WIEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Beim Net5.5G Intelligent IP Network Summit ging es um sichere und ausfallsichere IP-Netze als Basis für neues Wachstum im KI-Zeitalter. Laut der Veranstaltung wurde dabei ein Schwerpunkt auf Cybersicherheit gelegt, die von der Konzeption bis in den Betrieb in Netzwerkelementen verankert ist. Vertreter von ITU-T SG13 beschrieben, wie KI Angriffe beschleunigt und das bisherige Verhältnis von offensiver und defensiver Sicherheit verschiebt. Parallel dazu wurden Initiativen vorgestellt, um Resilienz und Zuverlässigkeit bei Netzbetreibern systematisch zu steigern.

Beim Global Ultra-Broadband Forum (UBBF) 2026 hat Huawei den „Net5.5G Intelligent IP Network Summit“ als Forum für eine zentrale Frage im Kommunikationsmarkt genutzt: Wie lässt sich eine Netzarchitektur so absichern, dass sie nicht nur hohe Bandbreiten liefert, sondern auch unter KI-getriebenem Bedrohungsdruck stabil bleibt? Hintergrund ist, dass sich IP-basierte Netze zunehmend als Plattform für KI-gestützte Dienste verstehen lassen – vom schnelleren Transport bis hin zu neuen Geschäftsmodellen, die Netzintelligenz direkt monetarisieren. Die Veranstaltung setzte genau dort an und stellte Sicherheit und Ausfallsicherheit als strategische Notwendigkeit in den Vordergrund, nicht als nachgelagertes Sicherheitsprojekt.
Technisch rückt dabei eine Zielarchitektur in den Mittelpunkt, die aus zwei Bausteinen besteht: „Native Security“ und „In-Depth Defense“. „Native Security“ beschreibt in diesem Kontext ein Sicherheitsdesign, das Sicherheit bereits in der Konzeption sowie in Produktion, Bereitstellung und Betrieb der Netzkomponenten berücksichtigt. Das unterscheidet sich deutlich von Ansätzen, die primär auf nachträgliche Schutzschichten setzen, weil sich so etwa Patch-Zyklen, Konfigurationshärten und sichere Betriebsprozesse enger mit der Hardware- und Software-Entwicklung verzahnen. „In-Depth Defense“ adressiert dagegen das Prinzip der mehrschichtigen Verteidigung, die domänenbasiert wirken soll, um auch komplexe und hartnäckige Bedrohungen abzuschirmen.
Im nächsten Schritt wurde die Bedrohungslandschaft konkret im Zeichen der KI-Welle beschrieben. Vertreter von ITU-T SG13 sowie AV-TEST hätten dabei Einblicke gegeben, wie KI das Ausmaß von Angriffen beschleunigt und damit das traditionelle Gleichgewicht zwischen offensiver und defensiver Sicherheit verschiebt. Für Netzbetreiber ist das vor allem deshalb relevant, weil klassische Sicherheitsmechanismen häufig an bestimmten Annahmen hängen: gleichbleibende Angriffsmuster, überschaubare Latenzen für Detektion und Reaktion, sowie ein Sicherheitsbetrieb, der eher manuelle Abläufe als kontinuierliche KI-gestützte Anpassung benötigt. Wenn die Geschwindigkeit von Angriffen steigt, müssen sich auch Telemetrie, Anomalieerkennung und die Kette bis zur Gegenmaßnahme verkürzen – andernfalls bleibt Resilienz Theorie.
Daneben stand ein weiterer, für die Netzplanung besonders langfristig wirkender Punkt auf der Agenda: die Warnung vor Entschlüsselungsbedrohungen durch Quantencomputer. Die Kernaussage lautet, dass Angreifer verschlüsselte Daten sammeln und später entschlüsseln könnten, sobald entsprechende Quanten-Fähigkeiten verfügbar sind. Daraus folgt für Netzbetreiber unmittelbar ein Handlungsdruck bei Kryptografie und Sicherheitsmaßnahmen: Neue kryptografische Algorithmen müssen eingeführt werden, die Widerstandsfähigkeit gegen künftige Angriffe durch Quantencomputer bieten. In der Praxis bedeutet das nicht nur die Auswahl neuer Verfahren, sondern auch den Umbau von Schlüsselmanagement, Interoperabilität in heterogenen Umgebungen und die Einbindung in den laufenden Betrieb – gerade in Netzen, in denen viele Komponenten über Jahre hinweg parallel existieren.
