LONDON (IT BOLTWISE) – Honeywell Aerospace bringt mit SAMURAI eine Software auf den Markt, die Daten aus mehreren Counter-UAS-Sensoren in einer einzigen Bedienoberfläche zusammenführt. Das System nutzt UNITAS, um Schnittstellen unterschiedlicher Hersteller für Radar, Funk und EO/IR-Kameras zu vereinheitlichen. Für Bediener reduziert das die bisher nötige parallele Überwachung vieler Bildschirme deutlich. Gleichzeitig zielt Honeywell mit einer Open-Architecture-Integration darauf, bestehende Hardware bei Updates weiterzuverwenden.

Counter-drone-Systeme stehen vor einem klassischen Integrationsproblem: Radar, Kameras, Funkpeiler und weitere Sensoren liefern Informationen zwar zuverlässig, aber in getrennten Datenströmen. Genau an dieser Lücke setzt Honeywell Aerospace mit SAMURAI an. Die Plattform soll die Signale aus unterschiedlichen Quellen in eine zusammenhängende Oberfläche überführen, damit Bediener Ziel- und Bedrohungsinformationen schneller in Kontext setzen können. Im Ergebnis verschiebt sich der Schwerpunkt von der reinen Sensorbereitstellung hin zur Fähigkeit, mehrere Wahrnehmungskanäle als ein konsistentes Lagebild zu nutzen.
Technisch baut Honeywell das auf UNITAS auf, der battle-management Software des Unternehmens. UNITAS dient laut Unternehmensdarstellung dazu, Sensoren und Wirkungselemente (effectors) verschiedener Hersteller in einen gemeinsamen Arbeitsablauf einzubinden. Für Betreiber ist das besonders relevant, weil Counter-UAS-Systeme häufig aus heterogenen Komponenten entstehen: Unterschiedliche Landkreise, Militärstandorte oder Sicherheitskräfte haben über die Jahre unterschiedliche Beschaffungen vorgenommen. SAMURAI soll hier nicht „alles neu“ erzwingen, sondern mehrere Gerätekategorien so zusammenführen, dass ein Bediener mehrere Datenarten gemeinsam auswerten kann.
Die Logik dahinter ist eine umfassende Sensor-Fusion entlang mehrerer Erkennungsprinzipien. Radar liefert Objektdaten über größere Entfernungen; radio-frequency-Sensoren erkennen Signale, die mit Drohnen oder deren Bedienfunk zusammenhängen können. Remote-Identifikationseinrichtungen greifen zudem auf Identifikationsdaten zu, sofern „compliant drones“ entsprechende Broadcasts senden. Ergänzend helfen elektro-optische und Infrarotkameras, Objekte visuell näher zu untersuchen, während akustische Sensoren Drohnen anhand ihres Klangs detektieren können. Entscheidend ist dabei nicht nur die Verfügbarkeit einzelner Sensortypen, sondern die koordinierte Zusammenführung der jeweiligen Ergebnisse in eine Bedienoberfläche, die Entscheidungen unterstützt.
Im Einsatzkontext wird das Zusammenspiel zwischen Erkennen und Reagieren sichtbar. Je nach Bedrohungslage und verfügbarer Ausstattung kann ein Counter-UAS-System mit elektronischer Kampfführung, gerichteten Energiesystemen, konventionellen Mitteln oder Interceptor-Drohnen arbeiten. Auch das Einfangen per Netz wird erwähnt, wobei das Design so ausgelegt sein kann, dass Risiken durch herabfallende Trümmer auf Menschen oder Eigentum reduziert werden. Honeywell adressiert dabei auch die menschliche Seite der Bedienung: Konicki beschreibt, dass Betreiber bislang teilweise sechs bis acht getrennte Bildschirme für Radar, Kameras, Funk- und Jamming-Komponenten beobachten müssen. UNITAS soll diese Feeds konsolidieren, sodass Informationen aus mehreren Sensoren in einem Interface zusammenlaufen – „single pane of glass“ als Leitidee.
