LONDON (IT BOLTWISE) – BVB-Kapitän Nico Can hat sich während der Reha nach seinem Kreuzbandriss einem weiteren Eingriff an den Adduktoren unterzogen. Der Vereinspreis bleibt in den kommenden Wochen damit vor allem ein Thema der Belastungssteuerung statt der schnellen Rückkehr. Für das laufende Kalenderjahr deutet vieles darauf hin, dass Can kein weiteres Bundesliga-Spiel mehr bestreitet. Ob und wann er nach der Winterpause ins Mannschaftstraining einsteigen kann, bleibt zunächst offen.

Die sportliche Planung beim BVB bekommt zurzeit eine zusätzliche Unschärfe: Nico Can, der den Klub als Kapitän führt, fällt nicht nur wegen des Kreuzbandrisses aus, sondern musste sich in der Reha offenbar auch noch einer weiteren Operation an den Adduktoren unterziehen. Aus medizinischer Sicht ist das keine Seltenheit, weil sich Folgeprobleme nach einem größeren Band- oder Gelenktrauma häufig erst mit der Wiederaufnahme von Lauf- und Kraftaufbauarbeiten klarer zeigen. Entscheidend ist dabei weniger das „Ob“ als das „Wann“: Je später ein Teil der Reha in eine intensivere Trainingsphase übergeht, desto genauer wird sichtbar, ob einzelne Muskelgruppen, Sehnenansätze oder die angrenzende Hüft-/Bewegungskette sauber mitziehen.
Im konkreten Fall gilt: Der Eingriff an den Adduktoren sei gut verlaufen und nach dem Berichtstand ohnehin notwendig gewesen. Für die Mannschaftsbalance bedeutet das vor allem, dass Can nicht einfach von der Reha in den nächsten Belastungsblock „durchgereicht“ wird, sondern dass die Rückkehr weiter an einen stufenweisen, schmerz- und funktionsbasierten Plan geknüpft bleibt. Besonders im Innenverteidiger-Spiel entscheidet die Belastbarkeit über mehrere Faktoren gleichzeitig: Richtungswechsel, kurze Sprints, das saubere Abdrücken aus dem Stand sowie die Fähigkeit, nach Zweikämpfen wieder zu stabilisieren. Genau diese Elemente hängen in der Praxis stark davon ab, wie gut Adduktoren, Hüftstabilisatoren und das Knie unter kontrollierten Bedingungen funktionieren.
Der zeitliche Rahmen wirkt damit deutlich enger als in einer „linearen“ Reha-Erzählung. Nach Angaben aus dem sportlichen Umfeld soll Can in diesem Kalenderjahr voraussichtlich keinen weiteren Spieltagseinsatz mehr bestreiten. Ein vollständiger Einstieg ins Mannschaftstraining wird demnach frühestens nach der Winterpause erwartet, wobei eine präzise Prognose zunächst ausbleibt. Dass solche Aussagen oft bewusst zurückhaltend formuliert sind, hat einen Grund: Medizinische Tests liefern zwar Leitplanken, aber Fußball ist ein Hochlastsport mit unvorhersehbaren Bewegungsmustern. Ein Muskel kann im Kraftzirkel stabil sein, während sich im Sprint unter Spieltempo oder im wiederholten Richtungswechsel doch noch Einschränkungen zeigen.
Can selbst hatte seine Situation im Mai öffentlich eingeordnet: „Ich kann mittlerweile ohne Krücken gehen und das Knie belasten. Es wird leider noch eine lange Reise.“ Diese Passage passt zur typischen Dynamik nach einem Kreuzbandriss: Auf die frühe Mobilisierung folgt der Aufbau von Kraft und neuromuskulärer Kontrolle, erst danach kann die Belastung schrittweise in Richtung fußballspezifische Intensität steigen. Ende Februar hatte er sich im Heimspiel gegen den FC Bayern einen Riss des hinteren Kreuzbandes im linken Knie zugezogen und arbeitet seitdem strukturiert am Comeback. In der Zwischenzeit soll Can regelmäßig auf dem Dortmunder Trainingsgelände gewesen sein, was häufig bedeutet, dass die Mannschaftsintegration zwar noch nicht stattfindet, aber das athletische Umfeld und die Abläufe bereits „mittrainiert“ werden.
Für den BVB geht es jetzt weniger um kurzfristige „Ersatzlösungen“ auf dem Papier, sondern um die Qualität der Wochenplanung. Wenn ein Innenverteidiger länger ausfällt, verschiebt sich die Rollenverteilung in der Defensive: Neben der unmittelbaren Abdeckung in der Startelf betrifft das auch die Feinabstimmung von Raumzuteilung, Absicherung gegen Konter und dem Timing beim Herausrücken. In der Vorbereitung einer Rückkehr ist wiederum entscheidend, wie der Verein die Belastung trackt: Puls- und Sprintdaten, Sprungkennzahlen, Krafttests sowie das subjektive Belastungsempfinden werden dabei zu einem Gesamtbild. Gerade nach einer zusätzlichen Adduktor-OP ist das Risiko höher, dass sich die Wiedereingliederung sonst zu schnell „selbst sabotiert“, etwa durch zu frühe Intensität in Richtungswechseln oder zu frühe Sprung- und Zweikampfanforderungen.
Aus der Perspektive der Fans und der Kaderplanung bleibt die zentrale Frage deshalb zweigeteilt: Erstens, wie stabil das linke Knie in den entscheidenden Belastungsfenstern ist, und zweitens, ob die Adduktoren nach dem Eingriff die nötige Explosivität und Widerstandsfähigkeit liefern. Genau diese beiden Faktoren bestimmen, ob ein Training überhaupt in Richtung „Spielnähe“ skaliert werden kann. Gleichzeitig zeigt der Fall, dass Reha im Profifußball längst nicht nur eine medizinische Aufgabe ist, sondern eine technische Disziplin entlang klarer Kennzahlen und Trainingsprogression. Für das weitere Saisonbild heißt das: Der BVB muss bis zur Winterpause mit einem offenen Plan rechnen, während Can zwar weiter an seinem Comeback arbeitet, aber den entscheidenden Schritt zurück in den Bundesliga-Alltag erst dann machen kann, wenn Knie und Adduktor gleichzeitig zuverlässig mitziehen.
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