HAAG (SCHWEIZ) / LONDON (IT BOLTWISE) – VAT meldet einen Rekordauftragseingang im dritten Quartal 2026 und steigert sich dabei deutlich gegenüber Vorquartal und Vorjahr. Der Auftragseingang erreicht 696,6 Millionen CHF, während der Umsatz auf 376,4 Millionen CHF wächst. Das Unternehmen führt den Produktionshochlauf weiter fort und will bis Ende 2026 450 Millionen CHF Produktionsleistung pro Quartal erreichen. Für 2027 blickt VAT zudem auf einen Umsatz oberhalb der bisherigen Prognosespanne von 1,5 bis 1,7 Milliarden CHF.

Der Kapazitätsausbau in der Halbleiterfertigung schlägt sich in den Quartalszahlen eines Zulieferers für Vakuum- und Prozessventile besonders direkt nieder: VAT Group berichtet für das dritte Quartal 2026 einen Auftragseingang von 696,6 Millionen CHF. Das entspricht einem Plus von 39,3 % gegenüber dem Vorquartal und 193 % gegenüber dem Vorjahr; auf währungsbereinigter Basis nennt VAT für die Jahresvergleichsgröße +188 %. Parallel klettert der Nettoumsatz auf 376,4 Millionen CHF, was 29,4 % mehr zum Vorquartal und 45,9 % mehr zum Vorjahr bedeutet. Auffällig ist zudem das Book-to-Bill-Ratio von 1,9, das in der Praxis auf ein Umfeld hindeutet, in dem neue Bestellungen die vorhandene Nachfrage nach Produkten kurzfristig übertreffen.
Technisch betrachtet profitieren insbesondere die Bereiche, die mit der nächsten Generation von Logik- und Speicherchips in Verbindung stehen. VAT beschreibt das „Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage“ als anhaltend und macht als Treiber außerordentlich hohe Investitionen von Hyperscalern in Rechenzentren sowie den Serienstart von Halbleitern mit Gate-All-Around-Technologie (GAA) geltend. GAA-Transistoren gelten als Schlüssel, um die Leistungsfähigkeit bei kleineren Strukturbreiten zu erhalten oder zu verbessern; für die Prozesskette bedeutet das in der Regel, dass zusätzliche oder modernisierte Fertigungsschritte in den Fabriken notwendig werden. Genau in diesem Kontext steigt bei VAT die Nachfrage nach Anlagen für die Fertigung modernster Halbleiter. Das Unternehmen betont dabei, dass die Bestellungen nicht durch Doppelbestellungen oder künstlich erhöhte Auftragsvolumen „aufgeblasen“ seien, sondern mit verlängerten Bestellvorlaufzeiten zusammenhingen.
Diese Vorlaufzeiten werden in der Meldung konkretisiert: VAT nennt Werte von bis zu neun Monaten oder länger, verglichen mit rund drei Monaten Ende 2025. Als Gründe führt das Unternehmen unter anderem erwartete Preiserhöhungen sowie Bedenken hinsichtlich der künftigen Produktverfügbarkeit an. Daneben bleibt laut Mitteilung die Nachfrage chinesischer Kunden hoch, unterstützt durch die politischen Bemühungen zur Stärkung der technologischen Eigenständigkeit. Für den Markt ist diese Mischung aus „Verfügbarkeitssorgen“ und „Preissignalen“ relevant, weil sie Bestellungen zeitlich nach vorne verschieben kann, ohne dass die reale Endnachfrage unbedingt gleich stark sprunghaft steigt. Für VAT spielt das jedoch in der aktuellen Phase eher in die Karten: Der Auftragsbestand wächst auf 979,5 Millionen CHF und liefert damit eine hohe Planungssicherheit, die in der Fertigung und in der Lieferkette unmittelbare Auswirkungen hat.
Auf Segmentebene zeigt sich eine klare Dominanz von Semiconductors. Der Auftragseingang im Segment steigt im Vergleich zum Vorquartal um 37 % und liegt laut VAT 270 % über dem Vorjahreswert; auch der Umsatz entwickelt sich deutlich: 320,2 Millionen CHF im Segment insgesamt, ein Plus von 35,7 % zum Vorquartal und 57,1 % zum Vorjahr. Advanced Industrials wächst ebenfalls, wenn auch weniger stark: Auftragseingang 57,4 Millionen CHF (+40,5 % ggü. Vorquartal), Umsatz 36,1 Millionen CHF (+16,1 % ggü. Vorquartal). Im Geschäftsbereich Global Service steigen Auftragseingang und Bestandsarbeit dagegen noch einmal mit anderen Mechanismen: VAT nennt 101,0 Millionen CHF Auftragseingang (+52,4 % ggü. Vorquartal, +87,7 % ggü. Vorjahr) sowie eine sehr hohe Auslastung der Halbleiterfabriken als Grundlage. Gleichzeitig steigen Nachfrage nach Verbrauchsmaterialien und nach Reparaturen, und auch Upgrades gewinnen an Gewicht, sobald Anlagen länger laufen oder in modernere Prozessfenster hineinwachsen.
