KÜNZELSAU / LONDON (IT BOLTWISE) – Julius Bauke und Tobias Trick überzeugen die Jury von Hohenlohe4Talents mit ihrer Start-up-Idee im Garten- und Landschaftsbau. Weil die beiden erst 18 und 16 Jahre alt sind, schaffen die Veranstalter spontan ein Nachwuchsstipendium. Neben dem Galabau zeigt die Runde auch digitale Ansätze wie eine Handy-App für Menschen mit bipolaren Störungen. Damit rücken besonders frühe Gründungen und praktische Umsetzung ins Zentrum der Förderung.

Die diesjährige Runde von Hohenlohe4Talents hat weniger mit klassischen Pitch-Versprechen zu tun als mit einer klaren, handfesten Umsetzungsidee: Julius Bauke (18) und Tobias Trick (16) betreiben bereits gemeinsam ein Garten- und Landschaftsbau-Vorhaben und demonstrieren, dass eine junge Gründergruppe auch ohne große Vorlaufzeit sichtbare Leistungen auf die Fläche bringt. Die Jury war dabei so überzeugt, dass in der Förderrunde erstmals ein Nachwuchsstipendium zusätzlich ausgerufen wurde. Für Außenstehende ist das vor allem deshalb bemerkenswert, weil es ein Wettbewerbsformat nicht nur um Bewertung, sondern um unmittelbare Programm-Entscheidung erweitert.
Technisch betrachtet beginnt ihre Idee nicht beim Marketing, sondern bei der Organisation von Arbeit: Rasen mähen, Hecken schneiden, Terrassen säubern. Die Werkzeuge passen in ein Auto, das Julius Bauke selbst fährt, und die Kundenlogik ist dabei klar beschrieben. Die Auftraggeber sind entweder zeitlich stark eingebunden oder körperlich nicht mehr in der Lage, ihre Gartenflächen zuverlässig zu pflegen. Interessant ist an dieser Stelle, dass sich das Geschäftsmodell als Service mit kurzen Leistungsschleifen und direktem Feedback aufbauen lässt – ein Modell, das für junge Gründer weniger Kapitalbedarf erzeugt als eine stark produktgetriebene Hardware- oder Plattformentwicklung.
Hinter der Motivation steckt aber ebenso eine Lernkurve, die schon vor der eigentlichen Gründung sichtbar war. Nach der Darstellung der beiden entstand der finanzielle Grundstock über den Verkauf von Süßigkeiten auf dem Pferdemarkt, wodurch sie später überhaupt in der Lage waren, den Galabau anzustoßen. Tobias Trick bringt zudem eine konkrete handwerkliche Referenz mit: In der Kinderspielstadt Öhringen hat er das große London Eye aus Holz nachgebaut. Solche Erfahrungen wirken in der Praxis oft wie ein „Proof of Competence“ für Kunden und reduzieren die Hürde, Aufgaben an neue Anbieter zu vergeben.
Am Campus der Reinhold-Würth-Hochschule Künzelsau führten Ralf Eisenbeiß (Hohenlohe plus, das Bündnis der fünf großen Städte der Region) und Thorben Heinrichs (hfcon) durch die Veranstaltung. Bereits seit 2021 wurden nach den Angaben im Umfeld von Hohenlohe4Talents 13 Start-ups in der Region unterstützt; vier weitere befinden sich aktuell mitten im Stipendium. Die Fördersumme von knapp 200.000 Euro ist dabei nicht als reines Fördergeld zu verstehen, sondern als Hebel: Unterstützte Gründer sollen laut Programm die Region mit Impulsen versorgen, also Wachstum, Arbeitsplätze und Folgeaktivitäten anstoßen. Wie das aussehen kann, zeigen unter anderem ehemalige Geförderte wie Christian Baumann mit seinem Unternehmen Packpart: Er hat es zwischenzeitlich an einen Investor verkauft und steigt zusätzlich im Familienunternehmen seiner Frau ein.
Für die Technologie-Seite der Runde liefert nicht nur der klassische Handwerksbezug Input, sondern auch die erwähnten digitalen Gründungsansätze. Im selben Auswahlverfahren geht das Stipendium an Julina Lee, die eine Handy-App für Menschen mit bipolaren Störungen entwickelt hat, um Unterstützung im Alltag zu bieten. Dass sie an der Heilbronner Programmierschule School 42 studiert und zusätzlich ein Buch mit dem Titel „Bipolaras Gläsernprüfung“ veröffentlicht hat, zeigt eine für viele Startups typische Verknüpfung aus Softwareentwicklung, Produktkommunikation und Fachpublikation. Dazu passt der Hinweis aus dem Bericht, dass nicht nur neue Gründer präsentieren, sondern auch bereits geförderte Gründer von ihren Erfahrungen berichten.
Die Juryarbeit erzeugt dabei offenbar auch ein breites thematisches Spektrum: Die Auswahl fiel in diesem Jahr laut Ralf Eisenbeiß „sehr schwer“, weil mehrere Gründer auf der Prioritätenliste der Juroren standen. Ausgewählt wurde unter anderem Vera Stark aus Crailsheim als Interieurdesignerin; mit ihrem Partner, der Basketball-Jugendtrainer bei den Merlins ist, will sie eine Mischung aus Keramik, Handel, Events und Workshops schaffen und diese mit einer Gastronomiefläche kombinieren. Das zweite Stipendium geht an Julina Lee, das dritte an Opa Valentin, ein Gastrokonzept, das Kirill Onezhskiy umsetzen will und bei dem Teigtaschen nach slawischen, kaukasischen und zentralasiatischen Rezepten im Mittelpunkt stehen. Solche Querverbindungen zwischen Kultur, Service, Ernährung und digitalem Alltagserleben zeigen: Förderung ist hier nicht auf eine einzelne Branche fixiert.
Was Julius Bauke und Tobias Trick in den nächsten fünf Jahren erreichen wollen, klingt bewusst unternehmerisch statt jugendlich verträumt. Sie planen, kontinuierlich zu wachsen und als „namhaftes und bekanntes Unternehmen“ in Hohenlohe wahrgenommen zu werden. Konkret wollen sie ihr Angebot vom Garten- und Landschaftsbau bis hin zu Naturteich- und Poolbau erweitern. Genau an dieser Stelle wird auch die Bedeutung des neuen Nachwuchsstipendiums sichtbar: Es schafft einen strukturierten Rahmen für frühe Gründungsentscheidungen, bei denen Zeitmangel, Wissenslücken und Umsetzungsdruck besonders stark auf junge Teams wirken. Für regionale Akteure ist das zugleich ein Signal, dass Förderung nicht erst dann beginnt, wenn aus einer Idee ein ausgereiftes Produktportfolio geworden ist, sondern dass Reife auch in praktischer Ausführung entstehen kann.
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