DUBLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Ryanair kündigt für den kommenden Winterflugplan rund 700.000 Sitzplätze weniger an als im Vorjahr. Das entspricht einem Rückgang von 10 Prozent gegenüber dem Winter 2025/26. Als Hauptgrund nennt die Airline hohe Zugangskosten über staatliche Gebühren sowie die „exorbitante“ Luftverkehrsteuer in Deutschland. Besonders Berlin-Brandenburg und damit Berliner Passagiere treffen die Kürzungen spürbar.

Ryanair fährt den kommenden Winterflugplan spürbar zurück. Laut Ankündigung will die irische Airline im Winter rund 700.000 Sitzplätze weniger anbieten als im Jahr zuvor. Rechnerisch entspricht das einem Minus von 10 Prozent gegenüber dem Winter 2025/26. An der Börse wurde die Entwicklung unmittelbar sichtbar: Die Ryanair-Aktie notierte in Dublin zeitweise 1,54 Prozent tiefer bei 23,61 Euro.
Für die betriebliche Planung bedeutet das vor allem weniger Kapazität pro Woche und damit eine geringere Anzahl an Flugrotationen im Tages- und Wochenmix. Ryanair begründet die Entscheidung mit Kostenblöcken, die sich über die Preisbildung kaum vollständig „wegoptimieren“ lassen: hohe Zugangskosten über staatliche Gebühren sowie eine Luftverkehrsteuer, die das Unternehmen als „exorbitant“ bezeichnet. Diese Kombination wirkt aus Sicht der Airline wie ein dauerhaftes Kostenniveau auf dem Weg vom Gate zum Ticketverkauf, also genau dort, wo Billigflieger ihre Skalenvorteile normalerweise über hohe Auslastung und standardisierte Abläufe absichern.
Den Schwerpunkt der Kürzungen trägt nach Darstellung der Airline der Flughafen Berlin-Brandenburg. Dort schließt Ryanair zum 24. Oktober seine Basis mit sieben Flugzeugen und den dazugehörigen Crews. Die Jets sollen in wettbewerbsfähigere Flughäfen in anderen EU-Staaten verlagert werden, wo die Luftverkehrsteuer abgeschafft und Gebühren gesenkt worden seien. Damit greift ein typisches Billigflugzeug-Planungsmuster: Wenn ein Standort durch Steuern und Gebühren strukturell teurer wird, wechselt die Kapazität dorthin, wo die variable Marge pro Abflug voraussichtlich besser passt.
Berlin bleibt zwar weiterhin im Zielnetz, verliert aber nach Angaben der Airline rund die Hälfte des bisherigen Angebots. Besonders deutlich sollen zwölf Strecken ausgedünnt oder ganz eingestellt werden, darunter Verbindungen nach Gran Canaria, Palermo und Thessaloniki. Andere Routen sollen „ausgedünnt“ werden, was in der Praxis häufig auf weniger Frequenzen pro Woche hinausläuft, etwa durch getaktete Slotnutzung oder eine reduzierte Anzahl von Umläufen. Ryanair stellt in diesem Zusammenhang heraus, dass Berlin „mit Abstand der größte Verlierer“ sei und Passagiere dort weniger Auswahl hätten sowie höhere Flugpreise zahlen müssten.
Über die Hauptstadt hinaus sind weitere deutsche Standorte betroffen. Streichungen von rund 5 Prozent nennt die Airline auch für Hamburg. Dagegen sollen Kapazitäten an anderen Flughäfen ausgebaut werden, namentlich in Memmingen und Köln. Solche Verschiebungen sind für Reisende spürbar, weil sie Anschlusswege, Reisezeiten und Preisniveaus verändern können; zugleich zeigen sie, dass die „Netzlogik“ bei Ryanair nicht an einer einzelnen Strecke hängt, sondern an der Summe aus Slotbedingungen, Kosten pro Turnaround und erwarteter Auslastung.
Im neuen Winterflugplan kommen zudem neue Standorte ins Spiel: Saarbrücken und Friedrichshafen sind als Neuzugänge genannt. Für den Markt ist das deshalb mehr als eine reine Kürzungsnachricht, sondern ein Re-Layout des Streckennetzes unter Kosten- und Wettbewerbsdruck. Unternehmerisch verschiebt sich dadurch auch der Fokus für Flughafenbetreiber, Bodenabfertiger und Reiseveranstalter: Wenn sich Verfügbarkeiten und Frequenzen ändern, müssen Vertriebskanäle und Kapazitätsplanung an die neuen Muster angepasst werden. Technisch bleibt der Kern gleich – mehr oder weniger Maschinen im Umlaufplan, anders getaktete Abflugfenster und angepasste Crew-Zuordnungen – aber die Konsequenzen zeigen sich schnell in Nachfrage und Preisgefüge der Region.
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