LONDON (IT BOLTWISE) – Kurz vor dem Nasdaq-Start eines Vehikels mit 473 Millionen XRP stellt sich die Frage, ob der Zahlungsnutzen von XRP tatsächlich den Kurs treibt. Der erfahrene Trader Peter Brandt hatte XRP zuvor als „Fool Coin“ eingeordnet und argumentiert, dass schnelle und günstige Transaktionen keinen direkten Mehrwert für Anleger garantieren. Während XRP zuletzt mit dem Gesamtmarkt anzog, hinkt es Bitcoin, Ethereum und Solana über verschiedene Zeiträume deutlich hinterher. Das Evernorth-Listing verschiebt den Zugang zu XRP, kann aber allein aus dem Bestand der Coins keine neuen Käufer ableiten.

Der bevorstehende Handel eines großen XRP-Pakets an der Nasdaq rückt eine Debatte in den Vordergrund, die im Krypto-Markt seit Jahren wiederkehrt: Ist „Payment Utility“ ein belastbarer Preistreiber oder bleibt sie vor allem ein Narrative, das Kursbewegungen höchstens mittelbar erklärt? Im Zentrum steht der Schritt von Evernorth, dessen 473 Millionen XRP über die Nasdaq unter dem Ticker XRPN am 8. Oktober gehandelt werden sollen. Genau in dieser Phase lohnt sich der Blick auf die Wertentwicklung, denn der Kurs steht nach einer starken Phase zuletzt wieder unter Druck: Am 2. Oktober lag XRP bei 1,52 US-Dollar, rund 58% unter dem im Juli 2025 markierten Hoch von 3,65 US-Dollar.
Peter Brandt, ein seit Jahren aktiver Marktteilnehmer, stellte XRP dabei erneut in Frage. In seinem Ansatz geht es nicht darum, Zahlungen per XRP Ledger grundsätzlich abzuwerten, sondern um die (Nicht‑)Übertragung von Funktionsfähigkeit auf Anlegerwert. Seine zentrale Kritik: Dass ein Token in Zahlungen schnell und günstig eingesetzt werden kann, heißt nicht automatisch, dass dadurch mehr Kaufnachfrage entsteht oder dass Inhaber systematisch von dieser Nutzung profitieren. Das Argument wird konkret, wenn man sich den Zahlungs-Flow ansieht: Eine Payment-Organisation kann im On-Demand-Liquidity‑Modell zunächst US-Dollar in XRP umwandeln, über das XRP Ledger transferieren und anschließend wieder in eine andere Währung zurücktauschen. Je schneller dieser Prozess abläuft, desto weniger „Working Capital“ in Form von XRP wird typischerweise kurzfristig gebunden.
Entscheidend ist in Brands Logik auch, wer bei Transaktionen ökonomisch „mitgezogen“ wird. Wenn XRP-Inhaber keine Transaktionsgebühren vereinnahmen und die Erlösseite nicht direkt an das Token‑Holding gekoppelt ist, hängt der Kurs stärker davon ab, wie viele Marktteilnehmer XRP als Anlage halten wollen. Damit verschiebt sich die Treiberfrage von „Wie oft wird gesendet?“ auf „Wie attraktiv ist der Besitz?“. Auffällig ist zudem, dass Brandt nicht pauschal gegen Krypto argumentiert: Er hatte für Bitcoin ein Kursziel von 600.000 US-Dollar bis 2029 in Aussicht gestellt und erwartete auch für Ethereum und Solana Aufwärtspotenzial. Die Skepsis trifft bei ihm also selektiv XRP – ein Hinweis darauf, dass in dieser Diskussion nicht die Technologie allein, sondern die ökonomische Kopplung zwischen Nutzung und Token‑Nachfrage im Fokus steht.
Die Kursstatistik liefert dabei zumindest Indizien, die zu Brands These passen. Über die 90 Tage bis zum 1. Oktober stieg XRP um 31%, und im Vergleich zum Vormonat legte es sogar um 10% zu. Gleichzeitig zeigten jedoch Bitcoin (+33%), Ethereum (+53%) und Solana (+43%) im selben Fenster eine stärkere relative Dynamik. Für Anleger wirkt das wie ein Signal, dass XRP‑Moves im Zweifel stärker vom breiteren Markt (Risk‑On/Risk‑Off) getrieben werden als von einer spezifischen Neubewertung der Zahlungsfunktion. Noch deutlicher wird der Vergleich über ein längeres Zeitfenster: In einem Jahr sank XRP um etwa 50%, während Bitcoin um 30% zurückging, Ethereum um 38% und Solana um 47%. Damit bleibt XRP übergreifend das schwächste der vier Assets.
Das hat praktische Konsequenzen für die Wahrnehmung von „Nützlichkeit“: Wer vor rund einem Jahr 1.000 US-Dollar in XRP investiert hatte, kommt heute auf ungefähr 504 US-Dollar. Zum Vergleich: Bei derselben Ausgangsbasis lägen Bitcoin bei etwa 703 US-Dollar. Viele XRP‑Investoren, die bei Kursen über 2,75 US-Dollar eingestiegen waren, warten damit weiterhin auf eine klare Rückkehr in frühere Bewertungszonen. Das verleiht dem Narrativ „Zahlungsutility kommt zuerst, Kurs folgt später“ zwar eine gewisse Plausibilität, zugleich aber fehlt bislang der messbare Nachweis, dass genau diese Nutzung bereits zu einer spürbaren Outperformance gegenüber den direkten Vergleichsgrößen führt.
Mit Evernorth kommt nun ein weiterer Mechanismus ins Spiel, der eher Zugang und Liquidität erleichtert als Nachfrage zwingend neu erzeugt. Die Aktionäre der Armada Acquisition Corp. II hatten die Fusion mit Evernorth am 30. September gebilligt; der Abschluss wird für den 7. Oktober erwartet. Bei dem aktuellen XRP‑Preis von 1,52 US-Dollar ergibt sich für die 473 Millionen XRP eine Bewertung von rund 719 Millionen US-Dollar. Wichtig ist jedoch die Interpretation: Evernorth besitzt die Coins bereits. Die Nasdaq‑Notierung bündelt sie also in einem handelbaren Vehikel und schafft für traditionelle Marktteilnehmer vermutlich einen bequemeren Weg zur Exponierung – ein „neuer Käuferblock“ entsteht dadurch aber nur, wenn nach dem Listing tatsächlich zusätzliche Mittel zufließen und Evernorth mehr XRP hält als zuvor.
Genau deshalb hängt die kurzfristige Erwartung weniger an der reinen Existenz des Zahlungsnetzwerks, sondern an der Frage, welche Veränderungen sich nach dem 8. Oktober in den Beständen zeigen. Wenn Evernorth nach dem Start über 473 Millionen XRP hinausgeht und dies mit frischem Kapital finanziert, könnte das indirekt für eine Ausweitung der Nachfrage sprechen. Auch Kursmarken im Chart könnten hier als grobe Indikatoren dienen: Im Text wird erwähnt, dass ein Überschreiten von 1,66 US-Dollar – dem Peak vom 23. September – Käuferaktivität über den bisherigen Rally‑Punkt hinaus nahelegen würde. Bis dahin bleibt Brands Kernthese im Raum: Solange die Token‑Ökonomie nicht klar zeigt, dass Payment‑Aktivität zuverlässig in nachhaltige Token‑Nachfrage übersetzt, erscheint „Utility“ am Markt weniger als unmittelbarer Kursanker.
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