LONDON (IT BOLTWISE) – Der PMI für die Produktion im Euroraum ist im September in der zweiten Veröffentlichung auf 53,1 gestiegen, nach 52,0 im August. Der Dienstleistungs-PMI kletterte auf 53,0 und bestätigt damit die bereits in der ersten Veröffentlichung gemeldete Richtung. Laut S&P Global zogen sowohl Industrieproduktion als auch Services-Geschäft am Ende des dritten Quartals spürbar an. Gleichzeitig nimmt der Preisdruck wieder zu, während die Stimmung zwar positiv bleibt, aber im historischen Vergleich gedämpft wirkt.

Euroraum-PMI im September: Produktion zieht an, Preise drücken erneut
Euroraum-PMI im September: Produktion zieht an, Preise drücken erneut (Foto: IT BOLTWISE)
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Im Euroraum hat sich das Wachstumstempo zum Ende des dritten Quartals spürbar belebt – zumindest wenn man auf Einkaufsmanagerdaten statt auf harte Konjunkturstatistiken schaut. In der zweiten Veröffentlichung legte der von S&P Global erhobene Einkaufsmanagerindex (PMI) für die Produktion im verarbeitenden und nicht-verarbeitenden Gewerbe im September auf 53,1 zu, nach 52,0 im August. Das ist zugleich ein 41-Monats-Hoch. Auffällig: Die zweite Veröffentlichung bestätigt exakt das Niveau der ersten Meldung – 53,1 Punkte – was Analysten in der Regel als Signal werten, dass es bei der Datenqualität und der Erhebungslage keine nachträglichen Verschiebungen gab.

Auch die Aufspaltung nach Sektoren liefert ein konsistentes Bild. Der Dienstleistungs-PMI stieg im September auf 53,0, nachdem im August 51,6 gemeldet worden war. In der ersten Veröffentlichung hatte S&P Global ebenfalls 53,0 Punkte genannt. Damit bleibt die Dienstleistungsseite nicht nur im positiven Bereich, sondern erweitert das Wachstumstempo gegenüber dem Vormonat. Der verarbeitende und nicht-verarbeitende Teil profitiert damit nicht von einem reinen „Effekt aus dem Servicesektor“, sondern wirkt breit getrieben – ein Punkt, der für Unternehmen vor allem bei Planungsannahmen zur Auslastung und Kapazitätsbemessung relevant ist.

Auf Länderebene zeigt die aktuelle PMI-Messung, warum die Branche von „gleichzeitigem Aufwärtstrend“ spricht: Erstmals seit November gingen laut Umfrageergebnissen alle fünf erfassten Eurozone-Länder wieder gemeinsam nach oben. Spanien sticht dabei erneut als Spitzenreiter hervor, gefolgt von Irland. Deutschland gewann derweil weiter an Fahrt und erreichte Werte, die zu den stärksten seit Anfang 2022 zählen. Italien und Frankreich meldeten währenddessen moderate Zuwächse. Für operative Entscheider ist das nicht nur eine Statistikfrage: Wenn mehrere Volkswirtschaften parallel zulegen, sinkt tendenziell das Risiko, dass Nachfrageausfälle in einem Land durch schwächere Konsum- oder Investitionszyklen in einem anderen Bereich „kompensationsbedingt“ verborgen bleiben.

Der Blick auf die Treiber geht über die reine Indexzahl hinaus: Sowohl das Produktionswachstum in der Industrie als auch die Geschäftstätigkeit im Servicesektor legten zum Ende des dritten Quartals zu. Besonders stark fällt laut Bericht das Auftragsplus ins Gewicht – es schloss ein vollständiges Quartal mit steigenden Neuaufträgen ab und markierte das höchste Plus seit 41 Monaten. Dazu habe auch das Exportgeschäft deutlich stärker beigetragen als seit über viereinhalb Jahren nicht mehr. Dass sich die Liefer- und Nachfrageseite zugleich verbessert, erhöht in der Regel die Wahrscheinlichkeit, dass Unternehmen nicht nur kurzfristig reagieren, sondern Bestellungen in Planungssicherheit umsetzen. Gleichzeitig gilt jedoch: Bei den Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist blieb der Ton zwar positiv, der Optimismus war im historischen Vergleich gedämpft.

Genau an dieser Stelle wird die Gemengelage sichtbar, die in vielen Unternehmen aktuell für „Umsatzwachstum bei gleichzeitig höherem Preisdruck“ steht. Im Servicesektor sanken die Erwartungen leicht, während sie sich im verarbeitenden Gewerbe auf ein Sieben-Monatshoch verbesserten. Entscheidend ist zudem der wieder zunehmende Preisdruck im September: Der Bericht verweist auf einen stärkeren Anstieg der Ein- und Verkaufspreise. Zwar fielen beide Steigerungsraten niedriger aus als zu ihren jüngsten Hochs im Mai, doch die Richtung zeigt wieder nach oben. Für die betriebliche Steuerung bedeutet das: Preissetzungsmacht und Kostenentwicklung müssen eng zusammengeführt werden, damit Margen nicht durch Verzögerungseffekte im Einkauf oder durch nachlaufende Löhne und Vorleistungspreise „weggekaut“ werden.

Für den Marktkontext lässt sich daraus eine klare Lesart ableiten: Der PMI liefert aktuell eine Bestätigung für eine breitere konjunkturelle Erholung, aber er signalisiert zugleich, dass die Inflationsdynamik nicht einfach „durchgelaufen“ ist. Unternehmen, die Investitionen planen, bekommen damit zwar Rückenwind über Nachfrage und Bestellungen, müssen aber gleichzeitig Szenarien für höhere Preis- und Kostenverläufe einpreisen. Gerade im Exportgeschäft – das im Bericht als deutlich verbessert hervorgehoben wird – kann das Auswirkungen auf Absicherungsstrategien, Working-Capital-Planung und Preisgleitklauseln haben. Wenn die Aussichten zwar positiv, aber historisch gedämpft bleiben, ist die wahrscheinlichste Konsequenz nicht eine hektische Wachstumswette, sondern eher eine stärkere Fokussierung auf belastbare Auftragspipelines und eine disziplinierte Kostensteuerung.


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