QUANTICO, VIRGINIA / LONDON (IT BOLTWISE) – Die US-Armee ordnet den Aufbau eines eigenen Kommandos für autonome Systeme an. Mit FASCOM soll die Beschaffung der priorisierten Autonomie-Fähigkeiten künftig aus einer Hand gesteuert werden. Parallel setzt die Armee auf einen beschleunigten Einbau in bestehende Einheiten, von Luftfahrtdomänen bis zu Pionier- und Ausbildungskräften. Unklar bleibt vorerst, wer FASCOM führt und wie sich die neue Einheit in die bereits geplante AutoWarCom-Struktur einfügen wird.

Die US-Armee baut die nächste Stufe ihrer Autonomie-Strategie mit organisatorischen Mitteln auf: Ein Memo mit Datum vom 1. Oktober weist den Aufbau des U.S. Army Futures and Autonomous Systems Command (FASCOM) an. Ziel ist vor allem die Bündelung von Planung und Einkauf für autonome Systeme, die als Priorität eingestuft sind. Damit verschiebt die Armee den Schwerpunkt nicht nur technologisch, sondern auch in der Zuständigkeit: Wer künftig welche Autonomie-Fähigkeiten einkauft und wie schnell sie im Verband ankommen, soll stärker zentralisiert werden als in den bisherigen, stärker portfolio-orientierten Beschaffungsstrukturen.
Das Memo ist dabei in zwei Rollen gedacht. Einerseits soll die Army Vice Chief of Staff FASCOM auf den Weg bringen, andererseits erhält auch der zuständige Assistant Secretary für Acquisition, Logistics and Technology einen klaren Auftrag: Für die priorisierten autonomen Systeme soll eine Bürokratieinstanz die Beschaffungsentscheidungen treffen. Hintergrund ist die im vergangenen Jahr vorgenommene Reorganisation der Waffenbeschaffung in sechs sogenannte Portfolio Acquisition Executives. FASCOM bedeutet in dieser Logik keine bloße Umbenennung, sondern die Ergänzung eines weiteren Portfolios für Autonomie. Dass das Memo Details zu Struktur, Kommandoführung, Standort oder Zeitleiste nicht offenlegt, bestätigt der Armeesprecher: „Specifics on structure, command, mission, etc. will be announced at a future date, “ sagte Col. Marty Meiners.
Operativ geht es nicht nur um Einkaufszuständigkeiten, sondern auch um konkrete Fähigkeitskategorien. Das Memo fordert, mehrere Typen autonomer Systeme spätestens bis zum Fiskaljahr 2028 zu priorisieren und „fielding“ umzusetzen. Genannt werden fires (Artillerie, Raketen und Geschosse), combat vehicles, Nachschubfähigkeiten über Wasserfahrzeuge, Systeme zum Räumen von Hindernissen wie Minenfeldern, außerdem Aufklärungs-, Überwachungs- und Zielerfassungsplattformen sowie Drohnen und Roboter, die zusammen mit bemannten Fahrzeugen und Flugzeugen operieren sollen. Das ist technisch mehr als ein Einzelprojekt: Autonomie wird damit als Querschnittsfähigkeit verstanden, die in unterschiedliche Waffengattungen und Rollen eingreift und nicht erst am Ende einer Kette „aufgesetzt“ wird.
Damit die Autonomie nicht im Labor oder in Pilotprogrammen stecken bleibt, adressiert das Memo auch die Einbettung in bestehende Organisationsmodelle. Das Force-Management-Office der Army, zuständig für die Frage, wie Einheiten organisiert und ausgestattet werden, soll kurzfristig ausarbeiten, wie autonome Systeme in mindestens sechs Typen von Einheiten passen: Aviation, Armor, Fires, Sustainment, Engineer und Training. Zusätzlich weist das Memo den zuständigen Assistant Secretary für Manpower und Personnel Policy an, in allen relevanten Army-Einheiten Stellen für Drone- und Robotics-Spezialisten zu ergänzen. In der Sache sind solche Rollen bereits vorhanden – etwa 15X für taktische unbemannte Luftfahrzeugspezialisten sowie 390A als Robotik-Techniker für Warrant Officers. Neu ist jedoch die Skalierungsidee: Aus Einzelnischen sollen wiederkehrende Personalprofile werden, die den Betrieb und die Weiterentwicklung autonomer Systeme dauerhaft absichern.
Parallel dazu läuft auf der übergeordneten Ebene bereits eine zweite Baustelle: Verteidigungsminister Pete Hegseth kündigte im Rahmen des „State of the Force“-Addresses die Autonomous Warfare Command (AutoWarCom) an. In der Vorlage „Project Agincourt“ wird die unmanned systems office des Pentagons mit der Vorbereitung der Grundlagen betraut, die AutoWarCom später tragen sollen. Das Konzept beschreibt AutoWarCom als four-star functional combatant command mit missionorientierter Ausrichtung ähnlich dem Modell von U.S. Cyber Command. Für eine funktionale, dienstübergreifend ausgestattete Struktur braucht es allerdings in der Regel einen Gesetzgebungsprozess; die Vorlage zielt darauf ab, die nötigen Schritte gemeinsam mit dem Kongress einzuleiten und AutoWarCom bis zum 1. Oktober 2027 aufzustellen. Gleichzeitig verlangt ein Plan bis zum 30. Oktober eine klare Ausgestaltung der Kommandobeziehungen und der Beitragslogik der einzelnen Services.
Hier liegt der entscheidende Reibungspunkt für FASCOM: Das Memo zur neuen Army-Struktur erklärt nicht explizit, wie FASCOM in das AutoWarCom-Gefüge eingehängt wird. Auch die Beziehung zu T2COM bleibt offen. Letzteres ist aus der Zusammenlegung von Army Futures Command mit Training and Doctrine Command im Oktober 2025 entstanden und sitzt in Austin, Texas. Ein Sprecher von T2COM verwies Fragen zur neuen Einheit an die Army-Zentrale. Auf konkrete Rückfragen nach Einordnung, Finanzierung und der operativen Abgrenzung konnte der Armeesprecher keine zusätzlichen Informationen liefern. Für Unternehmen und Technologieanbieter ist das insofern relevant, als Schnittstellen zwischen Beschaffungsportfolios, Einbindung in Einheiten und übergreifende Kommandozuständigkeiten den Takt bestimmen, in dem Pilotsysteme in den Routinebetrieb überführt werden.
Für die Praxis ergibt sich aus dem Zusammenspiel mehrerer Befehls- und Beschaffungsstränge ein klarer Trend: Autonomie wird in der US-Armee organisatorisch wie eine eigene industrielle Domäne behandelt. Telle bringt das in seiner offiziellen Stellungnahme auf den Punkt: „We are forging the U.S. Army Futures and Autonomous Systems Command to get cutting-edge technology into the hands of soldiers, while prioritizing autonomy in our formations, our acquisitions, and our training to dominate the future of warfare.“ Unabhängig davon, wer die Leitung von FASCOM übernimmt und wo die Einheit letztlich verankert wird, sendet das Memo ein Signal an den Markt: Wer autonome Systeme entwickelt, muss nicht nur technische Reifezeiten einplanen, sondern auch damit rechnen, dass Beschaffung, Personalprofile und die Einbettung in konkrete Einheitsarten enger verzahnt werden. Gleichzeitig bleibt die Finanzierung und die genaue Aufgabenteilung im größeren Command-Design vorerst ein Feld, in dem die nächsten Entscheidungen von Gesetzgebung, Budgetzyklen und Strukturplänen abhängen.
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