WIEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Das Wiener Startup DropForce Systems will FPV-Drohnen nicht zentral fertigen, sondern dort bauen lassen, wo sie im Einsatz gebraucht werden. Dafür entwickelt es die STURM 01, die sich ohne Löten in rund 10 bis 15 Minuten zusammenbauen lässt. Parallel entsteht eine mobile Fertigungszelle im Transportkoffer, mit der Anwender: innen Ersatzteile und Bausätze vor Ort produzieren können. Das Konzept wird durch ein Investment von BarnVentures sowie Business Angels mit einem guten sechsstelligen Betrag gestützt.

DropForce Systems geht mit einer Idee an den Start, die auf den ersten Blick nach Bastellösung klingt, technisch aber einen klaren Engpass adressiert: FPV-Drohnen sind schnell geflogen, aber im Alltag der Operatoren oft zu langsam oder zu teuer zu ersetzen. Genau an dieser Lücke setzt das Wiener Startup an. Es will nicht nur fertige Fluggeräte liefern, sondern eine „Drohne plus Werkbank“-Logik etablieren, bei der ausgedruckte Teile vor Ort montiert und bei Bedarf als Ersatz nachproduziert werden. Das transportierbare Fertigungskonzept wird dabei vom Produkt selbst flankiert: Die DropForce STURM 01 ist so ausgelegt, dass der Zusammenbau nicht am Löten der Elektronik hängt, sondern als modularer Prozess funktioniert.
Im Zentrum steht die STURM 01 als FPV-Quadrokopter in modularer Bauweise. Die zentrale Platine übernimmt dabei nicht nur elektronische Aufgaben, sondern ist gleichzeitig Teil der tragenden Struktur. DropForce entwickelt Flight Controller und Motorregler selbst, während die übrigen Strukturteile aus dem 3D-Drucker kommen. Der entscheidende Unterschied zum klassischen „Elektronik einbauen, anlöten, testen“-Ablauf ist die Montage-Mechanik: Elektronik wird gesteckt, Mechanik wird verschraubt. Je nach Erfahrung dauert die Montage laut Unternehmen etwa 10 bis 15 Minuten. Dadurch verschiebt sich der Aufwand in Richtung Produktionstakt und Materialfluss, statt in Richtung Handarbeit am empfindlichen Elektronik-Teil.
Dass genau diese Reihenfolge den Unterschied macht, haben die Gründer nach eigenen Angaben aus der Prototypenphase gelernt. Ursprünglich wollten sie eine eigene Drohnenflotte für Lichtshows aufbauen, weil verfügbare Showdrohnen als zu teuer und zu unzuverlässig galten. Nach vier Prototypen stellten sie jedoch fest, dass nicht der 3D-Druck den Engpass bildet, sondern die Montage – insbesondere das Löten. Beim fünften Prototyp verlagerten sie daher die Konstruktion explizit in Richtung Montageprozess. Auch der Produktionsalltag wird konsequent als Taktung gedacht: Ein Drucker benötigt rund 20 Minuten für die Teile einer Drohne. Während also die nächste Einheit gedruckt wird, lässt sich die vorherige montieren. Im Dauerbetrieb soll dadurch ein Drucker Teile für gut 70 Drohnen pro Tag liefern; wer mehr Kapazität braucht, skaliert über zusätzliche Drucker.
Damit die Drohnen im Betrieb nicht an Software-Details scheitern, setzt DropForce derzeit auf etablierte Open-Source-Systeme: Für die Flugsteuerung nutzt das Unternehmen ArduPilot und Betaflight. Eine eigene Firmware ist laut Planung in Entwicklung. Zusätzlich sollen Missionsmodule die Fähigkeiten erweitern; Module für FPV-Flug und Lichtshows seien bereits vorhanden. Der zweite Teil der Plattform ist die mobile Fertigungszelle „Tactical Case“: Dabei handelt es sich um einen Transportkoffer, der 3D-Drucker, Stromversorgung und Werkzeug bündelt und von einer Person bedient werden kann. Der praktische Nutzen wird dabei strategisch formuliert: Wenn Drohnen im Einsatz kaputtgehen oder verloren gehen, sollen Ersatz und neue Bausätze nicht über klassische Bestellung, Lieferzeit und Beschaffungsketten ersetzt werden müssen, sondern „wie Flugzeuge“ über Nachlieferung – nur eben als lokal produzierbare Komponenten. So können Betreiber Bausätze lagern und Ersatzgeräte vor Ort selbst herstellen.
