HONGKONG / LONDON (IT BOLTWISE) – Chinas Marktöffnung könnte nach Einschätzung von Solana Company-CEO Joseph Chee einen neuen Krypto-Superzyklus auslösen. Er begründet das mit der großen Nutzer- und Händlerbasis in Asien und erwartet, dass Peking Krypto mittelfristig regulieren statt komplett ausgrenzen wird. Als Testfeld nennt Chee besonders Hongkong, während die Kapitalflucht und die weiterhin erwartete Volatilität als zentrale Hürden gelten.

Chinas Blick auf Krypto verschiebt sich offenbar wieder vom reinen Verbot hin zu einer steuerbaren Regulierung. Genau an dieser Stelle setzt Joseph Chee an: Der CEO von Solana Company rechnet laut einem Interview mit CNBC damit, dass Peking einen Weg finden kann, den Handel so zu managen, dass zusätzliches Kapital in die Branche fließt. Für Beobachter ist das mehr als eine Marktstory, weil es die Frage berührt, ob Krypto in Asien dauerhaft als Infrastruktur für Unternehmen und grenzüberschreitende Zahlungen nutzbar werden kann – oder ob es langfristig nur in Nischen geduldet bleibt.
Chees Erwartung knüpft an eine demografische Logik an. In Asien leben deutlich mehr Menschen als in den übrigen Weltregionen, entsprechend groß sei dort die potenzielle Basis für Nutzer und Händler von Kryptowährungen. Der harte Kurs Chinas habe das Wachstum zwar zuvor gebremst, gleichzeitig habe der US-Markt eine Lücke zumindest teilweise gefüllt. Wenn Peking seine Regeln so anpasst, dass Technologie und Handel wieder zugänglich werden, könnte die Nachfrage laut Chee „auf einen Schlag“ breiter werden – und damit auch für einzelne Ökosysteme wie Solana spürbaren Rückenwind erzeugen.
Technisch und organisatorisch ist der Kern der Aussage jedoch nicht nur „mehr Markt“, sondern „mehr regelkonforme Implementierung“. Chee verweist darauf, dass die Regierung die Entwicklung der Technologie sehr genau beobachte und dabei Unterstützung aus Thinktanks und dem wissenschaftlichen Umfeld erhalte. Gleichzeitig sieht er regulatorische Sorgen weiterhin: Die Sorge, Kleinanleger könnten durch neue Technologien übervorteilt werden, sei in Peking offenbar präsent. Seine Gegenargumentation lautet, dass potenzielle Nutzer nicht ignorieren könnten, was die Technologie leistet – der praktische Zugang müsse also mit Aufklärung und klaren Regeln einhergehen.
Als Testfelder nennt Chee vor allem Hongkong und daneben Südkorea. Hongkong fungiert dabei als „Labor“, weil dort sowohl das Marktinteresse als auch die aufsichtsrechtliche Gestaltung eng genug beieinanderliegen, um Signalwirkungen auszulösen. Südkorea sieht Chee als Vorbild, weil der Kryptohandel dort gut überwacht werde und der Ein- und Ausstieg über den won begrenzt ist. In dieser Logik würden regulatorische Anpassungen – etwa eine Ausweitung des lizenzierten Handels in Hongkong – früh zeigen, ob die Reise in Richtung „regulieren statt blockieren“ tatsächlich funktioniert oder ob Peking doch bei restriktiven Grenzen bleibt.
Genau hier liegen die größten Hürden: Kapitalflucht und Volatilität. Chee räumt ein, dass die offene Frage, wie künftige Aufseher informiert und geschult werden, nicht nebenbei gelöst werden kann. Zudem seien Kryptowährungen in Bezug auf Kapitalbewegungen schwerer zu kontrollieren. Für das Festland nennt er als mögliche Bremse, dass Handel und die Ausgabe von Stablecoins zumindest vorerst möglicherweise nicht erlaubt seien, während die Blockchain-Nutzung durch Unternehmen und Behörden bereits in begrenztem Umfang stattfinde. Gleichzeitig wird aus der Berichterstattung über die People’s Bank of China deutlich, dass das Handelsverbot seit 2021 erweitert worden sein soll und Stablecoins dabei als Risiko für die Kontrolle über die eigene Währung eingeordnet werden.
Unterm Strich bleibt damit die Volatilität ein Bestandteil des Kalküls. Chee betont, dass die Anlageklasse vermutlich noch lange stark schwankt, große Werte wie Bitcoin und Ethereum aber langfristig stabiler werden könnten; mit der Zeit könne sogar Solana an Stabilisierung gewinnen. Für Anleger wäre das zwar eine „Lernkurve“, aber keine Sicherheitszusage. Entscheidend ist vielmehr, ob Peking das Risiko so rahmt, dass Märkte Vertrauen aufbauen können: Chee argumentiert, Anleger müssten verstehen, welches Risiko sie eingehen, und die Regierung müsse ausreichend warnen. Für die These vom Superzyklus dürfte deshalb weniger der große politische Narrativ-Teil zählen als die beobachtbaren Schritte im Markt – besonders in Hongkong, wo jede Ausweitung des lizenzierten Kryptohandels als positives Signal gelesen wird, während neue Mitteilungen zum Verbot als Gegenbeleg wirken dürften.
Aus Unternehmenssicht ist das Zusammenspiel aus Regulierung, Zugang und Erwartungsmanagement besonders relevant. Solana Company profitiert zwar potenziell von höheren Zuflüssen in den Solana-Ökosystemen, die eigentliche Hebelwirkung hängt aber an der Marktstruktur: Wenn Peking tatsächlich Rahmenbedingungen für Unternehmen, Zahlungen und grenzüberschreitenden Handel definiert, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Krypto nicht nur als Spekulationsinstrument funktioniert, sondern als wiederholbarer Bestandteil von Prozessen. Gleichzeitig zeigt die Diskussion um Stablecoins, dass Währungs- und Finanzstabilität weiterhin im Zentrum der Aufsicht stehen. Damit bleibt der Weg zur breiten Nutzung zwar nicht ausgeschlossen, aber er dürfte politisch und operativ eng getaktet sein.
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