Damit rückt der Produktionshochlauf in den Mittelpunkt. VAT erklärt, den Anfang 2026 eingeleiteten Hochlauf konsequent fortzusetzen und im dritten Quartal weitere 450 Mitarbeitende einzustellen – ausgewiesen als Vollzeitäquivalente (FTE). Parallel richtet das Unternehmen die Lieferantenbasis „auf das erwartete weitere Wachstum im Jahr 2027“ aus. Ziel ist es, bis Ende 2026 eine Produktionsleistung von 450 Millionen CHF pro Quartal zu erreichen. Diese Größenordnung ist in mehrfacher Hinsicht marktentscheidend: Erstens beeinflusst sie die Fähigkeit, die Bestellwelle bei starkem Nachfrageüberhang zeitnah abzuarbeiten. Zweitens wirkt sie auf die Verhandlungslage in der Beschaffung, wenn Hersteller in einem Umfeld mit knappen Vorprodukten gleichzeitig Personal, Vorleistungen und Maschinenkapazitäten hochfahren. Drittens erhöht der wachsende Auftragsbestand die Wahrscheinlichkeit, dass die Auslastung in den Folgequartalen stabil bleibt.
Aus Sicht der Unternehmensplanung und der Kapitalmarktkommunikation geht VAT jedoch noch einen Schritt weiter: Das Unternehmen bestätigt höhere Kennzahlen für das Gesamtjahr 2026 und formuliert gleichzeitig eine konkretisierte Perspektive für 2027. Für 2026 erwartet VAT weiterhin höhere Auftragseingänge, Umsätze, EBITDA, eine höhere EBITDA-Marge sowie einen höheren Reingewinn und Free Cashflow. Für 2027 nennt VAT inzwischen einen Umsatz, der deutlich über dem oberen Ende der bisherigen Prognosespanne von 1,5 bis 1,7 Milliarden CHF liegt. Konkret bedeutet das: Die bisherige Erwartungsbreite wird nach oben verschoben, was in der Praxis häufig auf eine Kombination aus robustem Auftragseingang, wieder anziehender Lieferfähigkeit und einem anhaltenden Investitionszyklus in Kundenindustrie zurückgeführt wird. Für das vierte Quartal 2026 prognostiziert VAT einen Umsatz zwischen 420 und 450 Millionen CHF sowie ein Book-to-Bill-Ratio von über 1, was wiederum als Bestätigung eines fortgesetzten Nachfrageüberschusses gelesen werden kann.
Auch der Makroausblick wird in der Meldung recht deutlich an die Investitionszyklen in Rechenzentren und die nächste Generation von Chiptechnologien geknüpft. VAT verweist darauf, dass Marktbeobachter ihre Prognosen für weltweite Investitionen in Halbleiterfertigungsanlagen (Wafer Fab Equipment, WFE) im Verlauf des Jahres 2026 wiederholt nach oben korrigiert hätten; einzelne Experten halten zudem ein Marktvolumen von über 200 Milliarden US-Dollar im Jahr 2027 für möglich. Zusätzlich nennt VAT als strukturellen Treiber: In den kommenden drei Jahren befinden sich weltweit rund 150 neue Halbleiterfabriken im Bau oder in Planung. Für VAT sind daran besonders die Bereiche Semiconductors und Global Service gekoppelt, während Advanced Industrials in Teilen von halbleiternahen Anwendungen mitzieht. Für Unternehmen, die Zulieferer in der Fertigungskette steuern oder Einkaufsentscheidungen treffen, heißt das: Wer heute Lieferfähigkeit, Vorlaufzeiten und Kapazitätsrisiken bewertet, kann sich an den beschriebenen Mustern orientieren – verlängerte Orderzyklen, steigende Upgrade- und Servicebedarfe sowie die wachsende Bedeutung moderner Prozessarchitekturen wie GAA.
Gleichzeitig lohnt ein nüchterner Blick auf die Risiken, die in der Meldung indirekt mitschwingen. Wenn Bestellungen durch Verfügbarkeits- und Preiserwartungen vorgezogen werden, können spätere Quartale zwar weiterhin stark ausfallen, aber der Verlauf könnte im Zeitverlauf weniger linear werden. VAT selbst deutet mit den sehr langen Vorlaufzeiten darauf hin, dass Produktions- und Lieferentscheidungen in den Kundenwerken zeitlich „durchlaufen“ und nicht sofort umschalten. Genau deshalb ist der angekündigte Ausbau bis zur Produktionsleistung von 450 Millionen CHF pro Quartal bis Ende 2026 strategisch wichtig: Er soll sicherstellen, dass Nachfrage nicht nur auf dem Papier existiert, sondern auch in Umsätze und Cashflows überführt wird. Die für 2027 genannte Umsatzverschiebung nach oben setzt dabei ein Szenario voraus, in dem die Investitionen in zusätzliche Fertigungskapazitäten – vor allem bei modernsten Logik- und Speicherchips – auch im nächsten Jahr auf hohem Niveau bleiben.
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