SAN FRANCISCO / LONDON (IT BOLTWISE) – Alena Beliauskaya macht aus Outdoor-Ausflügen in der Bay Area eine Community für Startup-Gründer. Aus anfänglich kostenlosen Hikes und späteren bezahlten Events entstehen monatlich über 10.000 US-Dollar Umsatz. Das Modell kombiniert persönliche Erlebnisse in der Natur mit Mitgliedschaften, einem Slack-Netzwerk und gesponserten Formaten. So entsteht ein Side-Hustle, der gleichzeitig den persönlichen Spaß erhalten soll und trotzdem planbar wächst.

In San Francisco wirkt die Startup-Szene auf den ersten Blick wie ein Dauer-Event: Überall Gründer, überall Pitch-Gespräche. Genau dieses Muster beschreibt Alena Beliauskaya als Auslöser für ihren Richtungswechsel. Als sie im März 2025 für ihren Job in die Stadt zog, suchte sie zunächst Anschluss über klassische Founder-Events, merkte aber schnell, dass der Austausch oft stark transaktional blieb. Die immer gleiche Leitfrage – welches Ziel man beim Event verfolgt – brachte sie dazu, eigene Treffen zu organisieren: nicht mit Agenda, sondern mit gemeinsam gelebter Zeit in der Natur.
Technisch betrachtet ist an dem Ansatz weniger die „Plattform“ als das wiederkehrende Format, das Verhalten steuert. Beliauskaya kombiniert ihre Rolle als Product-Management-Direktorin (sie arbeitet dabei teilzeit beim KI-Narrative-Gaming) mit einem festen Cadence: nahezu jeden Samstag geht sie mit der Gruppe raus, zusätzlich organisiert sie werktags mehrere Stunden. Der gemeinsame Tag ersetzt dabei die formale Netzwerkroutine. Statt Kontakte über LinkedIn anzubahnen, lernen die Mitglieder einander kennen, indem sie acht Stunden auf einem Trail unterwegs sind oder gemeinsam das Fahren auf einem Motorrad üben. Der Kern ist also nicht, dass man „zusammenkommt“, sondern dass man denselben Kontext erlebt – und dadurch Gesprächsanlässe entstehen, die nicht bei jeder Unterhaltung wieder von vorn beginnen.
Das Monetarisierungsmodell folgt dieser Logik konsequent. Sie startete zunächst mit einer kostenlosen Gruppe, weil Wandern sich ohne große Kosten organisieren lässt. Sobald jedoch weitere Aktivitäten dazukamen – besonders Dirt-Biking – wurden Vorleistungen nötig, die sie anfangs selbst bezahlte und später von den Teilnehmenden erstatten ließ. Erst als sich ab „Frühjahr“ immer häufiger der Wunsch der Mitglieder zeigte, es solle stärker monetarisiert werden, führte sie ab „Anfang des Sommers“ Membership-Stufen ein. Heute gibt es nach ihrer Beschreibung rund 600 Gründer in der Community, zusätzlich etwa 20 bezahlte Mitglieder in einem Slack-Netzwerk. Entscheidend ist dabei die Zielgruppenschärfe: Mitglied werden soll nur, wer mit seiner Startup-Idee mindestens im frühen Stadium (Seed sowie Series A oder Series B) ist und in der Bay Area lebt, da die Formate vor Ort stattfinden.
Die Preisstruktur setzt auf klar unterscheidbare Rollen innerhalb der Community. Die „General Membership“ kostet 99 US-Dollar pro Monat und umfasst unter anderem events nur für Mitglieder, priorisierten Zugang, personalisierte Introductions zu Gründern und Investoren sowie Zugriff auf die private Member-Plattform und den Slack-Bereich. Daneben gibt es eine „Core Membership“ für 3.000 US-Dollar pro Jahr, die bei ihr als volle Mitgliedschaft beschrieben wird; Core-Mitglieder sollen zudem direkt mit ihr daran arbeiten können, in welche Richtung sich die Community weiterentwickelt. Ergänzend dazu kommt eine zweite Einnahmeschiene: Sponsoring durch Marken, die mehrere Events unterstützen. Als konkretes Beispiel nennt sie eine Partnerschaft mit Red Bull und beschreibt bezahlte Experiences wie Hard Hikes, Overnight-Camps, Dirt-Biking, Go-Karting, Pickleball, Pokerabende und Roundtables.
Wichtig ist auch die Erwartungshaltung gegenüber dem eigenen Zeitbudget. Sie plant laut eigener Aussage nicht, diese Tätigkeit von einem Side-Hustle in eine Vollzeit-Option zu verwandeln. Das Modell lebt vielmehr davon, dass die Community zwar wirtschaftlich funktioniert, die persönliche Motivation aber nicht unter der Kommerzialisierung leidet. In der Praxis bedeutet das: Die Arbeit an der Community ist eng mit ihrem Hobby verknüpft, sodass sie die Gründerbindung über Nutzen und Freude gleichzeitig adressiert. Für die Mitglieder entsteht dadurch eine Erfahrung, die sich deutlich von klassischen „Industrie-Meetups“ unterscheidet, weil sie weniger auf Austauschformeln und mehr auf gemeinsamer Aktivität basiert.
Für Gründer, die selbst an Community-Aufbau denken, ist daran ein wiederverwendbares Prinzip erkennbar: Vertrauen entsteht schneller, wenn man Kompetenzgespräche und Freizeitkontext nicht trennt. Viele Startup-Netzwerke setzen stark auf virtuelle Kanäle oder auf kurze, formalisierte Treffen; Beliauskayas Ansatz zeigt dagegen, dass sich auch über reale Wege, körperliche Aktivität und gemeinsame Lernschritte eine hohe Anschlussfähigkeit herstellen lässt. Gleichzeitig adressiert das Modell ein psychologisches Problem der „Transactional Networking“-Kultur, das in einer Stadt wie San Francisco besonders auffällt: Wenn das erste Gespräch nicht automatisch auf Ziele und ROI springt, sinkt die Hemmschwelle, auch langfristige Themen anzusprechen. Für Unternehmen und Investoren, die solche Gründer-Formate nutzen wollen, liegt außerdem eine praktische Schlussfolgerung nahe: Sponsoring lohnt sich hier eher als „Logoplatzierung“, wenn es in Erlebnisse übersetzt wird, die die Community ohnehin geplant hätte.
Am Ende bleibt die Frage, wie nachhaltig dieses Setup unter wachsendem Andrang ist. Bei rund 600 Gründern in der Community und gleichzeitig nur etwa 20 bezahlten Mitgliedern dürfte der Engpass weniger die Reichweite als die Kapazität für die echten Outdoor-Formate sein. Genau deshalb wirken Mitgliedsstufen und Core-Mitgliedschaft wie ein Governance-Mechanismus: Wer mehr zahlt oder tiefer integriert ist, bekommt nicht nur Zugang, sondern auch Mitgestaltung. Damit wird die Community gleichzeitig stabilisiert und skalierbar gemacht – zumindest in dem Maß, in dem echte gemeinsame Zeit organisiert werden kann. Für Beliauskayas Ziel, „etwas Joyvolles“ in der Freizeit zu behalten, ist das ein pragmatischer Kompromiss: monetarisiert wird, aber nicht auf Kosten des ursprünglichen Erlebnisses.
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