Um diese Themen zu koordinieren, starteten ITU-T SG13 und die WBBA gemeinsam die Initiative „Build Resilient, Secure IP Networks Together“. Der Anspruch richtet sich an globale Netzbetreiber: Sie sollen ihre Netzwerksicherheit und -resilienz messbar verbessern und gleichzeitig die Kontinuität von Diensten im Zeitalter der KI absichern. Dass die Initiative explizit den Fokus auf IP-Netze legt, ist marktnah: IP ist die gemeinsame Nenner-Schicht für Transport, Servicebereitstellung und zunehmend auch für Automatisierung. Entsprechend wirken sich Verbesserungen hier auch auf die Fähigkeit aus, KI-Workloads überhaupt verlässlich zu betreiben – etwa dort, wo Latenz- und Verfügbarkeitsanforderungen den Unterschied zwischen „funktioniert im Test“ und „läuft im Feld“ ausmachen.
Auf der Produkt- und Systemseite ordnete Huawei die „weiterentwickelte Huawei NG-WAN-Lösung“ ein und verband sie mit dem Summit-Motiv. Leon Wang, Präsident der Produktlinie für Datenkommunikation bei Huawei, hob dabei hervor, dass sich KI von einem reinen Effizienzwerkzeug zu einem Motor für die Monetarisierung von Netzwerken entwickelt habe – und dass nachhaltiges Wachstum eine sichere, widerstandsfähige Grundlage erfordert. John Cai, Vice President derselben Produktlinie, stellte anschließend die NG-WAN-Weiterentwicklung im Detail vor. Ergänzend präsentierten Führungskräfte führender Netzbetreiber Roadmaps und Praktiken in den Bereichen Netzwerksicherheit, Widerstandsfähigkeit und autonomes Netzwerken, also genau den Umgebungen, in denen „Sicherheit durch Architektur“ operationalisiert werden muss.
Auch die internationale Auszeichnungsspur machte deutlich, dass Sicherheit und Resilienz nicht nur ein Technikthema bleiben sollen: Der Präsident des IPv6-Forums überreichte Auszeichnungen an Vertreter von Netzbetreibern und ehrte die ägyptische Nationale Telekommunikationsregulierungsbehörde (NTRA) mit dem Preis „Pionier der nationalen Politik zur Netzresilienz“. Laut den Angaben im Umfeld der Ehrung sei dies eine Anerkennung für die Bemühungen beim Aufbau resilienter und sicherer IP-Netze sowie für Initiativen zur Online-Sicherheit von Kindern. Solche Signale aus Regulierungs- und Branchenebene sind für Unternehmen relevant, weil sie zeigen, wie stark Resilienz-Anforderungen in nationale Programme und politische Leitplanken übergehen.
In Summe zeichnet der Summit einen konsequenten Zusammenhang: KI treibt nicht nur neue Dienste, sondern erhöht auch die Geschwindigkeit und Komplexität von Angriffen. Gleichzeitig wächst der Druck, Sicherheit von Anfang an in Netzkomponenten zu verankern („Native Security“) und parallel mehrschichtige Schutzmechanismen in Domänen zu denken („In-Depth Defense“). Mit Blick auf Quantenrisiken wird zudem sichtbar, dass Netzplanung immer stärker als mehrjährige Migrationsaufgabe verstanden werden muss. Für Betreiber heißt das: Wer Resilienz und Sicherheitsarchitektur früh in den Lebenszyklus integriert, schafft die Voraussetzung dafür, KI-gestützte Monetarisierung verlässlich auszuspielen – statt sie durch Sicherheitslücken oder Ausfälle immer wieder zu bremsen.
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