LONDON (IT BOLTWISE) – In der fünften Folge der 20. Staffel standen sechs Startups mit 740.000 Euro Gesamtforderung auf dem Prüfstand. Besonders auffällig: HEIONTEC will 250.000 Euro für nur 2,5 Prozent und setzt auf Strom aus Umgebungwärme als Bauteil für Sensorhersteller. Im Battle lieferten sich whiffy und POP CHARMS ein Duell, das Frank Thelen als Schiedsrichter entschied. Während Don Quiff und PEANUT von Levantto Deals mit Löwen sichern, gehen whiffy und POP CHARMS am Ende ohne Angebot aus.

Die fünfte Folge der 20. Staffel von „Die Höhle der Löwen“ lief am Montag, 5. Oktober 2026, von 20:15 bis 23:05 Uhr bei VOX; bei RTL+ Premium war die Episode bereits ab dem 28. September verfügbar. Sechs Startups stellten insgesamt 740.000 Euro zur Diskussion. Damit wird in dieser Runde besonders deutlich, wie stark sich die Vorstellungen über Bewertung und Kapitalbedarf zwischen Deep-Tech, Konsumprodukten und Accessoires unterscheiden können – und warum die Jury am Montagabend nicht nur Produkte, sondern auch Logik und Skalierbarkeit gegenprüft.
Technisch betrachtet sticht HEIONTEC aus Siblin heraus, weil das Team nur 2,5 Prozent Anteile für 250.000 Euro einfordert. Die Kernaussage: Eine Zelle gewinnt elektrische Energie aus der Wärme der Umgebung, ohne dass nach Darstellung des Unternehmens ein Temperaturgefälle zwischen zwei Seiten nötig sei. Ebenfalls wichtig ist der vermarktete Einsatzzweck: HEIONTEC verkauft die Zelle nicht an Endkunden, sondern als Bauteil an Hersteller von Sensorsystemen. Genannt werden als Zielmärkte Gebäudeautomation, Zustandsüberwachung von Maschinen sowie die Fernauslesung von Zählern. Genau dort wird die wirtschaftliche Logik greifbar, weil bei Tausenden Sensoren nicht der Sensorpreis allein zählt, sondern der Aufwand für Wartung – etwa, wenn Batterien in regelmäßigen Abständen gewechselt werden müssen.
Daneben zeigt die Folge, wie schnell sich das Publikum an Produktformen gewöhnt, die wenig erklärungsbedürftig wirken. whiffy aus Berlin liefert Duftkapseln, die auf der Rückseite eines Smartphones Platz finden: Das System besteht aus einer flachen Halterung, die am Gerät bleibt, und einer austauschbaren Kapsel. Die Idee ist dabei bewusst funktional; der Duft soll leise bleiben und vor allem für die Person gedacht sein, die das Telefon in der Hand hält. Der Shop trennt FEEL mit naturreinen ätherischen Ölen und FUN mit Aromen wie Wassermelone, Kirsche oder Schokolade. Im Pitch forderte das Team 100.000 Euro für 15 Prozent – rechnerisch eine Bewertung von rund 667.000 Euro –, während POP CHARMS als Gegenspieler im Battle ebenfalls ein modulares, preislich niedrig startendes Setup mitbringt, das eher Dekoration als Schutz verspricht.
Im Battle prallten damit zwei unterschiedliche Konsumwelten aufeinander: POP CHARMS aus Frankfurt am Main verkauft kleine Figuren, Buchstaben und Symbole, die sich an eine passende Handyhülle clippen lassen. Kerstin Raibold beschreibt das Sortiment als System aus Hülle mit vorbereiteten Aufnahmen, Anhängern und optional einer geflochtenen Kordel. In den Preisbereichen rangiert der Einstieg für einzelne Anhänger um 4,90 Euro, während Basen und komplette Sets entsprechend höher liegen. Für das Unternehmen war die Forderung mit 70.000 Euro bei 20 Prozent zwar die niedrigere Summe als bei whiffy, aber nicht der entscheidende Faktor: Frank Thelen übernahm im direkten Duell die Rolle des Schiedsrichters, weil sich die anderen vier Investoren in zwei Lager verteilten. Am Ende gewann zwar POP CHARMS das Battle, doch entscheidend für Gründerinnen und Gründer ist im Format der Schritt vom „Ja, im Vergleich bist du besser“ hin zum Angebot – und der blieb in diesem Fall aus.
Auch die weiteren Konsum-Pitches machten deutlich, wie stark die Jury auf Verwendbarkeit, Nachweisbarkeit und Marge schaut. Zenny aus Oberhausen tritt mit Ohr-Akupressur zur Selbstanwendung an und positioniert das Set als Kit aus winzigen vergoldeten Kügelchen auf hautfreundlichen Pflastern, die ohne Nadeln bestimmte Punkte der Ohrmuschel stimulieren sollen. Laut Herstellerangabe haften die Pflaster drei bis fünf Tage, sogar beim Duschen und beim Sport. Die Anleitung wird dabei zum zentralen Baustein: Statt nach Krankheiten werden Ohrkarten nach Alltagslagen sortiert, wobei jede Karte mehrere Punkte in fester Reihenfolge nennt. Gefordert wurden 100.000 Euro für 10 Prozent, was die höchste Bewertung im Bereich der fünf Konsumprodukte der Abendrunde ergab: rund eine Million Euro. Don Quiff wiederum setzte auf klassischere Produktlogik: Haarwachs mit Coffein, verkauft als Energy Wax mit 80 Millilitern für 24,90 Euro. Der Pitch argumentierte mit dem Zeitprofil – Coffein-Shampoo werde ausgespült, Wachs bleibe den ganzen Tag im Haar – und verwies auf ein Friseur-nahes Know-how.
Den zweiten Deal der Folge sicherte schließlich PEANUT von Levantto aus Berlin, das laut Beschreibung eine Babytragetasche für die Seitenlage anbietet und dabei einen herausnehmbaren Einsatz nutzt. Im Mittelpunkt stehen zwei Versprechen: Babys sollen sich in der Seitenlage schneller beruhigen, und der Hinterkopf wird entlastet, um Abflachungen bei dauerhafter Rückenlage zu reduzieren. Das Produkt kombiniert eine Liegefläche mit hohen Seitenwänden; gemessen werden außen 70 mal 32 Zentimeter, das Gewicht wird mit 1,2 Kilogramm angegeben, als Norm nennt das Unternehmen DIN EN 1466:2023. Beim Kapital verlangte das Ehepaar Dr. Katharina Schroth und Caspar Schroth 100.000 Euro für 20 Prozent, am Ende akzeptierte Janna Ensthaler jedoch 100.000 Euro für 25 Prozent. Für HEIONTEC und Zenny gab es zum Zeitpunkt der Aktualisierung noch keine belegte Abschlussmeldung; die Redaktion trägt die Ergebnisse nach. Damit bleibt als Fazit vor allem: Die Folge zeigt eine klare Marktlinie – Deep-Tech wird über technische Plausibilität und Wartungslogik abgewogen, Konsumprodukte über Anwendungsklarheit, Differenzierung und ob die Investoren wirklich vom Skalierungsweg überzeugt sind.
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