LONDON (IT BOLTWISE) – LinkedIn hat seine Rangliste der begehrtesten israelischen Startups veröffentlicht, und sie ist vollständig von Cyber- und KI-Unternehmen geprägt. Angeführt wird Oak mit einem 60-Millionen-US-Dollar-Seed, gefolgt von doubleAI und Wonderful. Der Algorithmus bewertet unter anderem Mitarbeiterwachstum, Bewerberinteresse und Interaktionen auf Unternehmensseiten. Voraussetzung ist zudem ein kleiner, wachsender Mitarbeiterstamm ohne relevante Entlassungen seit 1. Juli 2025.

Israels Startup-Landschaft wirkt derzeit wie ein Magnet für Cyber- und KI-Kompetenz: In der „Top Startups“-Rangliste, die LinkedIn für Israel veröffentlicht hat, finden sich auf den vorderen Plätzen ausschließlich Unternehmen aus diesen Feldern. Der Effekt ist zweischneidig. Für junge Firmen bedeutet die Platzierung in den Top-Rankings vor allem Sichtbarkeit bei Kandidaten und eine Art Social-Proof im Talentmarkt. Gleichzeitig zeigt die Zusammensetzung der Liste, wie stark sich die Produktentwicklung in Israel derzeit um Security-Probleme und KI-gestützte Lösungen gruppiert.
Ganz oben steht Oak, ein Cyber-Startup, das im Juli mit einer Seed-Finanzierungsrunde über 60 Millionen US-Dollar an den Start ging. Hinter dem Unternehmen stehen laut Meldung Investoren wie Greylock, Accel und CRV. Operativ wird Oak von Shai Morag mitgetragen, der in der Vergangenheit bereits bei mehreren Transaktionen mit Cyber-Firmen beteiligt gewesen sein soll: Secdo wurde demnach an Palo Alto verkauft, Ermetic an Tenable. Schon hier wird deutlich, wie wichtig in der Branche nicht nur das Produkt, sondern auch die Kapital- und Erfahrungskette ist, die neue Teams schneller in die Skalierungsphase bringt.
Auf Rang zwei folgt doubleAI von Amnon Shashua. Das 2023 gegründete Unternehmen zielt darauf, KI-Systeme zu entwickeln, die seltene Expertise nachbilden und damit sowohl komplexe wissenschaftliche als auch technische Problemstellungen adressieren. Rang drei geht an Wonderful, das ein KI-basiertes Betriebssystem entwickelt haben soll, das großen Organisationen helfen soll, KI-Agenten bereitzustellen und Arbeitsabläufe zu automatisieren. Diese beiden Einträge verweisen auf einen verbreiteten Trend: Während klassische Security-Ansätze häufig auf Erkennung und Reaktion fokussieren, rücken KI-basierte Wissens- und Automationsschichten immer stärker in den Mittelpunkt – entweder als „Copilot“ für Experten oder als Infrastruktur, die wiederkehrende Schritte beschleunigt.
LinkedIn begründet das Ranking mit Daten aus dem eigenen Netzwerk, ergänzt um mehrere Kriterien, die in der Praxis stark miteinander verzahnt sind. Dazu zählen das Workforce-Wachstum im jeweiligen Unternehmen, das Interesse von Jobsuchenden, die Interaktion auf der Unternehmensseite sowie die Rekrutierbarkeit von Talenten aus großen Tech-Umfeldern. Letzteres zielt auf die Frage, wie viele Fachkräfte potenziell „abwandern“ würden – also wie attraktiv ein Startup für Profilgruppen ist, die normalerweise in etablierten Konzernumgebungen bleiben. Zusätzlich schränkt LinkedIn die Auswahl ein: Alle bewerteten Firmen müssen privat geführt sein, mindestens 30 Vollzeitbeschäftigte haben, höchstens sieben Jahre alt sein und ihren Hauptsitz in Israel (oder einen in Israel gegründeten Hauptsitz) nachweisen.
Auch dynamische Personalentscheidungen spielen für die Wertung eine Rolle. Laut den Kriterien der Plattform werden Startups, die zwischen dem 1. Juli 2025 und dem Launch der Liste mindestens 10 % ihrer Belegschaft entlassen haben, nicht in die Berechnung einbezogen. Diese Logik macht die Rangliste zu mehr als einem reinen Marketinginstrument: Sie belohnt Wachstumsstorys, die personell stabil bleiben, und sie reduziert das Risiko, dass die Sichtbarkeit auf kurzfristige Effekte entfällt. Für Teams aus dem Security-Umfeld ist das besonders relevant, weil der Produktbetrieb häufig stark von verlässlicher Entwicklung und operativer Incident-Response abhängt.
Ein konkretes Beispiel liefert Mate Security. Das Unternehmen, das auf Platz acht rangiert, unterstützt Security-Teams dabei, Cyberbedrohungen zu untersuchen und darauf zu reagieren. Der Ansatz: Sicherheitsalarme werden automatisiert analysiert, und Routineuntersuchungen werden so übernommen, dass Analysten sich intensiver auf komplexe Angriffe konzentrieren können. Das ist technisch eng mit dem Aufbau von Workflows, Priorisierung und Kontextanreicherung verbunden: Eine effektive Automatisierung muss nicht nur einzelne Alerts bewerten, sondern den passenden Entscheidungsrahmen liefern, damit aus Daten ein belastbarer Handlungsimpuls wird. Mate wurde dieses Jahr gestartet, und das Team setzt sich laut Quelle aus erfahrenen Profis zusammen, darunter Veteranen aus Wiz, Axonius, Meta und Microsoft. Die bislang gemeldete Gesamt-Finanzierung vor dem Launch liegt bei rund 50 Millionen US-Dollar.
LinkedIn publiziert „Top Startups“ bereits seit 2017 und positioniert die Liste als praktischen Wegweiser für Jobsuchende – mit dem Nebeneffekt, dass Unternehmen Investitionsanreize erhalten, präsent zu bleiben und ihre Employer-Story auf der Plattform aktiv zu pflegen. Ein weiteres Detail betrifft die regionale Nachverfolgbarkeit: Seit 2021 sei es möglich, die Top-Startup-Unternehmen nach Land auf der „Top Startups“-Seite auszuwerten. Für israelische Gründerteams kann das bedeuten, dass die Talentseite nicht nur auf lokale Anziehungskraft setzt, sondern auch auf globale Bewerberkreise zielt, die gezielt nach „Top“-Signalen suchen.
Für die nächsten Monate dürfte vor allem interessant sein, wie sich der Wettbewerb zwischen den beiden Clustern—Cyber mit operativen Automatisierungs- und Abwehransätzen sowie KI mit Wissensreplikation und Agentenbereitstellung – weiter zuspitzt. Die Liste enthält zudem weitere Namen aus dem Umfeld, etwa Echo, Cyera, Notch, Kela, Eon, Port und weitere, was darauf hindeutet, dass Israel derzeit gleich mehrere Innovationswellen parallel ausrollt. Entscheidend wird dabei weniger die Rangposition selbst sein, sondern ob die Firmen die durch die Sichtbarkeit ausgelöste Dynamik in produktive Teams übersetzen können: schnelleres Hiring, bessere Onboarding-Prozesse und eine klare technische Story, die sich auch nach der Aufmerksamkeitsspitze messen lässt.
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