belasten. Gleichzeitig kann die Börsenzulassung dennoch mittelbar wirken, etwa indem sie neue Zielgruppen erreicht oder Liquidität im Markt erhöht. Ob sich daraus am Ende ein nachhaltiger Preistrend ergibt, hängt dann genau an dem Punkt, den Brandt adressiert: daran, ob Zahlungsnutzung in eine längerfristige Haltenachfrage übersetzt – oder ob sie, technisch betrachtet, eher die Notwendigkeit senkt, XRP überhaupt in größeren Mengen vorzuhalten.
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