Das Geschäftsmodell zielt entsprechend auf mehrere Einnahmequellen. DropForce will mit dem Verkauf fertiger Drohnen und Fertigungszellen Geld verdienen, langfristig aber vor allem durch den laufenden Nachschub an Bausätzen, Komponenten und Missionsmodulen. Technisch wird die Plattform als Dual-Use-System positioniert. Als zivile Einsatzfelder nennt das Unternehmen Katastrophenschutz, Suche und Rettung, den Schutz kritischer Infrastruktur sowie Training. Für institutionelle Kund: innen werden Streitkräfte, Einsatzorganisationen und Betreiber kritischer Infrastruktur genannt. Gleichzeitig stellt das Startup klar, wo es bei den Lieferketten Grenzen sieht: Beim Anspruch „European Sovereign UAV Systems“ ordnet es den Begriff selbst ein und verzichtet darauf, die STURM 01 als vollständig europäisch zu bezeichnen. Platinenlayout und Elektronik bleiben in eigener Hand, für die Fertigung soll jedoch eine europäische Lieferkette aufgebaut werden; Motoren und Standardkomponenten kauft DropForce zu. Besonders bei Seltene-Erden-Magneten bestehen laut Darstellung weiterhin Abhängigkeiten von China.
Finanziert wird die Expansion durch ein Investment: BarnVentures stieg mit 20 Prozent ein, gemeinsam mit der LNX GmbH brachten die Business Angels einen guten sechsstelligen Betrag ein. Hinter BarnVentures stehen die Gründer Filip Zganjer und Florian Bauer, die unter diesem Dach eine der größeren Digitalgruppen Österreichs aufgebaut haben. Laut DropForce flossen bis dahin Mittel aus Eigenfinanzierung in Entwicklung und Prototypen. Technisch werden das Team und die Historie der Beteiligten deutlich, wenn man die Rollen betrachtet: Jakub Hamdard (CEO) und Christian Mühl (CTO) haben unter anderem an der HTL Eisenstadt Luftfahrttechnik gelernt. Hamdard arbeitete etwa als Design Engineer für Satellitenantriebe beim österreichischen Raumfahrt-Startup ENPULSION und war Projektleiter bei Diamond Aircraft. Mühl war in der Produktionstechnik bei Schiebel tätig sowie bei Airborne Technologies und Diamond Aircraft. DropForce Systems GmbH wurde Anfang 2026 in Wien gegründet.
Wirtschaftlich bewegt sich DropForce in einem Markt, in den derzeit viel Kapital fließt. Für europäische DefenseTech-Startups wird nach Branchenangaben ein Funding-Rekord von rund 10,5 Milliarden Dollar (rund 9 Milliarden Euro) für das laufende Jahr erwartet; der größte Teil davon fließt dabei in Drohnen. Große Player wie Helsing, Quantum Systems, Stark Defence oder ARX Robotics haben dabei hohe Summen eingesammelt. DropForce sieht sich dennoch nicht als direkten Wettbewerber dieser Unternehmen, sondern argumentiert mit einer anderen Systemfrage: Während andere stärker auf große Fluggeräte oder stationäre Produktionssysteme zielen, konzentriert sich das Startup auf einen kleinen FPV-Quadrokopter und eine Fertigung, die sich in einen Koffer integrieren lässt. Für die nächste Wachstumsphase stehen noch Entscheidungen an: DropForce sucht Pilotkund: innen, die Drohne und Fertigungszelle testen. Eine Patentanmeldung sei in Vorbereitung, zusätzlich prüft das Team weitere Finanzierung oder einen strategischen Partner. Offen bleibt damit vorerst vor allem die Marktbewährung: Wie schnell sich Operatoren von der klassischen „Kaufen und ersetzen“-Logik auf lokale Nachproduktion umstellen, entscheidet sich im Pilotbetrieb.
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