LONDON (IT BOLTWISE) – OneSpan kündigt Erweiterungen für seine Signierplattform OneSpan Sign an, die über die reine Erfassung elektronischer Unterschriften hinausgehen. Die Funktionen sollen Vertragsabschlüsse beschleunigen, Dokumente automatisch prüfen und Risiken wie Manipulationen an Dateianhängen mit zusätzlichen Sicherheitsmechanismen reduzieren. Dazu kommen KI-Funktionen wie automatische Formularfeld-Platzierung und KI-Zusammenfassungen, sowie geplante Verknüpfungen zu nachgelagerten Geschäftsschritten über agentenbasierte Workflows. Konkrete Termine für die einzelnen neuen und geplanten Features nennt das Unternehmen zunächst nicht.

OneSpan Sign soll künftig nicht nur Unterschriften verwalten, sondern einen Großteil des Vertragsprozesses bis in die nachfolgenden Unternehmensabläufe hinein abbilden. Damit verschiebt sich der Fokus von einem eher punktuellen Dokumenten-Workflow hin zu einer durchgehenden Prozesskette: vom schnelleren Abschluss über die Absicherung der Eingaben und Anhänge bis zur Übergabe an nachgelagerte Systeme. In der Praxis ist das ein Unterschied, der vor allem dann spürbar wird, wenn Verträge aus vielen Dokumenten, Formularen und ergänzenden Dateien bestehen und die Bearbeitung heute oft zwischen mehreren Tools, Tickets und manuellen Checks aufgeteilt ist.
Im Bereich der Beschleunigung setzt OneSpan auf eine überarbeitete Benutzeroberfläche mit einem einheitlichen Dashboard. Interessant ist dabei, dass die geplanten KI-Funktionen nicht nur „assistieren“, sondern konkrete Arbeitsschritte automatisieren sollen: So nennt der Anbieter die automatisierte Platzierung von Formularfeldern, KI-generierte Zusammenfassungen für Unterzeichnende sowie integrierte Frage-und-Antwort-Funktionen, die den Durchlauf erleichtern sollen. Gerade KI-gestützte Zusammenfassungen und Q&A können die Verständlichkeit komplexer Vertragswerke verbessern und Rückfragen reduzieren, aber sie verändern auch den Charakter des Workflows: Statt Dokumente nur zu signieren, wird die inhaltliche Vorbereitung Teil des Produkts. Aus Unternehmenssicht bedeutet das zugleich, dass sich Prozesse für Qualitätskontrolle und Freigaben neu sortieren müssen, damit ein KI-generierter Text nicht unbemerkt zur einzigen Quelle „was gemeint ist“ wird.
Der zweite Schwerpunkt zielt auf reibungslose Sicherheit ohne zusätzliche Reibung im Abschlussprozess. OneSpan nennt hierfür automatisierte Dokumentenprüfungen zur Feststellung ordnungsgemäßer Unterlagen, Mechanismen zur Erkennung von Manipulationen an Dateianhängen sowie eine biometrische Überprüfung der Identität. Hinzu kommen die Unterstützung für digitale Identitätsnachweise und digitale Geldbörsen. Technisch betrachtet hängt die Wirksamkeit solcher Schutzmechanismen stark davon ab, wie die Plattform Integrität, Identitätsnachweise und Signaturereignisse miteinander verknüpft und in welcher Granularität sie Abweichungen erkennt. Genau deshalb ist der Sicherheitsanspruch nicht nur „zusätzliche Checks“, sondern eine Architekturfrage: Wie werden Belege verknüpft, wie werden Ereignisse versioniert und wie lassen sich später Beweis- und Audit-Anforderungen bedienen?
Beim dritten Schwerpunkt geht es um die Anschlussfähigkeit an Folgeschritte im Geschäftsablauf. Neben erweiterten Integrationen und agentenbasierten Arbeitsabläufen plant OneSpan die Unterstützung des Model Context Protocol für autorisierte KI-Agenten, damit automatisierte Anschlussprozesse gesteuert werden können. Das ist eine bemerkenswerte Ausrichtung, weil sie KI-Agenten nicht als isolierte Chat-Funktion betrachtet, sondern als orchestrierte Akteure innerhalb bestehender Geschäftssysteme. Der Nutzen liegt häufig in der Verkürzung von Zeit zwischen Vertragsabschluss und Umsetzung, etwa wenn nach der Unterzeichnung Compliance-Prüfungen, Vertragsdatenpflege oder Projektfreigaben angestoßen werden. Gleichzeitig entsteht hier ein Umsetzungsaufwand: Unternehmen müssen festlegen, welche Agenten mit welchem Kontext arbeiten dürfen, wie Berechtigungen abgebildet werden und wie sichergestellt wird, dass die Automatisierung nur „autorisiert und korrekt“ weiterläuft.
