SAN FRANCISCO / LONDON (IT BOLTWISE) – Greenairy stellt Pflanzen-Türme vor, die Innenraumluft über eine biologische Abbaukette gezielt von VOCs und anderen Schadgasen befreien sollen. Das Startup beruft sich auf Pilotdaten aus Singapur, in denen die gemessenen VOC-Werte sowohl im Tagesdurchschnitt als auch bei Peaks deutlich gesunken sein sollen. Im Vergleich schnitt ein Setup mit medizinischem Ionisierer sowie ein HEPA-Luftreiniger schlechter ab. Parallel laufen Validierungen durch TÜV SÜD, bevor die Serienfertigung startet.

Greenairy baut Pflanzen-Türme gegen VOCs und Schadgase in Büros
Greenairy baut Pflanzen-Türme gegen VOCs und Schadgase in Büros (Foto: IT BOLTWISE)
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Innenraumluft ist in vielen Büros längst ein kontrolliertes System: Klimaanlage statt offener Fenster. Genau diese Abkoppelung vom Außenraum nimmt aber auch Einträge zurück, die Schadstoffe zumindest teilweise verdünnen könnten. Greenairy setzt deshalb nicht nur bei Partikeln an, sondern bei gasförmigen Belastungen wie flüchtigen organischen Verbindungen (VOC). Das Startup plant sogenannte Pflanzen-Türme, die Luft ansaugen, toxische Gase abbauen und dann gereinigte Luft wieder in den Raum abgeben. Im Kern ist es ein Ansatz, der die Luftreinigung aus dem engeren „Filtergedanken“ herausholt und stärker auf biologische Prozesse und Betriebsbedingungen setzt.

Der Auslöser für die Entwicklung liegt im persönlichen Alltag der Gründer: Tanvi Thombre und Lakshya Saraf untersuchten nach eigenen Angaben die Luftqualität in einem Maker-Space, in dem sie als Studierende arbeiteten. Dabei seien sie „unknowingly exposed to toxic fumes“ aus Laser-Cuttern, 3D-Druckern und Lötarbeitsplätzen gewesen, wurde in einer Nachricht von Thombre beschrieben. Erst als ein naher Kontakt bewusstlos wurde und im Krankenhaus behandelt werden musste, begann die systematische Suche nach Ursachen. Danach formulierten die Gründer den typischen Anwendungsfokus weiter: Schulen, Büros, Hotels, Salons und andere Gewerbeimmobilien, in denen Luft zirkuliert, Fenster aber aus Komfort- oder Betriebsgründen häufig geschlossen bleiben.

Technisch entsteht die Erwartungslücke zwischen „gut für Staub“ und „gut für Gase“: Klassische Luftreiniger sind häufig darauf optimiert, Partikel herauszufiltern. Laut Saraf sind solche Systeme zwar beim Entfernen von Staub und Pollen stark, aber bei toxischen Gasen weniger effektiv – also etwa bei Kohlenstoffdioxid, Formaldehyd oder Benzin, die in der Praxis oft gemeinsam mit VOCs auftreten. VOCs spielen dabei deshalb eine Rolle, weil sie leicht verdampfen und sich über die Zeit im Raum anreichern können. Thombre knüpft zudem an das Konzept der „sick building syndrome“ an: Personen erleben demnach Beschwerden und gesundheitliche Effekte nach Aufenthalten in Gebäuden, ohne dass eine einzelne Ursache eindeutig identifiziert ist. Ergänzend nennt das Startup Forschungsergebnisse, die mit steigender Innenraumqualität bessere kognitive Leistungen und Produktivität verbinden.

Genau an dieser Stelle soll der Pflanzen-Turm ansetzen. Saraf beschreibt den Unterschied zu herkömmlichen Pflanzen im Raum so: „A plant in a pot cleans air slowly. But, when we change the conditions around the plant, it cleans air much faster and better than these conventional methods.“ Die Logik dahinter ist nicht „einfach Grünzeug aufstellen“, sondern die Bedingungen um Pflanzen so auszulegen, dass der Abbau und die Bindung von gasförmigen Schadstoffen beschleunigt werden. Im Vergleich dazu sagt Saraf, dass manche VOC-Filter nur einen engen Bereich an Verbindungen abdecken und dann regelmäßig gewechselt werden müssen, um wirksam zu bleiben. Ihr Gegenmodell: Pflanzen als „natürliche Lösung“, bei der keine schädlichen Nebenprodukte entstehen sollen und die Wartung weniger stark vom Filtertausch abhängen würde.

Für die erste Leistungsbeschreibung verweist Greenairy auf kurze Pilotläufe rund um Singapur. Dabei wurden in eigenen Tests mit RESET-zertifizierten Luftmonitoren drei Büro-Setups gegenübergestellt: ein Büro mit Pflanzen-Türmen, ein zweites mit einem medizinischen Ionisierer (der Partikel über elektrische Ladung zusammenführt und absetzen lassen soll) und ein drittes mit einem HEPA-Luftreiniger, der sehr kleine Partikel zurückhält. Laut Saraf hatte der Turm die niedrigsten VOC-Werte und entfernte VOCs am schnellsten. Thombre ergänzt, dass Mitarbeitende den „fresh“-artigen Duft sowie die „natürliche“ Atmosphäre positiv wahrgenommen hätten. Gleichzeitig wird betont, dass Verbesserungen „innerhalb regulärer Bürozeiten“ sichtbar gewesen sein sollen, mit einer 50%igen Reduktion sowohl des täglichen Durchschnitts als auch der Spitzenwerte der VOC-Belastung.

Wichtig für die weitere Einordnung ist der Hinweis auf Reifung: Die Gründer sagen, dass sich die Ergebnisse mit fortschreitender Entwicklung von Pflanzen und Mikroben weiter verbessern sollen, weil so die Akkumulation von Gasen verhindert werde. Parallel arbeitet das Startup an externer Absicherung: Die Ergebnisse wurden nach eigenen Angaben durch TÜV SÜD validiert; die Veröffentlichung soll zeitnah erfolgen. Erst wenn die Resultate zertifiziert sind, will Greenairy in den großskaligen Herstellungsbetrieb gehen. Damit adressiert das Projekt eine typische Hürde bei Innenraumtechnik: Es reicht nicht, dass ein Prototyp in einem Testraum gut aussieht, sondern die Messkette, die Betriebsbedingungen und die Reproduzierbarkeit müssen in einer Form nachweisbar sein, die sich in Ausschreibungen und Betriebsentscheidungen übersetzen lässt.

Auch organisatorisch ist das Modell auf frühe Tests optimiert: Saraf sitzt in Berkeley, Kalifornien, während Thombre in Singapur arbeitet. Laut Saraf „works well at this stage“, weil sich eine Person auf die Tests vor Ort konzentrieren kann, während die andere in der Bay Area fundraiset. Für die Roadmap nennt das Startup als Zeithorizont die erste Hälfte von 2027, in der beide Gründer in Singapur sein sollen, um die erste Serie massenproduzierter Türme zu starten und in den ersten Kundenstandorten zu installieren. Für Unternehmen und Facility-Manager ist das vor allem dann relevant, wenn sie nicht nur die Partikelkontrolle, sondern auch VOC- und Schadgasprofile im Alltag messen und senken wollen – denn genau dort entscheiden sich Komfort, Wahrnehmung und potenziell auch Gesundheits- und Produktivitätsmetriken.


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