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POTSDAM / LONDON (IT BOLTWISE) – Brandenburgs Verkehrsminister Robert Crumbach unterstützt einen Zusatzvorschlag für Gelegenheitsfahrer im Rahmen des Deutschlandtickets. Statt eines Monatsabos soll eine digitale Lösung Fahrten per Smartphone erfassen und automatisch den günstigsten Tarif berechnen. Ziel ist, dass Nutzer in einem Monat nicht mehr als den Preis eines Deutschlandtickets zahlen. NRW und Hamburg haben dafür auf der Herbstkonferenz der Verkehrsminister eine Arbeitsgruppe angestoßen, die ein Konzept erarbeiten soll.

Brandenburg will Gelegenheitsfahrer beim Deutschlandticket entlasten
Brandenburg will Gelegenheitsfahrer beim Deutschlandticket entlasten (Foto: IT BOLTWISE)
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Brandenburgs Verkehrsminister Robert Crumbach drängt darauf, das Deutschlandticket stärker auf unterschiedliche Nutzungsprofile auszurichten. Im Kern geht es um eine Gruppe, die das bestehende Angebot bislang nur eingeschränkt nutzen kann: Menschen, die nicht jeden Tag oder regelmäßig mit Bus und Bahn fahren, sondern gelegentlich in Richtung Berlin oder in die nächste Stadt. Crumbach bringt das auf den Punkt, indem er sinngemäß betont, dass ein Monatsabo nicht immer das passende Produkt ist, wenn die Fahrten seltener anfallen. Damit verschiebt sich die Diskussion weg von einer reinen „Alles-oder-nichts“-Logik und hin zu einem Modell, das sich am realen Mobilitätsverhalten orientiert.

Technisch gedacht ist der Vorschlag vergleichsweise klar: Über ein Smartphone sollen Fahrtenbeginn und -ende registriert werden, anschließend berechnet ein System automatisch den jeweils günstigsten Tarif. Wichtig ist dabei die finanzielle Obergrenze, die das Modell sozial und haushaltsseitig kalkulierbar machen soll: In einem Monat sollen Fahrgäste insgesamt nicht mehr als für ein Deutschlandticket zahlen. Genau diese Kombination aus nutzungsbasierter Abrechnung und Deckelung adressiert ein typisches Problem digitaler Zusatzangebote im ÖPNV: Sie dürfen nicht nur „smarter“ sein, sondern müssen im Ergebnis für Gelegenheitsnutzer genauso gut oder besser abschneiden als der bekannte Standard. In der Praxis bedeutet das für die Tarif- und Abrechnungslogik eine starke Integration in bestehende Verkehrs- und Vertriebssysteme.

Der politische Hebel kommt dabei über die Verkehrsministerkonferenz. NRW und Hamburg haben den Vorstoß für die Herbstkonferenz der Verkehrsminister eingebracht und zugleich vorgeschlagen, zunächst eine Arbeitsgruppe einzusetzen, die ein Konzept für das neue Ticketsystem erstellt. Crumbach stellt in dem Zusammenhang eine Voraussetzung heraus: Das Konzept müsse die Nutzung wirklich erleichtern und gleichzeitig so gestaltet werden, dass es für die Länder finanziierbar bleibt. Damit wird das Thema nicht nur als Idee, sondern auch als Umsetzungs- und Kostenfrage gerahmt. Für die öffentliche Debatte ist das relevant, weil die Einführung eines bundesweit nutzbaren digitalen Angebots immer auch Schnittstellen-, Betriebs- und Verbundkosten nach sich zieht – etwa bei der Abstimmung zwischen Verkehrsunternehmen, Aufgabenträgern und IT-Landschaften.

Als Referenz nennt der Bericht das Angebot eezy.nrw in Nordrhein-Westfalen. Laut Angaben des Verkehrsministeriums habe eezy.nrw im September mehr als 1,4 Millionen Fahrten abgerechnet. Solche Zahlen sind in der politischen Kommunikation deshalb stark, weil sie zeigen, dass ein nutzungsorientiertes, digitales Modell bei einer breiten Nutzergruppe ankommt – zumindest dort, wo es schon eingeführt wurde. Übertragbar ist das jedoch nicht „per Copy-Paste“, weil die Einnahmeaufteilung, die Tarifarchitektur und die organisatorischen Rahmenbedingungen von Land zu Land und Verbund zu Verbund variieren. Trotzdem liefert das NRW-Beispiel einen praktischen Anker: Statt nur über theoretische Vorteile zu sprechen, können Länder ihre Anforderungen an ein bundesweites System an einem realen Produkt ausrichten.

