DUBAI / LONDON (IT BOLTWISE) – Der jemenitische Vize-Verteidigungsminister Samir Al-Sabri beschreibt den Kampf bei Marib als militärisch in Bewegung. Er spricht von einer Lage mit mehreren gleichzeitig aktiven Fronten, nennt die Westküste sowie Regionen in Marib und im Zentrum um Taiz und Al Bayda. Besonders wichtig sei demnach Bab al-Mandab als Engstelle für Nachschub und Truppenbewegungen. Für Sanaa stellt er klar: Die Stadt ist aus seiner Sicht der zentrale Schauplatz und bleibt ein Hauptziel.

Jemens Vize-Verteidigungsminister Samir Al-Sabri hat in einer Lageeinschätzung die Kämpfe als „auf vielen Fronten“ gleichzeitig verlaufend beschrieben. Im Fokus steht dabei die Region um Marib, die laut seinen Angaben derzeit militärische Fortschritte erfährt. Gleichzeitig betont er, dass Versorgungswege in Al-Waziyah offen bleiben, während die strategische Bedeutung von Bab al-Mandab in dieser Phase besonders hoch sei. Damit zeichnet sich ein Bild ab, in dem nicht nur einzelne Ortsgewinne zählen, sondern die Fähigkeit, Nachschubkorridore und Bewegungsachsen unter Druck zu setzen.
Aus militärisch-technischer Sicht wird die Logik hinter den Aussagen deutlich, wenn Al-Sabri die „Fronten“ über mehrere geografische Räume hinweg benennt: Westküste, Dhubab und die Kahbub-Bergkette auf der einen Seite, im Osten Regionen in Marib, im Zentrum Taiz sowie Al Bayda. Besonders die Kahbub-Bergkette zwischen Lahj und Taiz wird als „wichtiger Schritt“ beschrieben, um Feuer- und Nachschublinien zu kappen. Solche Geländegewinne sind in Gefechtslagen oft mehr als taktische Positionswechsel: Wer Höhenzüge oder Passagen kontrolliert, kann Beobachtung, Artillerieeinsatz und das Verbergen eigener Bewegungen verbessern, während der Gegner seine Routen häufiger verlagern muss.
Al-Sabri stellt zudem Taiz in einen eigenen Kontext, weil die Stadt seiner Darstellung nach bereits über mehr als vier Jahre belagert gewesen sei und die Belagerung in den Jahren 2018 und 2019 gebrochen worden sei. Er ordnet das Vorgehen der Houthis für den Gouvernementsraum als „anders“ ein und verweist darauf, dass Taiz offenbar früh ein Ziel gewesen sei, das die eigene Kontrolle in Richtung der landesweiten Strategie erschwert habe. In seiner Darstellung finden Kämpfe „in fast jedem Dorf“ statt, zugleich spricht er davon, dass einige Gewinne und die Kontrolle einzelner Bezirke existieren, diese aber nicht die erwartete Dynamik für einen breiten Durchbruch erzeugten. Für die operative Planung ist diese Art von Lagebild relevant, weil sie auf anhaltende, kleinteilige Gefechtsführung statt auf einen schnellen Stellungswechsel hindeutet.
Besondere Aufmerksamkeit richtet Al-Sabri auf Bab al-Mandab, das er als „wichtigste“ Zone der aktuellen Phase bezeichnet. Er beschreibt die Kampfsequenz und die Prioritätensetzung dabei so, dass die „erste Phase“ vor allem darauf abgezielt habe, eine Offensive in allen Gouvernements zu brechen – besonders an der Westküste und in Taiz. Wenn er außerdem sagt, die Ziele im westlichen Taiz hätten als Hauptfokus die Sicherung und Kontrolle von Bab al-Mandab, dann ordnet er die Gefechte nicht nur lokalen Interessen zu, sondern einer übergeordneten Achse, die für den maritimen Austausch entscheidend ist. In der Logik solcher Engstellen entscheidet sich oft, wie leicht Parteien ihre Kräfte ergänzen können, und wie schnell Gegenmaßnahmen sichtbar werden, etwa durch das Unterbrechen von Verbindungen.
Im technologischen Teil seiner Einschätzung verbindet Al-Sabri Luft- und Drohnenkrieg mit der Frage nach Resupply und Reichweiten. Er sagt, man kontere die Nutzung von Drohnen „in gleicher Art“, und verweist auf weitere Entwicklungen in der kommenden Phase. Außerdem betont er, dass sowohl die „legitimen“ Luftkräfte als auch Luftangriffe im Rahmen einer Koalition Wirkung über viele Fronten hätten. Im Bereich der Raketen- und Waffenlogistik behauptet Al-Sabri, Iran liefere Waffen an die Houthis, wobei Raketen demnach in Teilen geschickt und in Sanaa mithilfe von Expertise aus verschiedenen Ländern zusammengesetzt würden. Solche Aussagen ordnen die Lage als ein System aus Sensorik, Zielzuweisung, Transport und Montage ein – und nicht nur als isolierte Angriffe. Gleich danach nennt er Ziele wie Drohnen-Linien, ballistische Raketen und Waffenlager und leitet daraus die Notwendigkeit ab, Bewegungen zu unterbrechen, damit Bodentruppen anschließend verbleibende Kräfte eliminieren können.
Auch die Rolle von Minenräumung und maritimer Abschirmung kommt vor: Al-Sabri spricht von hoher Koordination zwischen Küstenwache und Marinekräften, obwohl die Fähigkeiten demnach noch nicht im gewünschten Umfang seien. Gleichzeitig stellt er heraus, dass internationale Akteure – explizit auch Großbritannien – zunehmend die Bedeutung der Küstenwache sowie der Sicherung der Meerenge Bab al-Mandab verstünden. Für die operativen Konsequenzen nennt er außerdem konkrete Maßnahmen: Es seien Anstrengungen im Gange, Minen aus Gebieten zu entfernen, aus denen die Houthis zurückgewichen seien, und er sagt, „Hunderte“ Landminen seien entlang der Westküste entfernt worden. Damit wird ein typisches Wechselspiel sichtbar: Selbst wenn Fronten militärisch zurückgedrängt werden, beeinflussen verminte Zonen die Rückeroberung, das Tempo der eigenen Truppenbewegung und die Sicherheit der Zivilbevölkerung – ein Punkt, der in längeren Konflikten strategisch oft unterschätzt wird.
Wenn Al-Sabri zum Schluss die „Korridor“-Rolle zwischen Marib und Sanaa betont und Sanaa als Hauptschauplatz bezeichnet, folgt daraus eine klare Priorisierung: Die Kontrolle über Kommunikations- und Nachschublinien soll offenbar so weit verdichtet werden, dass sich ein strategisches Ziel schneller erreichen lässt. Dazu passt auch die von ihm erwähnte Zielsetzung, Sanaa zurückzuerlangen und zugleich Routen zu den Gouvernements Saada und Amran unter Kontrolle zu bringen. Für die Bewertung durch Entscheidungsträger in der Region bedeutet das: Die nächsten Schritte dürften weniger von einzelnen symbolischen Geländegewinnen abhängen, sondern von der Frage, ob sich die erwähnten Korridore dauerhaft schützen und die Interdiction von Drohnen-, Raketen- und Waffenketten wirksam aufrechterhalten lässt. Je länger sich diese Muster verstetigen, desto mehr verschiebt sich die Lage von taktischen Gefechten hin zu einem wettbewerbsartigen Ringen um Logistik, Reichweite und operative Handlungsfähigkeit.
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