STOCKHOLM / LONDON (IT BOLTWISE) – Ericsson liefert im dritten Quartal ein Ergebnis ab, das zunächst besser ausfällt als viele Analysten erwartet hatten. Das bereinigte Ebita sinkt zwar im Jahresvergleich um über ein Drittel, doch der Rückgang wird durch einen Einmalfaktor aus dem Vorjahr relativiert. Gleichzeitig stellt der neue Chef Per Narvinger für das kommende Jahr eine Belastung der Bruttomarge in Aussicht, ausgelöst durch steigende Komponentenkosten. Auch beim Markt für Mobilfunkzugangstechnik rechnet er eher mit Stagnation.

Ericsson: Quartalsgewinn besser als erwartet, Chef warnt vor Margendruck
Ericsson: Quartalsgewinn besser als erwartet, Chef warnt vor Margendruck (Foto: IT BOLTWISE)
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Ericsson hat im dritten Quartal eine operative Trendwende angedeutet, aber die Story bleibt zweigeteilt: Auf der einen Seite steht ein bereinigtes Ergebnis, das laut Unternehmensangaben besser war als erwartet. Auf der anderen Seite signalisieren die Aussagen von Vorstandschef Per Narvinger, dass die Kostenstruktur im Mobilfunkgeschäft unter Druck bleibt. Das ist für Unternehmen, die das RAN-Ökosystem (Radio Access Network) planen, besonders relevant, weil sich daran nicht nur die kurzfristige Ergebnisqualität, sondern auch die Investitionsbereitschaft von Netzbetreibern ablesen lässt.

Konkret lag das um Sonderposten bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Firmenwertabschreibungen (Ebita) im Jahresvergleich um mehr als ein Drittel niedriger bei 10,1 Milliarden Schwedischen Kronen, entsprechend rund 0,9 Milliarden Euro. Ursächlich war dem Konzern zufolge nicht ein durchgehend schwächeres Geschäft, sondern vor allem ein Einmalertrag im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Gleichzeitig blieb die Markterwartung gedämpft: Analysten hatten offenbar mit einem deutlich kräftigeren Rückgang gerechnet. Parallel wuchs der Umsatz im dritten Quartal dank einer „soliden Nachfrage“ nach Mobilfunkequipment um 6 Prozent auf 59,5 Milliarden Kronen; unter dem Strich halbierte sich der Gewinneinbruch auf 5,8 Milliarden Kronen, wobei auch hier ein Einmalfaktor im Vorjahr beim Verkauf des US-Telekomdienstleisters Iconectiv eine Rolle spielte.

Für die nächste Ergebnisphase ist jedoch weniger der Quartalsvergleich entscheidend als die Kostenannahmen. Narvinger verwies auf steigende Komponentenkosten und stellte damit Investoren eine mögliche Belastung der Bruttomarge für das kommende Jahr in Aussicht. Damit rückt ein Mechanismus in den Fokus, den viele Netzwerkinfrastrukturanbieter aus aktuellen Lieferketten- und Hardwarezyklen kennen: Selbst wenn die Nachfrage nach Equipment stabil bleibt oder sogar leicht wächst, können sich die Stückkosten durch teurere Bauteile und Beschaffungskonditionen nach vorne verschieben. Dass parallel der Markt für Mobilfunkzugangstechnik (RAN) eher stagnieren dürfte, passt in dieses Bild, denn bei stagnierenden Projektvolumina wird Margenmanagement zum zentralen Steuerungshebel.

Der Kontext macht die Lage zusätzlich komplex. Der Konzern verweist darauf, dass die geopolitische Unsicherheit erhöht bleibt, während Ericsson zugleich seit Jahren eine schleppendere Nachfrage nach 5G-Netztechnik adressiert. Diese Gemengelage erklärt auch, warum bereits unter dem früheren Management Kostenmaßnahmen wie Jobabbau und Einsparungen in der Organisation umgesetzt wurden. Für die Branche bedeutet das: Die Übergangsphase von Kapazitätserweiterungen hin zu effizienteren Netzerweiterungen wird nicht automatisch „weich“ für Lieferanten, sondern zwingt sie zu mehr Fokus auf Serienfertigung, Lieferfähigkeit und die wirtschaftliche Ausgestaltung von Rollouts. Gerade im RAN-Umfeld wirken sich zudem Budgetwechsel der Mobilfunkbetreiber direkt auf Bestellmengen und Projekttermine aus.

Organisatorisch will Ericsson gegensteuern, ohne das Kerngeschäft zu entkoppeln. In einem ersten Schritt bündelt der neue Chef die beiden Asiensparten des Unternehmens, um die Geschäftsstruktur zu vereinfachen. Solche Umstrukturierungen zielen häufig darauf ab, Verantwortlichkeiten zu bündeln, Produkt- und Vertriebsentscheidungen schneller zu machen und Überschneidungen zwischen regionalen Einheiten zu reduzieren. In einem Umfeld, in dem sowohl Nachfrage als auch Kostenfaktoren gegenläufig wirken können, ist die Hoffnung meist zweifach: Einerseits soll die Umsetzungsgeschwindigkeit steigen, andererseits sollen operative Reibungsverluste sinken, die in der Praxis bei komplexen Liefer- und Installationsketten häufig teurer sind als die reine Materialrechnung.

Für Netzbetreiber und Systemintegratoren ist die Kombination aus Umsatzstabilität und angekündigtem Margendruck ein Signal, das man ernst nehmen sollte. Denn wenn Komponentenkosten die Bruttomarge beeinflussen, kann das Vertrags- und Preislogik betreffen: Laufzeitstrukturen, Indexierungen oder die Aufteilung von Risiko zwischen Vendor und Betreiber gewinnen an Bedeutung. Gleichzeitig liefert das Quartalsergebnis einen gewissen Hinweis, dass Ericsson im operativen Tagesgeschäft liefern kann, selbst wenn das Ergebnis auf der Kennzahlenebene durch Einmaleffekte überzeichnet oder verwischt wird. Für die weitere Marktbeobachtung lohnt daher weniger ein einzelner Quartalswert als vielmehr die Entwicklung von Kostenquote, Auftragsqualität und die Frage, wie stark Projektverschiebungen bei 5G-Modernisierungen tatsächlich in die Umsatzrealisierung durchschlagen.

Aus Branchensicht bleibt die Gemengelage um 5G, Lieferketten und Projektprioritäten damit ein zentrales Thema. Der angekündigte Stagnationsausblick beim RAN-Markt und die gleichzeitig betonte Notwendigkeit, die Kostenbasis zu kontrollieren, deuten darauf hin, dass der Wettbewerb zwischen Anbietern nicht nur über Technik, sondern zunehmend über Wirtschaftlichkeit und Umsetzbarkeit entschieden wird. Unternehmen, die mit Ericsson-Equipment planen oder Service- und Wartungsverträge verhandeln, sollten daher die nächste Planungsrunde mit Blick auf mögliche Margendruck-Effekte aktiv vorbereiten. Der Erfolg in dieser Phase wird wahrscheinlich darin liegen, mit belastbaren Liefer- und Preisannahmen durch die Übergangsperiode zu gehen, statt sich auf kurzfristige Ergebnisüberraschungen zu verlassen.


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