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LONDON (IT BOLTWISE) – SAP meldet für das dritte Quartal eine spürbar stärkere Cloud-Dynamik als erwartet. Die aus Abos erwarteten Erlöse stiegen um 28 Prozent auf 24,1 Milliarden Euro. Damit verschiebt sich der Ausblick für den Cloud-Umsatz leicht nach oben, während die Aktie nach einer anfänglichen Erholung später im schwachen Gesamtmarkt nachgab.

SAP stärkt Cloud-Geschäft: mehr Verträge als erwartet, Aktie dreht ins Minus
SAP stärkt Cloud-Geschäft: mehr Verträge als erwartet, Aktie dreht ins Minus (Foto: IT BOLTWISE)
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SAP hat im dritten Quartal in einer insgesamt schwierigen Wirtschaftslage offenbar mehr Cloud-Verträge sichern können als viele Marktteilnehmer eingerechnet hatten. Entsprechend setzte der Konzernchef Christian Klein bei der Clouderlösung im Gesamtjahr zwar nicht auf grenzenlosen Optimismus, wurde aber „etwas zuversichtlicher“. An den Börsenkursen zeigte sich zudem ein typisches Muster: Die SAP-Aktie knüpfte zunächst an die deutliche Erholung seit Ende Juli an, drehte dann aber in einem schwachen Gesamtmarkt ins Minus. Zuletzt verlor das Papier rund ein Prozent auf 206,50 Euro, während der Kurs seit dem Juli-Tief bei 127,50 Euro wieder um mehr als 60 Prozent zugelegt hatte.

Der zentrale Treiber der positiven Bewertung ist dabei nicht nur das kurzfristige Zahlenwerk, sondern eine Kennziffer, die den künftigen Umsatzpfad besser vorhersagbar macht. SAP verwies auf die aus bestehenden Abos für Cloud-Software über die kommenden zwölf Monate erwarteten Erlöse, die im Jahresvergleich um 28 Prozent auf 24,1 Milliarden Euro stiegen. Währungsbereinigt waren es 26 Prozent Plus – und damit deutlich mehr als von Analysten antizipiert. Kapitalmarktseitig gilt diese Kennzahl als „Leading Indicator“, weil sie den Übergang weg von reinen Lizenzumsätzen hin zu laufenden Cloud-Beiträgen abbildet und damit Erwartungen an die zukünftige Erlösentwicklung prägt.

Technisch und organisatorisch passt das Bild zu dem seit Jahren forcierten Cloud-Schwenk, den Klein im Unternehmen bereits intensiviert hatte. SAP betonte, dass die Geschäftsentwicklung die Dynamik der Cloud-Transformation unterstreicht und damit auch Sorgen abfedern kann, die zuletzt vor einer möglichen KI-„Disruption“ des Kerngeschäfts entstanden waren. In der Praxis verschiebt sich dadurch die Rolle klassischer Softwarepakete: Statt einmaliger Projekte rücken wiederkehrende Betriebs- und Erweiterungszyklen in den Vordergrund, was Unternehmen typischerweise über ein Bündel aus Verträgen, Service-Leveln und fortlaufender Produktpflege steuern. Dass SAP das in einer schwankungsanfälligen Konjunkturphase vergleichsweise gut hinbekommt, ist für viele CIOs und Controller ein handfestes Signal, weil es die Planbarkeit von Budgets im laufenden Betrieb erleichtert.

Gleichzeitig bleibt die Begeisterung am Markt nach den Worten von Analysten nicht ohne Bremse. Toby Ogg von der US-Großbank JPMorgan verwies darauf, dass das Management auf Gegenwind aus mehreren Richtungen aufmerksam gemacht habe und die Euphorie daher begrenzt bleiben dürfte. Zudem kritisierte Maximilien Pascaud von der Baader Bank, dass dezidierte Kennzahlen zur Entwicklung eigener KI-Angebote fehlen – ein Punkt, der in der Wahrnehmung mancher Investoren zwischen „Roadmap“ und „messbarer Umsetzung“ klafft. Damit rückt ein für die Branche typisches Spannungsfeld in den Fokus: KI-Funktionen können Verkaufsargumente sein, aber an der Börse zählt häufig, ob sich daraus quantifizierbare Umsatz- und Margenwirkungen ableiten lassen.

Der kurzfristige Ergebnishebel zeigt sich trotzdem klar. SAP übertraf erstmals in einem Quartal die Marke von mehr als 10 Milliarden Euro Umsatz und mehr als 3 Milliarden Euro bereinigtem Betriebsergebnis. Als Beleg für Stärke und Skalierbarkeit verwies Finanzchef Dominik Asam auf diese Kombination aus Größenwachstum und operativem Ergebnis. Die übrigen GuV-Positionen untermauerten das Bild: Der Umsatz stieg in den drei Monaten bis Ende September insgesamt um 13 Prozent auf 10,3 Milliarden Euro, während Cloud-Software-Erlöse sogar 26 Prozent zulegten. Das um Sondereffekte bereinigte EBIT wuchs um 18 Prozent auf 3,03 Milliarden Euro, der Gewinn stieg um 11 Prozent auf 2,27 Milliarden Euro.

Auch die Zusammensetzung des Wachstums ist relevant, weil sie erklärt, warum der Ausblick nicht rein aus dem Bauch heraus wirkt. SAP erklärte, dass einige Kunden finanzielle Schwierigkeiten überwunden hätten und damit Umsätze aus mehreren Vorquartalen nachgeholt worden seien. Dazu kamen Erlöse aus zugekauften Firmen, namentlich Reltio, Dremio und Prior Labs. Für Investoren ist das zweischneidig: Einerseits verbessert es die aktuelle Performance, andererseits macht es die Frage nach der nachhaltigen Nachfrage wichtiger. Dass die Transformation nicht nur „abwartet“, sondern aktiv gebucht wird, zeigt sich zugleich im robust gewachsenen Vertragsbestand, auf den Klein beim Cloud-Ausblick verwies.

Für das laufende Jahr sieht SAP nun beim Cloud-Umsatz dank des gewachsenen Vertragsbestands ein etwas besseres Abschneiden als bisher gedacht. Bei den Cloud-Erlösen soll das obere Ende der Prognosespanne von währungsbereinigt 23 bis 25 Prozent Wachstum erreicht werden. Damit dürfte auch die Summe aus Cloud-Produkten und herkömmlichen Softwarelizenzen günstiger verlaufen als früher erwartet. Noch bleibt jedoch eine bedeutende operative Saisonkomponente: Asam bremste die Erwartungen, weil im vierten Quartal typischerweise rund die Hälfte der Buchungen des gesamten Jahres bei SAP einläuft. Das kann in einem mauen Umfeld die Zahlen belasten und den Pfad für das kommende Jahr beeinflussen. Gleichzeitig rechnet der Konzern derzeit auch für 2027 noch mit einer Beschleunigung des Umsatzwachstums gegenüber dem aktuellen Jahr – ein Ausblick, der vor allem darauf angewiesen ist, dass die Cloud-Verträge nicht nur kurzfristig, sondern in der Breite stabil abgerufen werden.


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