LONDON (IT BOLTWISE) – Neue Vorwürfe gegen Smart-TVs drehen sich um Datenerfassung im Standby und um die Frage, ob Audio dabei eine Rolle spielt. Der entscheidende Punkt ist die saubere Trennung von Inhaltserkennung, Sprachsteuerung und personalisierter Werbung, weil sich jede Funktion an einer anderen Stelle konfigurieren lässt. Für LG und Samsung beschreibt der Text außerdem, wie ACR als „digitaler Fingerabdruck“ über Server abgeglichen wird und welche Takte im Netzwerkverkehr auffallen. Wer betroffen ist, kann die relevanten Schalter gezielt finden oder den Fernseher konsequent offline betreiben.

Smart-TVs stehen derzeit nicht nur wegen der üblichen App- und Cloud-Funktionen im Fokus, sondern wegen potenzieller Datenflüsse, die auch außerhalb aktiver Nutzung entstehen sollen. Ausgelöst wurde die Debatte unter anderem durch Untersuchungen, bei denen Sicherheitsforscher und ein technischer Video-Kanal LG-Fernseher im Hinblick auf das Erfassen von Ton auch im Standby betrachtet haben. Laut den Vorwürfen sollen die Geräte Ton aufnehmen, daraus Transkripte erstellen und Informationen über das Heimnetz sowie weitere Geräte sammeln; LG weist diese Darstellung zurück. Parallel dazu ist auch die eingebaute Inhaltserkennung ein Thema: Samsung und LG verfügen über Mechanismen, die nach Zustimmung erkennen können, was auf dem Bildschirm läuft, und die sich in den Einstellungen deaktivieren lassen sollen.
Technisch lohnt sich daher ein Modell, das nicht „der Smart-TV“ sagt, sondern drei getrennte Datenströme. Erstens gibt es die Inhaltserkennung, die im Text als Automatic Content Recognition (ACR) beschrieben wird. Der Fernseher erzeugt aus dem laufenden Programm einen digitalen Fingerabdruck – im Kern eine Art Prüfsumme des Inhalts. Dieser Fingerabdruck wird laut Beschreibung anschließend mit einer Datenbank abgeglichen, damit erkennbar ist, welcher Inhalt gerade läuft. LG erklärt dabei, die eigene Inhaltserkennung arbeite mit Audio-Fingerabdrücken und erfasse weder Bildschirmfotos noch Ton- oder Videoaufnahmen; Samsung beschreibt ACR ebenfalls als Signaturverfahren und sagt, dass angezeigte Inhalte nicht aufgezeichnet würden.
Zweitens steht die Sprachsteuerung auf einem anderen Blatt. Im Fall von LG startet die Spracherkennung entweder per Taste auf der Fernbedienung oder über ein Aktivierungswort; die Funktionen sind laut Text getrennt und besitzen eigene Einstellungen. LG nennt als Abgrenzung, dass die Inhaltserkennung dort keine Sprach- oder sonstigen Tonaufnahmen erfasse. Auch bei der Nutzung über Aktivierungswort bleibt entscheidend, wie lokal verarbeitet wird: Der Text beschreibt eine Sprachsitzung mit einer begrenzten Dauer, und dass Ton ohne erkanntes Aktivierungswort nicht gespeichert, nicht in Text umgewandelt und nicht übertragen werde. Damit wird die Sprachsteuerung zwar für viele Familien im Alltag relevant, aber sie ist im Datenschutzbild nicht automatisch identisch mit der Inhaltserkennung.
Drittens geht es um Werbung und die dazugehörigen Einwilligungen. Personalisiertes Anzeigen-Targeting wird im Text getrennt von den anderen beiden Funktionen adressiert, wobei LG dafür eigene Einstellungen nennt und zusätzlich auf die Werbe-ID bei Google TV verweist. In der Praxis heißt das: Selbst wenn man ACR ausschaltet, kann je nach Plattform weiterhin personalisierte Werbung über andere Mechanismen erscheinen. Gerade deshalb ist die Reihenfolge der Einstellungsarbeit wichtig: Wer „Alle akzeptieren“ nur schnell wegklickt, kann sich später in einem System wiederfinden, in dem zwar einzelne Schalter existieren, aber die Historie der Einwilligungen schon mehrere Datenzwecke aktiviert hat. In der Studie von 2024, auf die sich der Text bezieht, ließ sich ohne Zustimmung ein Großteil der Inhalte der untersuchten Smart-TVs nicht nutzen – Grundfunktionen gingen demnach aber auch ohne optionale Zustimmungen.
