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BIEL / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Schweizer Uhrenexporte in die USA sind im September nach Angaben des Uhrenverbandes FH um fast 89 Prozent gestiegen. Der Verband ordnet den Sprung vor allem einem niedrigen Vergleichswert ein und verweist auf die vorherigen US-Zölle unter Donald Trump. Auch in China und bei weiteren Absatzmärkten zeigt sich eine gegenläufige Entwicklung. Gleichzeitig deutet der Bericht auf eine Verschiebung hin zu günstigeren Uhren im Preissegment unter 500 Franken.

Schweizer Uhren nach Zollstreit wieder gefragt: Export legt deutlich zu
Schweizer Uhren nach Zollstreit wieder gefragt: Export legt deutlich zu (Foto: IT BOLTWISE)
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Die Zahlen aus Biel wirken auf den ersten Blick wie eine schnelle Trendwende: Laut dem Uhrenverband FH sind die Exporte Schweizer Uhren in die USA im September um fast 89 Prozent gewachsen. Wer jedoch direkt aus dem starken Prozentwert auf eine anhaltend robuste Konsumnachfrage schließt, übersieht leicht den statistischen Kontext. Der Verband betont, dass der Vergleichswert aus September 2025 besonders niedrig war. Genau solche Basiseffekte sind im Handel mit langlebigen Luxusgütern besonders wichtig, weil Absatzrückgänge nach politischen Entscheidungen oft nicht linear, sondern sprunghaft nachwirken.

Im Hintergrund steht ein Zollstreit, der in den letzten Monaten die Planungssicherheit der Branche spürbar eingeschränkt hat. Für das Jahr zuvor berichtet der Verband von eingebrochenen Uhrenexporten, nachdem US-Präsident Donald Trump zeitweise Einfuhrzölle in Höhe von 39 Prozent auf Schweizer Produkte verhängt hatte. Nach Verhandlungen seien die Zölle im November auf 15 Prozent heruntergehandelt worden. Für Unternehmen heißt das: selbst wenn sich der Zollsatz reduziert, bleiben Unsicherheiten über weitere Anpassungen und Laufzeiten von Lieferketten. Genau deshalb kann ein einzelner Monatsvergleich so stark ausfallen – und ebenso stark schwanken, sobald sich politische Rahmenbedingungen oder Einkaufsentscheidungen kurzfristig verschieben.

Während die USA zulegen, zeichnet sich in anderen Regionen kein einheitliches Bild ab. Beim Export nach China nennt der Verband einen umgekehrten Effekt: Der Einbruch im September von 14,2 Prozent lasse sich damit erklären, dass der Wert im September 2025 besonders hoch gewesen sei. Auch Singapur sowie die Vereinigten Arabischen Emirate verzeichneten laut Bericht einen Rückgang. In der Praxis zeigt sich hier ein Muster, das Marktforschung im Luxusbereich seit Jahren beobachtet: Währungs- und Nachfrageeffekte können sich regional überlagern, doch Basiseffekte dominieren in kurzer Frist häufig die Schlagzeile. Für Händler und Hersteller bedeutet das, dass Forecasts weniger an einzelnen Monatswerten hängen sollten, sondern stärker auf Rollings über mehrere Quartale setzen müssten.

Technisch betrachtet ist die Preis- und Sortimentsdynamik fast ebenso aussagekräftig wie das geografische Wachstum. Der Verband spricht von einem Trend zu billigeren Uhren und rechnet dabei Modelle unterhalb von 500 Franken als „preisgünstige Ware“. Besonders deutlich wird die Verschiebung in die unteren Preissegmente: Im Bereich bis 200 Franken legten die Exporte im September um 30 Prozent zu, im Segment 200 bis 500 Franken sogar um 52 Prozent. Im teuersten Segment ab 3000 Franken stiegen die Exporte hingegen nur um 9,9 Prozent. Diese Verteilung wirkt wie eine klassische Reaktion auf Budgetrestriktionen und auf Zahlungsbereitschaft, die in unsicheren Phasen stärker differenziert.

Weltweit addieren sich die Effekte zu einem zumindest positiven Gesamtergebnis. Insgesamt seien die Exporte im Vergleich zu September 2025 um 11,7 Prozent gestiegen und erreichten 2,2 Milliarden Franken, was laut Bericht rund 2,4 Milliarden Euro entspricht. Zudem nennt der Verband den vierten Monat in Folge mit Zuwächsen. Diese Häufung spricht dafür, dass sich die Branche nicht nur von einem einzelnen Ausschlag erholt, sondern langsam wieder in einen stabileren Absatzmodus zurückfindet. Gleichzeitig bleibt das Bild differenziert: Gegenläufige Entwicklungen in einzelnen Regionen sowie die stärkere Dynamik im mittleren und unteren Preisbereich deuten darauf hin, dass Nachfrage und Marktpositionierung aktuell neu austariert werden.

Für die betriebliche Umsetzung ergeben sich daraus mehrere konkrete Implikationen. Erstens lohnt es sich, Logistik- und Bestandsmodelle stärker nach Preissegmenten zu strukturieren, weil die Umsatzhebel offenbar im Bereich bis 500 Franken liegen. Zweitens wird die Wirkung politischer Handelshemmnisse auf die Nachfrage weiterhin unterschätzt, wenn Forecasts nur Zollhöhe und nicht auch das Timing der Verhandlungen abbilden. Drittens zeigt die Segmentverschiebung, dass Marketing und Distribution in komplexen Märkten nicht nur „mehr Aufmerksamkeit“, sondern gezielte Produktkommunikation brauchen: Wenn Kunden in bestimmten Regionen stärker in Richtung Einstiegs- und Mittelklasse-Güter rutschen, müssen Vertriebskanäle, Partner und Lieferfenster entsprechend angepasst werden.

Unterm Strich liefern die FH-Angaben ein Bild, in dem Erholung und strukturelle Verschiebung gleichzeitig stattfinden. Die USA wirken kurzfristig als Wachstumstreiber, doch der Verband ordnet den Sprung in den September-Daten auch dem niedrigen Vergleichswert zu. China, Singapur und die Vereinigten Arabischen Emirate zeigen dagegen, wie stark Basiseffekte und regionale Nachfrageunterschiede die Interpretation verzerren können. Besonders entscheidend ist jedoch der Preisrutsch: Wenn Exporte unter 500 Franken schneller steigen als die Spitze ab 3000 Franken, verändert das die Erwartung an künftige Margen, Produktionsplanung und Lagerstrategie. Genau darin liegt der handfeste Kern der Meldung für die Technologie- und Prozessseite der Branche: Wer Daten besser segmentiert und Szenarien schneller neu berechnet, kann auf solche Marktbewegungen reaktionsfähiger werden.


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