LONDON / LONDON (IT BOLTWISE) – Mehr regulatorische Klarheit, sieben Spot-ETFs und ein wachsender Stablecoin haben die Rahmenbedingungen für XRP verbessert. Gleichzeitig fällt der Kurs weiter: XRP handelt weiterhin rund 70% unter seinem Zyklus-Hoch. Die Berichte zeigen, dass viele Zahlungs- und Liquiditätsfunktionen den Wert am XRP vorbei verschieben. Entscheidend wird deshalb nicht „der gute Newsflow“, sondern ob sich daraus wieder echte, wiederkehrende Nachfrage ergibt, XRP zu halten.

XRP wirkt im Marktumfeld gerade wie ein Vermögenswert, der zwar mit besseren Voraussetzungen startet, aber die eigentliche Preiswirkung bislang vermisst. Der Kurs liegt laut Quelle bei etwa 1,10 US-Dollar und damit grob 70% unter einem im Jahr 2025 markierten Zyklus-Hoch von 3,55 US-Dollar. Gleichzeitig ergibt die Momentaufnahme ein widersprüchliches Bild: Im Juni/Frühjuli gab es zwar deutliche Rücksetzer, doch es gab auch Tage, an denen der Handel kurzfristig anders aussah. Genau diese Spannung ist der Kern der Frage: Dreht sich mit den regulatorischen und strukturellen Verbesserungen auch die Nachfrage nach XRP als „Asset zum Halten“ – oder fließt Kapital vor allem in andere Wege rund um das Ripple-Ökosystem.
Um das auseinanderzunehmen, lohnt ein Blick auf die makroökonomische Klammer. Die Quelle ordnet den Rückgang in eine breitere Krypto-Schwäche ein: Bitcoin liegt demnach rund 50% unter seinem Oktober-2025-Hoch, und in solchen Phasen ziehen sich Anleger häufig von risikoreicheren Positionen zurück. Auf XRP übertragen heißt das: Nicht jede Bewegung am XRP-Chart ist „XRP-spezifisch“. Entscheidend ist vielmehr, ob eine konkrete Nachfragequelle – etwa durch ETFs oder Zahlungsprodukte – auch dann Kapital in XRP bindet, wenn die Gesamtstimmung gegen Krypto läuft. Dass es am 2. Juli kurzfristig wieder Auffälligkeiten bei Wallets und „Whale“-Aktivität gab, danach aber neue Wallet-Erstellungen und die Aktivität auf dem Ledger zurückgingen, passt in dieses Bild: Temporäre Zuflüsse können ausbleiben, sobald Käufer nicht als Halter bleiben.
Der regulatorische Teil hat sich für XRP tatsächlich spürbar verbessert. Über mehrere Jahre hing eine Klage im Raum; das Kapitel sei nun „beendet“, die Quelle verweist auf eine 2023 ergangene Gerichtsentscheidung, bei der Ripple im Kern profitiert habe. Außerdem seien Vergleiche und Anpassungen bei einer ursprünglich genannten Strafsumme erfolgt, einschließlich einer Reduktion auf 50 Millionen US-Dollar. Zusätzlich nennt die Quelle eine Einordnung von XRP, die den Handel an Börsen als „Commodity“ behandelt – also mit einem anderen Regulierungsrahmen als bei Wertpapieren. Wichtig ist aber der Haken: Diese Klarheit soll nicht aus einer dauerhaften Gesetzesverankerung kommen, sondern aus Gerichts- und Vergleichslagen; damit bleibt die politische Kontinuität ein Faktor. Das „CLARITY Act“-Thema illustriert das Timing-Problem: Es habe zwar das Repräsentantenhaus sowie einen Senatsausschuss passiert, aber eine verbindliche Senats-Abstimmung sei nicht terminiert, zudem hänge die Lage an einer offenen Ethik-Regel. Solche Statusfragen sind weniger für den Alltag der Technologie relevant – aber sie entscheiden über das Risikoprofil institutioneller Akteure.
Genau hier setzen Spot-ETFs an, weil sie die regulatorische Hürde in eine für Fonds übliche Produktform übersetzen. Laut Quelle gibt es seit November 2025 die ersten Spot-XRP-ETFs; Canary Capital habe mit XRPC gestartet und rund 58 Millionen US-Dollar Handelsvolumen am ersten Tag erreicht. Insgesamt folgten weitere Produkte, bis Anfang 2026 sieben US-Spot-ETFs aktiv gewesen seien. Die Nachfrageseite zeigt eine bemerkenswerte Konstanz: Zwischenzeitlich hätten sich kumulierte Zuflüsse auf etwa 1,47 Milliarden US-Dollar summiert, getragen von sieben bis acht Wochen in Folge mit Nettokäufen. Doch die entscheidende Beobachtung: Trotz dieser „sauber messbaren“ Nachfrage blieb der Preisverlauf zunächst schwach. Die Quelle leitet das daraus ab, dass ETF-Nachfrage allein nicht automatisch zu einem Haltedruck auf XRP wird – unter anderem, weil die Fonds nur einen kleinen Anteil des zirkulierenden XRP halten sollen (in der Größenordnung von 1% bis 2%). Und wenn parallel der Marktverkauf nicht entsprechend nachlässt, kann ein ETF-Zulauf rechnerisch „untergehen“.