Auch die Zivilgesellschaft gibt dem Vorschlag Rückenwind. Der Fahrgastverband Pro Bahn unterstützt den Ansatz, weil er Gelegenheitskunden stärker in den Nahverkehr bringen könne. Der Argumentationsstrang: Viele Menschen würden kein Deutschlandticket kaufen, wenn sie es kaum gebrauchen können. In diesem Spannungsfeld geht es um mehr als Komfort; es geht um die Frage, wie Vertrieb und Tarifangebote Nachfrage dort schaffen, wo sie bisher nur zurückhaltend ist. Der Ehrenvorsitzende Detlef Neuß regt außerdem an, Gruppen und Familien einzubeziehen. Das ist planerisch interessant, weil gerade für Mehrpersonenhaushalte die Grenzentscheidung zwischen „sich lohnt“ und „sich nicht lohnt“ häufig stark vom tatsächlichen Fahrtenprofil abhängt.

Ökonomisch entsteht für die Debatte zusätzlich ein Zeitfenster. Das Deutschlandticket kostet aktuell 63 Euro pro Monat und steigt im kommenden Jahr auf 66,80 Euro. Genau deshalb könnte ein „deckelndes“ Gelegenheitsmodell kurzfristig an Attraktivität gewinnen: Wer nur selten unterwegs ist, erhält damit eine Alternative, die den Preisanker reduziert, ohne im Worst Case teurer zu werden als das Abo. Für die Länder bedeutet das allerdings auch, dass sie ihre Einnahmenerwartungen und Finanzierungslogiken neu austarieren müssen. Für Verkehrsunternehmen wiederum stellt sich die Frage, wie sich ein digital registriertes Ticketangebot in bestehende Kontroll- und Abrechnungsketten einbettet, ohne den operativen Aufwand unverhältnismäßig zu erhöhen.

Gleichzeitig verschärft sich durch die geplante Arbeitsgruppe der Zeitdruck in Richtung Konzeptreife. Der Bericht macht deutlich, dass das System zuerst konzeptionell ausgearbeitet werden soll – also Details zu Nutzerführung, Abrechnungsmechanik, technischen Anforderungen und Finanzierung. Erst danach kann es in die Phase übergehen, in der ein bundesweit nutzbares Angebot realistisch wird. Für Entscheider in den Verkehrs- und IT-Teams heißt das: Parallel zur politischen Willensbildung muss die technische Umsetzbarkeit geprüft werden, inklusive der Frage, wie die Fahrtregistrierung zuverlässig funktioniert und wie das System den „günstigsten Tarif“ für unterschiedliche Verkehrsbereiche korrekt ermittelt. Für viele Organisationen ist das auch ein organisatorischer Kraftakt, denn die Integration betrifft nicht nur eine App, sondern die gesamte Kette von Daten, Tarifen, Abrechnung und Betrieb.

Aus Markt- und Branchenperspektive ist der Ansatz vor allem ein Signal: Deutschlandticket und digitale Vertriebskanäle werden weiter zusammenwachsen. Neben den offensichtlichen Effekten für Nutzer kann ein solches Modell die Datenbasis für Angebotsplanung verbessern, weil sich Nutzungsintensitäten differenzierter beobachten lassen – vorausgesetzt, die Daten werden in den jeweiligen Systemen sauber verarbeitet und rechtlich wie technisch verantwortbar genutzt. Damit rückt auch die Frage in den Fokus, wie KI-basiertes Matching künftig bei der Tarifbestimmung helfen könnte, etwa bei der Plausibilisierung von Fahrtinformationen oder beim Erkennen von Abrechnungsanomalien. Ob und in welchem Umfang solche Ansätze künftig zum Einsatz kommen, bleibt offen – aber die Richtung ist klar: Der ÖPNV sucht ein effizienteres Tarifdesign, das nicht nur „für alle“ gilt, sondern „für jede Nutzungsart“ besser passt.


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