Für die operative Nutzung legt Honeywell zudem Wert auf eine erlebnisorientierte Bedienlogik. Das Interface soll so gestaltet sein, dass auch jüngere Einsatzkräfte, die ohne lange Erfahrung mit den einzelnen Systemen eingeteilt werden, schnell zurechtkommen. Dazu passt das „Open-Architecture“-Prinzip: Statt Kunden in das Produktportfolio eines einzigen Herstellers zu drängen, soll die Software die Integration vorhandener Ausrüstung erlauben. Betreiber können demnach Sensoren und Komponenten nach Bedarf auswählen und aktualisieren, sobald sich Detektionstechnologien und Gegenmaßnahmen weiterentwickeln. Ebenso soll Honeywell mit anderen Unternehmen zusammenarbeiten, damit nicht jede Erweiterung einen kompletten Vendor-Wechsel nach sich zieht; zugleich nennt Konicki als Ziel, dass Komponenten reif genug für den operativen Betrieb sind.
Auch die Plattform-Strategie ist mehrdimensional. Auf der AUSA-Tagung präsentierte Honeywell eine mobile Konfiguration, die auf der Rückseite eines Ford F-150 aufgebaut ist; Konicki bezeichnete diese Demonstrationsplattform als „Green Beast“. Darüber hinaus entsteht mit Odys Aviation eine airborne Anwendung von SAMURAI: Die Zusammenarbeit wurde im März 2026 angekündigt und zielt darauf, SAMURAI an Odys’ Long-Range-Laila unbemannte Plattform anzupassen. Laut den Angaben baut das Vorhaben auf mehr als einem Jahr gemeinsamer Entwicklung und Systemintegration auf, um SAMURAI über stationäre und mobile Bodenkonfigurationen hinaus auch luftgestützt nutzbar zu machen. Zusätzlich wird SAMURAI für fest installierte Schutzaufgaben und maritime Einsätze konfigurierbar beschrieben, etwa durch sensorische Platzierung um Gebäude, durch mobile Konfigurationen für temporäre Events oder durch verteilte Standorte zur Flächenabdeckung.
Marktseitig ergänzt Honeywell die Produkt-Story um eine Beschaffungs- und Skalierungsdimension. Am 12. Oktober teilte das Unternehmen mit, dass die vollständig kontrollierte Tochter EMS Defense Technologies als „counter-drone contract vehicle“ von der US-Behörde für Heimatschutz ausgewählt wurde. Das fünfjährige, mehrjährige Vergabefahrzeug nennt einen Deckel von 1,5 Milliarden US-Dollar; es wurde am 31. Juli vergeben und trat am 1. August in Kraft. Für potenzielle Kunden kann so ein Vehicle die Beschaffung vereinfachen, weil es Prozesse für wiederholbare, zeitlich gestaffelte Inbetriebnahmen schafft. Honeywell verweist außerdem auf internationale Partner in Ländern wie Litauen, der Slowakei und Kolumbien und darauf, dass sich lokal beschaffte Sensoren oder Wirkungselemente integrieren lassen.
Für Sicherheitsverantwortliche bleibt dabei ein Punkt zentral: Die Wirksamkeit eines Counter-UAS-Systems hängt stark davon ab, wie Sensoren positioniert und Pfade im Zielraum ausgelegt werden. Konicki beschreibt, dass Honeywell Standorte anhand geeigneter Platzierung von Radar, Kameras und weiteren Sensoren bewertet, um die Abdeckung zu maximieren. Im Planungsprozess sollen Abdeckungslücken identifiziert und Anpassungen empfohlen werden; anschließend führt das Unternehmen ein „red-team assessment“ durch, um zu untersuchen, von wo ein Gegner Drohnen starten könnte und wie dieses Vorgehen die Verteidigung beeinflusst. Damit wird SAMURAI nicht nur als Softwareoberfläche verkauft, sondern als Baustein für ein planbares Gesamtengineering aus Sensorlayout, Integration und operativer Bedienbarkeit.
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