Noch deutlicher wird die Trennung zwischen Infrastruktur-Interesse und XRP-Halterei beim Stablecoin RLUSD. Die Quelle beschreibt RLUSD als Ripple-Stablecoin, der im Dezember 2024 in New York unter einer Trust-Lizenz gelauncht worden sei, 1:1 durch Dollar-Einlagen und cash-ähnliche Mittel abgesichert und monatlich durch eine externe Prüfinstanz berichtet werde. Gleichzeitig wächst RLUSD: Die Marktkapitalisierung werde mit rund 1,5 Milliarden US-Dollar angegeben und sei gegenüber dem Vorjahr etwa um das Dreifache gestiegen. Das ist strategisch relevant, weil Stablecoins Zahlungen vereinfachen und damit die Nachfrage nach einem „Brücken-Asset“ senken können. Die Quelle nennt hier einen zentralen Gedanken: XRP wurde ursprünglich als grenzüberschreitender Transfermechanismus konzipiert. Wenn ein Dollar-Token dieselbe Aufgabe auf beiden Seiten erfüllt, kann der Stablecoin-Routing-Effekt XRP-Nachfrage ersetzen. Dass RLUSD zudem bereits breit im Zahlungs- und Finanzkontext getestet wird (etwa über Pilotierungen großer Karten- und Zahlungsnetzwerke sowie Rollouts in einzelnen Ländern), unterstreicht die Ausrichtung auf massentaugliche Abwicklung. Als Gegenindikator wird allerdings genannt, dass ein erheblicher Teil des RLUSD über Ethereum gehalten werde und damit nicht primär auf das XRPL-Ökosystem einzahlt, das eigentlich „gefüttert“ werden soll.
Auch der Zahlungsdienst ODL zeigt, wie „Nutzung“ nicht gleich „Halten“ ist. Die Quelle erklärt ODL als On-Demand-Liquidity, bei der XRP als sehr kurzfristige Brücke zwischen zwei Währungen dient: Dollar werden in XRP konvertiert, über wenige Sekunden über das Ledger übertragen und anschließend wieder in die Zielwährung zurückgerechnet. Die Volumina seien real – die Quelle nennt mehr als 100 Milliarden US-Dollar für Ripple Payments insgesamt sowie mehr als 15 Milliarden US-Dollar für ODL im Jahr 2024. Gleichzeitig wird der Systemeffekt betont: Drei Sekunden Halt erzeugen Geschwindigkeit und Transaktionsvolumen, aber keine stabile Nachfrage, XRP über längere Zeit als Asset zu halten. Flankiert wird das durch Daten zur Ledger-Aktivität: Es gab einen starken Peak im Frühjahr (tägliche Transaktionen etwa 2,7 Millionen und ein Anstieg tokenisierter Real-World-Assets), später kühlte die Aktivität jedoch wieder ab. Zusätzlich fällt das Umfeld im Bereich dezentraler Anwendungen laut Quelle deutlich zurück, gemessen an einem Rückgang des Total Value Locked um rund 70% gegenüber einem 2025er Peak. Zusammen genommen entsteht das Muster „Infrastruktur ist da, aber die Haltenachfrage fehlt“ – und genau diese Lücke soll XRP laut Quelle aktuell daran hindern, aus einem guten Story-Setup nachhaltig Kurskraft zu ziehen.
Last but not least sind Angebot und Wettbewerb ein struktureller Bremsklotz. Die Quelle verweist auf einen Mechanismus aus dem Jahr 2017: Ripple habe 55 Milliarden XRP in On-Ledger-escrows gesperrt, die monatlich bis zu 1 Milliarde XRP freisetzen, wobei ein Großteil jedes Releases wieder neu gesperrt werde. Dennoch verbleiben nach dieser Beschreibung regelmäßig etwa 200 bis 300 Millionen XRP, die jeden Monat den Markt erreichen, bei gleichzeitig rund 38 Milliarden in Escrow. Selbst wenn man Burn-Mechanismen und Gebühren berücksichtigt, bleibt der Nettoeffekt laut Quelle klein im Vergleich zum Gesamtangebot – und die Kursunterbewertung wird über eine Differenz zwischen fully diluted valuation (etwa 109 Milliarden US-Dollar) und Marktkapitalisierung (etwa 68 Milliarden US-Dollar) sichtbar. Auf der Nachfrageseite entsteht zusätzlich Druck durch Stablecoin-Wettbewerb: Der Stablecoin-Markt sei laut Quelle bereits sehr groß, während das Volumen von RLUSD im Vergleich nur ein kleiner Anteil sein könne. Als konkretes Beispiel nennt die Quelle eine Open-USD-Initiative, die von mehr als 140 Firmen inklusive großer Zahlungs- und Finanzplayer getragen wird. Wenn institutionelle Akteure ihre eigenen Dollar-Token aufbauen, ist XRP als Brücke weniger „natürlich“ gesetzt. Die Schlussfolgerung der Quelle ist deshalb klar: Die Infrastruktur rund um Ripple wächst, aber die wiederkehrende Nachfrage, XRP zu halten, wird noch nicht in derselben Stärke belegt. Für die nächste Beobachtung ist die Conversion entscheidend: ob ein einzelner „Pillar“ aus dem Ökosystem beginnt, nicht nur Wert zu bewegen, sondern XRP als dauerhaftes Investment nachzufragen.
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