WASHINGTON / LONDON (IT BOLTWISE) – Die US-Regierung hat am Donnerstag einige Green-Card-Einreichungen von Microsoft und Adobe eingefroren und zugleich Ermittlungen gestartet. Begründet wird das Vorgehen mit Vorwürfen zu angeblichem Betrug im Zusammenhang mit Green-Card-Filings sowie mit der Sorge vor einem Jobverlust durch ausländische Fachkräfte. Betroffen sind laut US-Arbeitsministerium auch weitere große IT-Outsourcer und ein Teil der laufenden und künftigen PERM-Anträge. Parallel sollen mehrere Eliteuniversitäten – darunter Harvard, Yale und Stanford – wegen eines mutmaßlichen Missbrauchs von J-1-Visas überprüft werden.

Die US-Regierung weitet ihre harte Linie bei Visa- und Green-Card-Verfahren aus: Am 8. Oktober fror sie laut Bericht der Nachrichtenagentur einige Einreichungen für den permanenten Aufenthalt ein, darunter auch Anträge von Microsoft und Adobe. Die Maßnahme wird dabei nicht als isolierter Einzelfall dargestellt, sondern als Teil eines umfassenderen Vorgehens gegen die Programme für qualifizierte Fachkräfte. Im Zentrum stehen Vorwürfe, dass es bei bestimmten Einreichungen zu unzulässigen Praktiken gekommen sei – und dass zugleich amerikanische Löhne und Jobchancen unter Druck geraten könnten, wenn Arbeitgeber Arbeitsmigration zu stark ausreizen. Für betroffene Unternehmen kann das vor allem deshalb schnell relevant werden, weil der Weg von temporären Visa wie H-1B hin zur dauerhaften Beschäftigung in vielen Fällen über mehrere Genehmigungsstufen führt.
Konkret nennt das US-Arbeitsministerium eine Sperrung, die nicht nur neue Anträge betrifft, sondern nach den Angaben zudem auch laufende Einreichungen im Rahmen des permanent labor certification-Systems (PERM) umfasst. PERM gilt in den meisten employment-based Green-Card-Fällen als verpflichtender Nachweisprozess: Arbeitgeber müssen belegen, dass die Einstellung eines ausländischen Arbeitnehmers die Löhne, Arbeitsbedingungen und Jobchancen von US-Arbeitnehmern nicht schädigt. Erst wenn PERM genehmigt ist, geht es typischerweise weiter an die Behörde für US-Einwanderungsangelegenheiten (USCIS). Damit wirkt eine PERM-Sperre wie eine harte Eintrittsbarriere in eine etablierte Kette – auch dann, wenn H-1B im Kern kurzfristige Beschäftigung ermöglicht und nicht unmittelbar eingefroren wird. Das berichtete Vorgehen zielt laut Einordnung auch auf jene Route, über die Unternehmen H-1B-Beschäftigte später für die permanente Niederlassung sponsern.
Die Sperrung betrifft neben Microsoft und Adobe nach Angaben auch eine Reihe weiterer großer IT-Outsourcer, darunter Cognizant, Infosys, Tata Consultancy Services, Wipro, HCL Technologies und Capgemini. Damit werden gerade jene Firmen besonders hervorgehoben, die in der Vergangenheit zu den häufigsten Nutzern von H-1B-Visa zählten. Dass die Regierung dabei den Fokus auf angeblichen Betrug legt, passt in das Bild einer Eskalation, die bereits mit „Project Firewall“ begonnen hat. Im Kontext dieser Initiative wurde laut Bericht für neue H-1B-Petitionen, wenn die Arbeitskräfte aus dem Ausland rekrutiert werden, eine einmalige Gebühr in Höhe von 100.000 US-Dollar eingeführt. Diese Kombination aus Gebühren-Mechanik, Prozessstopps und Ermittlungen kann den gesamten Lebenszyklus der Rekrutierung verteuern: Nicht nur die Bewerbung, sondern auch die spätere Umwandlung in dauerhaftes Aufenthaltsrecht wird damit stärker von regulatorischem Risiko geprägt.
Parallel richtet sich der Blick der Behörden auf Universitäten: Die Regierung öffnete laut Bericht außerdem Prüfungen in neun Fällen, darunter Harvard, Yale und Stanford, sowie weitere Einrichtungen wie Brown und das Massachusetts Institute of Technology. Als Vorwurf steht im Raum, dass J-1-Exchange-Visitor-Visas missbraucht würden, um internationalen Nachwuchs anzuwerben und damit amerikanische Löhne zu drücken. Auch hier gilt: Die Einordnung erfolgt mit Prüfungscharakter; es geht um Ermittlungs- und Abklärungsmaßnahmen, nicht um ein abgeschlossenes Urteil. In diesem Kontext nannte der Labor Inspector General Anthony D’Esposito, dass Vorladungen bereits zugestellt worden seien, und verknüpfte die mögliche Bewertung mit dem Schutz von Forschung, die staatlich finanziert wird. Für Universitäten bedeutet das in der Praxis vor allem mehr Dokumentationsaufwand in Bereichen wie Visa-Compliance, finanzielle Beziehungen und Auswahlprozesse – Bereiche, die bisher oft stärker als Verwaltungsaufgabe denn als Compliance-Risiko wahrgenommen wurden.
Warum das gerade jetzt politisch und wirtschaftlich so stark durchschlägt, lässt sich auch an der widersprüchlichen Kommunikationslage ablesen: Laut Bericht pflege die Regierung zugleich engere Beziehungen zu Teilen der Tech-Branche und treibe damit parallel auch Themen wie die regulatorische Ausgestaltung im Umfeld von KI voran. Der Bericht nennt im gleichen Atemzug, dass Microsoft-Chef Satya Nadella bei einem White-House-KI-Event am 29. September präsent gewesen sei. Für Unternehmen entsteht daraus ein Spannungsfeld, in dem sich strategische Initiativen rund um KI-Entwicklung und politische Dialogformate nicht automatisch in Planungssicherheit bei Personal- und Einwanderungswegen übersetzen. Wer am Standort USA forschen und bauen will, muss damit zunehmend zwei Systeme gleichzeitig managen: die Technologie-Roadmap und die Einwanderungs- beziehungsweise Genehmigungs-Roadmap.
Auch der Status-Impact auf aktuelle Mitarbeiter ist differenziert: Nach den Angaben dürfte die Sperrung nicht direkt jene betreffen, die bereits H-1B-Visa besitzen, da diese zunächst als temporäre Arbeitserlaubnis funktionieren. Das Risiko liegt eher in der Planungssicherheit für den nächsten Schritt, also für die Umwandlung in einen dauerhaften Status. Für viele US-Abteilungen in Softwareentwicklung, Cloud-Engineering und IT-Beratung ist dieser nächste Schritt entscheidend, weil er die Bindung von Fachkräften erleichtert und teure Rekrutierungszyklen reduziert. Dazu kommt ein strategischer Effekt für Compliance- und HR-Organisationen: Wenn PERM-Anträge bei bestimmten Arbeitgebern gestoppt oder blockiert werden, verschiebt sich die priorisierte Dokumentationsarbeit auf alternative Modelle und auf eine mögliche Neuordnung von Rollenzuordnung, Recruiting-Zeitlinien und Zuverlässigkeitsnachweisen. Ein weiterer Hinweis ist die große Bedeutung von PERM-Volumina bei einzelnen Unternehmen: So wird Microsoft in der Berichterstattung als großer Einreichender genannt, während gleichzeitig Tools wie Permtrack.app als aggregierende Quelle für Labor-Department-Disclosure-Daten dienen.
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