Besonders aufschlussreich sind die im Text genannten Messwerte aus dem Netzwerkverkehr: Forscher sollen 2024 den Datenverkehr von LG- und Samsung-Fernsehern in Großbritannien und den USA von außen ausgewertet haben. Bei LG wurden etwa alle 15 Sekunden Verbindungen zu ACR-Servern beobachtet, bei Samsung etwa einmal pro Minute. Der Text ordnet diese Rhythmik so ein, dass Fingerabdrücke in diesem Takt übertragen werden. Bemerkenswert ist außerdem, dass ACR-Datenverkehr auch dann festgestellt wurde, wenn bei LG Inhalte eines über HDMI angeschlossenen Geräts liefen. Gleichzeitig wird beschrieben, dass nach Widerspruch gegen die Inhaltserkennung in den Einstellungen keine Verbindungen mehr zu den zuvor erkannten ACR-Servern auftraten – ein Hinweis darauf, dass die Deaktivierung im Alltag tatsächlich an der richtigen Stelle greifen kann.
Für die konkrete Umsetzung nennt der Text dann markenspezifische Pfade und Begriffe. Bei LG heißt die Inhaltserkennung „Live Plus“ und soll auf webOS-Geräten unter „Alle Einstellungen > Allgemein > System > Zusätzliche Einstellungen“ zu finden sein; außerdem sollen sich Inhaltserkennung, Sprachfunktionen und Werbe-Einwilligungen dort getrennt verwalten lassen und Einwilligungen zurückziehen lassen. Zusätzlich erwähnt der Text „Always Ready“ ab 2022: Der Fernseher bleibt im ausgeschalteten Zustand teilweise aktiv, um etwa auf Sprachbefehle zu reagieren; LG nennt dabei auch höhere Stromaufnahme im Always-Ready-Modus und erwähnt je nach Modell einen Hardware-Schalter zum Abschalten des Mikrofons. Bei Samsung trägt die Funktion den Namen „Informationsdienste zur Anzeige“ beziehungsweise „Viewing Information Services“ und soll nur nach Zustimmung bei der Einrichtung oder später in den Einstellungen aktiv sein; dort wird im Text auch ein Schalter für interessenbasierte Werbung genannt, sofern verfügbar. Bei Sony und Philips taucht außerdem Samba TV als Dienst auf, der je nach Modell zugeschaltet ist oder sich per Datenschutzeinstellungen bzw. Menüpfaden widersprechen lässt; der Text macht zugleich deutlich, dass Philips’ Details modell- und landabhängig sein können und dass ältere Hinweise nicht 1:1 für jedes Gerät gelten.
Die „radikalste Lösung“ im Text ist schließlich, den Smart-TV gar nicht erst als vernetzten Datenlieferanten zu betreiben: Streaming per Stick oder per anderem Gerät außerhalb der Herstellerkommunikation. Ohne Internetverbindung kann der Fernseher keine Daten an die ACR-Server des Herstellers schicken; ob und wie das Gerät lokal verarbeitet, bleibt allerdings geräteabhängig. Der Text erwähnt in diesem Zusammenhang, dass die Debatte um LG auch die Frage betrifft, ob Transkripte zunächst lokal gespeichert und später übertragen würden – LG bestreitet das. Praktisch bedeutet das: Wer maximale Kontrolle will, trennt die Rollen. Für Inhalte nutzt man dann häufig einen Streaming-Stick, der seine eigenen Datenschutzeinstellungen mitbringt; der Text nennt als Beispiel, dass bei Fire TV Nutzungsdaten und eine Werbe-ID erfasst werden können und sich beides in den Sticks-Einstellungen abschalten lässt. Unterm Strich zeigt die ganze Diskussion aber vor allem eins: Nicht jede Smart-TV-Funktion ist gleich riskant, und nur wer Inhaltserkennung, Sprache und Werbung getrennt betrachtet, kann die passenden Schalter wirklich konsistent setzen.
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