BONN / LONDON (IT BOLTWISE) – Drei weitere Universitäten in Freiburg, Jena und Köln können künftig den Titel „Exzellenzuniversität“ führen. Zusätzlich sind mehrere Hochschulen als Verbund neu in der Förderung: darunter Darmstadt, Mainz und Frankfurt am Main sowie die TU Dortmund und die Uni Bochum. Für Einzeluniversitäten bedeutet der Status bis zu 15 Millionen Euro jährlich, bei Verbünden können es bis zu 28 Millionen Euro sein. Die Entscheidung fällt im Rahmen der Exzellenzstrategie, deren Titel turnusmäßig alle sieben Jahre überprüft werden.

In Deutschland wächst der Wettbewerb um den akademischen Status „Exzellenzuniversität“ weiter, und mit ihm steigt die Bedeutung der Förderlogik, die Bund und Länder seit Jahren gemeinsam steuern. In Bonn haben Bundesforschungsministerin Dorothee Bär und der niedersächsische Wissenschaftsminister Falko Mohrs als stellvertretender Vorsitzender der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (GWK) die nächsten Hochschulen genannt, die den Titel künftig tragen dürfen. Konkret geht es um die Universitäten in Freiburg, Jena und Köln, die damit nach ihrer Bewertung in die Spitzengruppe der Exzellenzförderung aufrücken. Auffällig ist dabei nicht nur die Zahl der neuen Einzelakteure, sondern auch, dass die Exzellenzstrategie weiterhin stark auf Kooperationen setzt.
Die neuen Förderrouten zeigen, wie flexibel die Governance der Exzellenzinitiative inzwischen ausgestaltet ist. Neben den drei genannten Einzeluniversitäten treten auch Verbünde erstmals beziehungsweise neu in die Förderung ein: Die Rhein-Main-Universitäten mit Standorten in Darmstadt, Mainz und Frankfurt am Main kommen hinzu. Gleiches gilt für die TU Dortmund und die Uni Bochum, die im Kontext des „Ruhr Innovation Lab“ als Verbund organisiert sind. Der Titel ist in diesem Modell nicht nur eine Auszeichnung, sondern koppelt sich direkt an Geld: Für Einzeluniversitäten sind bis zu 15 Millionen Euro Förderung pro Jahr vorgesehen, bei Verbünden sogar bis zu 28 Millionen Euro. Genau diese Staffelung macht den Unterschied zwischen einer isolierten Struktur und einem koordinierten, institutionell vernetzten Ansatz sichtbar.
Technisch betrachtet ist der Mechanismus dabei weniger eine „einmalige Preisverleihung“, sondern ein wiederkehrender Förder- und Nachweiszyklus. Der Exzellenz-Titel wird laut den Rahmenbedingungen alle sieben Jahre überprüft, und Hochschulen müssen dabei ihre Fördervoraussetzungen erneut erfüllen. Diese Periodisierung wirkt wie ein Qualitätsdruck, der nicht nur den Forschungsoutput bewertet, sondern auch die Fähigkeit, Programme nachhaltig zu organisieren. Gerade für Universitäten bedeutet das: Mittel müssen so geplant werden, dass sie nicht nur kurzfristige Erfolge liefern, sondern Strukturen schaffen, die auch in der nächsten Evaluationsrunde Bestand haben. So wird aus Exzellenz ein Prozessmanagement-Thema – mit der Konsequenz, dass Governance, Personalentwicklung und Forschungsinfrastruktur strategisch zusammenlaufen müssen.
