LONDON (IT BOLTWISE) – Sigma bringt mit der FP2 den Nachfolger seiner kompakten Full-Frame-Kamera-Serie. Die FP2 bietet 6K Open Gate im 3:2-Bereich und zeichnet intern Apple ProRes RAW auf. Für schnellere Aufnahmen sorgt ein Hybrid-Autofokus mit On-Sensor-Phasenerkennung und Subject-Tracking. Außerdem erhält das flache Modulargehäuse einen neigbaren 3,15-Zoll-Touchscreen sowie optionale Viewfinder über USB-C.

Der wichtigste Hebel der neuen Sigma FP2 ist nicht die schlichte Baugröße, sondern die Kombination aus Formatflexibilität und professionellem Codec-Workflow. Die Kamera bleibt dem „Modular-Backbone“-Konzept treu: ein flaches, sehr kleines Gehäuse ohne fest integrierten Griff oder Sucher, das je nach Produktion mit Cage, Handgriff, EVF oder LVF ergänzt wird. Genau an dieser Stelle trennt sich die FP2 von vielen „klein und gut“ Vollformat-Alternativen, die zwar kompakt sind, aber beim Video schnell an Grenzen stoßen. Sigma setzt deshalb auf 6K Open Gate im 3:2-Bereich des Sensors, damit sich das Bild später in verschiedene Seitenverhältnisse umwandeln lässt, ohne dass schon beim Dreh kompromittiert werden muss.
Technisch baut die FP2 auf einem 24,5-MP-„partially stacked“ 35-mm-Full-Frame-CMOS-Sensor (35,9 x 23,9 mm) auf. Bei Video liefert sie 6K Open Gate (3:2) bis zu 59,94 fps, allerdings ohne elektronische Bildstabilisierung (EIS) in 6K. Für den Raw-Anspruch positioniert Sigma die FP2 zudem klar Richtung Postproduktion: Intern stehen Apple ProRes RAW HQ und ProRes RAW (12-bit) bereit, jeweils bis maximal 6K bei 29,97 fps. Höhere Bildraten im 6K-Modus sind damit auf komprimierte Codecs beschränkt; wer „hohe fps“ und „Raw“ gleichzeitig braucht, muss die Aufzeichnungskonfiguration also bewusst planen.
Beim Speicher bleibt die FP2 pragmatisch: 70 GB internes Flash-RAM, dazu SDXC-Karten (UHS-II unterstützt) und externe SSDs über USB 3.2 mit Bus-Power. Sigma nennt eine kontinuierliche Aufnahmelaufzeit von bis zu zwei Stunden, und die interne Speicherung soll auch dann weiterarbeiten, wenn die Karte voll ist. Ebenfalls entscheidend für den Workflow sind die Log-Parameter: Sigma verwendet für Log-Workflows L-Log von Leica Camera AG; als Basis-ISOs nennt der Hersteller bei Log und RAW Dual-Basiswerte von 1250 und 10.000 mit einem Bereich von ISO 1250 bis 102.400 (erweiterbar abwärts auf ISO 320 und 640). Zusätzlich gibt es für den Standard-MOV-Modus andere Basis-ISOs (320 und 2500). Wichtig ist dabei die Einordnung: Sigma nennt 14,1 Stops dynamischen Bereich bei 4K Vollformat in L-Log und „sieben Stops“ Highlight-Headroom, doch solche Angaben sind Herstellerwerte und nicht 1:1 mit Labormessungen vergleichbar.
Im Alltag macht sich vor allem der Sprung beim Autofokus bemerkbar. Die frühere fp-Serie setzte stark auf Kontrast-AF; für „Run-and-gun“ war das spürbar ein Limit. Die FP2 kombiniert nun On-Sensor-Phasenerkennung mit Kontrastdetektion und ergänzt Subject-Tracking für Menschen, Hunde, Katzen und Vögel inklusive Eye AF. Für manuelle Fokussituationen mit modernen Objektiven ist außerdem der Focus-Ring-Modus relevant: Er lässt sich auf linear oder nicht-linear einstellen, was die Abstimmung zwischen manuellem Ziehen und Autofokus-Assist deutlich beeinflusst. Auch die Auslesung adressiert das Rolling-Shutter-Thema: Sigma spricht von einer Hochgeschwindigkeits-Auslesung, nennt jedoch keine explizite Readout-Zeit. Aus der Praxis hilft dann eher der Vergleich mit gemessenen Werten früherer Modelle: Für die originale fp wurden im Labor 20,8 ms in UHD gemessen, für die fp L 21,7 ms in Full-Frame-4K.
Beim Videostandard rundet die FP2 ihre „cine-nah“-Ausrichtung mit Audio- und Schnittstellen-Details ab. Neu ist der Wechsel zu Linear PCM mit bis zu vier Kanälen bei 96 kHz oder zwei Kanälen bei 192 kHz sowie optional 32-bit Float, aber Letzteres ist an das optionale HU-21 Hot-Shoe-Unit gebunden und an spezifische Adapter für XLR-Mikrofone. Timecode kommt über den 3,5-mm-Mikrofoneingang; einen dedizierten Kopfhörerausgang gibt es am Gehäuse nicht, der Monitor läuft über USB. Zwei USB-C-Ports trennen dabei Funktionen: Port 1 (USB 2.0) für EVF, Audio, Kabelauslöser und Laden, Port 2 (USB 3.2) für SSD-Aufnahmen, Webcam (UVC) und Audio (UAC) plus Laden. Zusätzlich ist HDMI Type A (2.1) an Bord, wobei laut Spezifikation kein RAW-Output über HDMI vorgesehen ist.
Auch das Bedienkonzept zielt auf kompakte Setups: Der 3,15-Zoll-Touchscreen mit ca. 2,1 Millionen Punkten neigt sich um 90° nach oben und 45° nach unten, was Low- und High-Angles erleichtert, ohne externen Monitor. Für die Zielgruppe „Small Rig, aber mit Sucher“ führt Sigma außerdem zwei Viewfinder-Optionen ein: Der EVF-21 verbindet sich per einzelner USB-C und neigt bis zu 90°; der LVF-21 sitzt über dem hinteren Screen und liefert eine on-axis Ansicht. Dazu kommt die „Director’s Viewfinder“-Funktion mit simulierten Framelines großer Kinokameras; Sigma nennt dabei unter anderem ARRI ALEXA-Klassikvarianten, Sony VENICE-Modelle und RED-Kameras. Für anamorphes De-Squeeze sind je nach Einstellung mehrere Faktoren verfügbar und das Feature ist von Tag eins integriert.
Preislich positioniert sich die FP2 als Upgrade für bestehende fp-Nutzer, die ihre kleinen Full-Frame-Setups im cine-tauglichen Bereich erweitern wollen. Das Gehäuse kostet 2.199 US-Dollar bzw. 2.199 Euro. Als globaler Release ist der 11. November 2026 genannt; wer einen Kit mit EVF-21 möchte, zahlt laut Angabe 2.749 US-Dollar, und es gibt zusätzlich eine Kit-Variante mit 50mm F2 DG Contemporary. Gegenüber dem Einstiegspreis der ursprünglichen fp (1.899 US-Dollar) wirkt die Mehrinvestition vor allem deshalb plausibel, weil die FP2 statt CinemaDNG nun intern ProRes RAW nutzt, 6K Open Gate offiziell anbietet und den Autofokus mit Phasenerkennung deutlich verbessert. Wer dagegen explizit auf CinemaDNG-Raw-Workflows gebaut hat, muss prüfen, ob ProRes RAW im eigenen Post-Stack bereits „native“ ist oder ob ein Umweg nötig wird.
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