Die Richtung passt in einen breiteren Markttrend, den auch die vorliegenden Aussagen von Branchenanalysten betonen: Wertschöpfung verlagert sich bei Lösungen für digitale Vereinbarungen zunehmend von der bloßen Erfassung hin zum Gesamtergebnis im Geschäft. OneSpan verweist zudem auf eine lange Marktpräsenz in der Finanzbranche und nennt mehr als 30 Jahre Zusammenarbeit mit Kunden aus diesem Sektor. Laut den Angaben werden weltweit jährlich mehr als 100 Millionen elektronische Signaturtransaktionen über die Systeme abgewickelt; außerdem sollen mehr als 60 Prozent der 100 weltweit größten Banken zu den Kunden zählen, die Lösungen in mehr als 120 Ländern im Einsatz sein. Diese Zahlen sind für die Bewertung relevant, weil sie den wahrscheinlichsten Einführungsweg andeuten: Nicht jeder Vertrag wird „neu erfunden“, aber etablierte Institute können Plattformänderungen schneller in bestehende Ökosysteme integrieren, wenn Identitäts- und Sicherheitsmodelle bereits vorhanden sind. Für andere Branchen dürfte der Impuls ähnlich sein, jedoch mit anderer Priorisierung: Dort ist oft die Integration in ERP-, CRM- oder Dokumentenmanagement-Umgebungen der Engpass, weniger die Frage, ob Signaturen technisch möglich sind.
Regulatorisch spielt in diesem Kontext vor allem die EU-KI-Verordnung hinein, die in den vorliegenden Informationen als Hintergrund für Unternehmen adressiert wird, die KI für Dokumentenverarbeitung einsetzen oder entwickeln. Konkret heißt das nicht automatisch, dass jedes KI-Feature im Signaturprozess als Hochrisiko eingestuft wird, aber Unternehmen müssen die Einordnung ihrer eingesetzten KI-Systeme sauber prüfen und die daraus entstehenden Pflichten in ihre Prozess- und Dokumentationslogik übertragen. OneSpan plant für den 14. Oktober 2026 zudem ein Webinar, das sich auf die Entwicklung digitaler Vereinbarungen für Finanzinstitute konzentriert, mit Fokus auf schnellere Abschlusszeiten, stärkere Absicherung und die Einbindung in bestehende Geschäftssysteme. Ein wichtiger Punkt bleibt allerdings offen: Für die einzelnen neuen und geplanten Funktionserweiterungen nennt das Unternehmen zunächst keine konkreten Veröffentlichungstermine, wodurch sich Planbarkeit und Pilotierung im Unternehmen besser über Architekturentscheidungen als über Feature-„Kalender“ steuern lassen.
Für IT- und Sicherheitsverantwortliche ergibt sich daraus ein klares Prüfraster. Zuerst sollten Teams bewerten, wie KI-Funktionen wie Formularfeld-Automatisierung, Zusammenfassungen und Q&A in den Prozess eingebettet sind und welche Systeme die endgültige Vertragsinformation „bestimmen“. Danach folgt die Frage nach der Nachweisführung: Welche Manipulations- und Integritätsprüfungen werden wann durchgeführt, wie wird die Identität biometrisch abgesichert und wie werden digitale Identitäten beziehungsweise Geldbörsen im Audit nachvollziehbar? Schließlich müssen Integrationspfade und Agenten-Orchestrierung für nachgelagerte Schritte so gestaltet werden, dass Berechtigungen und Kontextkontrolle konsistent bleiben. Genau in diesen Punkten entscheidet sich, ob die Plattform-Erweiterungen in der Praxis tatsächlich zu schnelleren Durchläufen führen oder ob zusätzliche Governance-Aufwände die Vorteile wieder schmälern.
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