Der Blick auf den Gesamtbestand unterstreicht, wie selektiv die Exzellenzförderung bereits heute ist. Nach der Darstellung werden neun Hochschulen und ein Universitätsverbund bereits als Exzellenzuniversitäten extra gefördert, darunter Aachen, Bonn, Dresden, Hamburg, Heidelberg, Karlsruhe und Tübingen. München ist gleich doppelt vertreten, wobei sowohl die TU als auch die LMU genannt werden, zusätzlich kommt ein Verbund der drei Berliner Universitäten FU, HU und TU hinzu. Dass diese Förderung nicht dauerhaft „eingefroren“ wird, sondern im Frühjahr für weitere sieben Jahre verlängert worden ist, zeigt: Exzellenz ist an erneute Legitimation gebunden. Damit adressiert die Exzellenzstrategie zugleich die historische Kritik, Universitätsprofile könnten sich ohne externen Takt anpassen; der Turnus sorgt für eine regelmäßige Neujustierung.
Für die Cluster-Förderung im Rahmen der Exzellenzstrategie gilt ein ergänzender, in der Praxis oft entscheidender Ansatz: Hier geht es um spezielle Forschungsprojekte an einzelnen Hochschulen oder gemeinsam über mehrere Einrichtungen. Im vergangenen Jahr wurden Projekte an 43 Universitäten in 13 Bundesländern für diese Clusterförderung ausgewählt. Diese Zahl macht deutlich, dass die Exzellenzstrategie nicht ausschließlich über den „Titel“ wirkt, sondern ein Portfolio an thematischen Schwerpunkten unterstützt. Gleichzeitig ist die Logik der Verknüpfung entscheidend: Wer eine bestimmte Anzahl an Clustern vorweisen kann, erhöht die Chancen, später selbst als Exzellenzuniversität anerkannt zu werden. Damit entsteht ein mehrstufiger Pfad von konkreten Forschungsclustern hin zu einer institutionellen Spitzenposition.
Auch die Größenordnung der Gesamtförderung liefert eine klare Einordnung. Bund und Länder stellen jährlich 687 Millionen Euro im Rahmen der Exzellenzstrategie zur Verfügung. Nach den Angaben kommen 75 Prozent jeweils vom Bund und 25 Prozent vom jeweiligen Land, in dem die Einrichtung ihren Sitz hat. Diese Aufteilung prägt die politische Prioritätensetzung, denn sie spiegelt das gemeinsame Interesse wider, die internationale Sichtbarkeit deutscher Forschung zu stärken. Die Exzellenzwettbewerbe wurden laut den Ausführungen vor Jahren unter anderem gestartet, um den internationalen Ruf und das Image der deutschen Einrichtungen aufzupolieren. Gleichzeitig wird durch den Titelmechanismus ein Trend verstärkt, der in der Wissenschaftsorganisation ohnehin stark ist: Netzwerke, gemeinsame Labore und interdisziplinäre Programme werden nicht nur begrüßt, sondern strukturell belohnt.
Für Universitäten und ihre strategischen Einheiten ergibt sich daraus eine konkrete Planungsaufgabe. Die Spanne reicht von der Frage, wie Verbundstrukturen rechtlich und organisatorisch sauber aufgesetzt sind, bis hin zu der Umsetzung von Forschungsprogrammen, die in den nächsten sieben Jahren überprüfungsfähig bleiben. Für IT- und Datenverantwortliche spielt außerdem die Operationalisierung von Evaluationsfähigkeit eine wachsende Rolle: Förderfähigkeit hängt zunehmend daran, dass Forschungsleistungen, Infrastrukturinvestitionen und Projektfortschritte transparent und nachvollziehbar dokumentiert werden können. In diesem Kontext kann auch KI unterstützen, indem sie etwa bei der Auswertung von Publikations- und Forschungsdaten hilft – allerdings bleibt die eigentliche Bewertung methodisch an die von den Hochschulen vorgelegten Nachweise gebunden. Unterm Strich dürfte die neue Runde vor allem eins bewirken: Die Hochschulen in den genannten Regionen müssen ihre Exzellenzstrategie so ausrichten, dass sie nicht nur heute überzeugt, sondern auch im nächsten Evaluationszeitfenster wieder standhält.
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